Als ein Pottwal im Watt vor Cuxhaven starb - und warum auch heute noch Wale stranden
Der Buckelwal "Timmy" bewegte zuletzt viele Menschen - doch auch vor Cuxhaven sind Walstrandungen keine Seltenheit. Ein Blick ins Archiv zeigt Fälle aus drei Jahrhunderten und wie sich der Umgang mit den Meeressäugern verändert hat.
In den vergangenen Wochen ist wohl kaum jemand an der Geschichte rund um den Buckelwal "Timmy" vorbeigekommen. Das Tier, von vielen auch "Hope" genannt, verirrte sich Anfang März in die Ostsee und geriet dort immer wieder in flache Gewässer vor Mecklenburg-Vorpommern. Mehrfach strandete der Wal, und es entfachte eine ungewöhnliche Debatte über mögliche Rettungsmaßnahmen. Ende April wurde "Timmy" schließlich in einer groß angelegten Aktion geborgen und auf den Weg zurück in Richtung Nordsee gebracht.
Der Fall lenkt den Blick auch auf die eigene Region. Ein Blick in die Archive zeigt: Walstrandungen vor Cuxhaven sind selten - aber keineswegs ungewöhnlich.

21 Wale vor über 300 Jahren
Das wohl größte bekannte Ereignis liegt dabei weit zurück: Am 3. Dezember 1723 strandeten 21 Wale nahe der Insel Neuwerk in der Elbmündung. Keines der Tiere überlebte. Anders als heute wurden die Kadaver damals vollständig verwertet. Fischer aus Duhnen, Blankenese, Altona und Neuwerk zerlegten die Tiere direkt vor Ort, der Walspeck wurde per Schiff und Pferdewagen weitertransportiert. Solche Ereignisse hatten damals auch eine wirtschaftliche Bedeutung - Fleisch wurde verkauft und bot vielen Menschen eine seltene Nahrungsquelle.
Zwergwal und Pottwal an Cuxhavens Küste
Mehr als zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1984, wurde erneut ein Wal an der Küste gefunden: ein Zwergwal. Nach der Bergung wurde das Tier zunächst öffentlich gezeigt und anschließend wissenschaftlich untersucht. Ein besonders eindrückliches Bild bot sich im Dezember 1997 im Watt vor Sahlenburg. Dort verendete ein etwa 13 Meter langer und bis zu 40 Tonnen schwerer Pottwal. Vermutlich hatte sich das Tier auf seiner Wanderung verirrt und war ins flache Wattenmeer geraten. Mit ablaufendem Wasser kippte der Wal auf die Seite, sein Blasloch geriet unter Wasser - das Tier erstickte. Der Kadaver wurde anschließend gesichert, in den Hafen geschleppt und zerlegt. Das Skelett wurde im Kreis Stade vergraben und später vom Natureum in Balje wieder zusammengesetzt.

Kadaver angespült und geplatzt
Auch vor knapp 20 Jahren kam es zu einem größeren Fund. Am 1. September 2006 trieb ein etwa 17 Meter langer Finnwal tot in der Außenelbe. Das Tier war bereits stark verwest, durch Gase im Inneren aufgebläht und teilweise aufgeplatzt. Das Mehrzweckschiff Neuwerk schleppte den Kadaver nach Cuxhaven, wo er gesichert und entsorgt werden konnte. Fachleute gingen davon aus, dass der Wal bereits auf offener See verendet war und durch Strömungen in die Elbe gelangte.

Letzten großen Fund zur Tierkörperverwertung gebracht
Ein weiteres Großereignis folgte im Februar 2016: Im Sahlenburger Loch wurde ein toter Pottwal entdeckt. Der rund 11,80 Meter lange und etwa 18 Tonnen schwere Kadaver wurde zunächst im Watt gesichert und anschließend mit großem Aufwand geborgen. Beteiligt waren unter anderem die Feuerwehr, die DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) und die DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger). Danach wurde der Wal zum Lentzkai geschleppt, mit einem Kran auf einen Lkw verladen und zur Tierkörperverwertung nach Rotenburg (Wümme) transportiert.
Warum diese großen Wale stranden, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler nennen unter anderem Orientierungslosigkeit, Krankheiten oder Parasitenbefall als Gründe. Auch menschliche Einflüsse wie Schiffsverkehr und Unterwasserlärm könnten eine Rolle spielen. Besonders für große Wale kann das flache Wattenmeer zur Falle werden.
Schweinswale leben dauerhaft in der Nordsee
Neben den seltenen großen Walen gibt es vor der Küste jedoch auch eine heimische Art: Schweinswale leben dauerhaft in der Nordsee und werden regelmäßig auch vor Cuxhaven und in der Elbe gesichtet. Auch sie stranden gelegentlich. Untersuchungen zeigen, dass Beifang in Fischernetzen, Krankheiten oder Umweltbelastungen zu den häufigsten Ursachen zählen.
