Kaiser Wilhelm II. gibt der Segelregatta vor Cuxhaven im Jahr 1901 royalen Glanz
Vor 125 Jahren wurde Cuxhaven zum Schauplatz einer der prestigeträchtigsten Segelregatten des Kaiserreichs. Kaiser Wilhelm II. selbst nahm teil und verlieh dem Event durch seine Anwesenheit royalen Glanz.
von Hinrich Hildebrandt
Um bei den Segelwettfahrten mehr Siege zu erringen, gab Wilhelm II. insgesamt fünf kaiserliche Yachten in Auftrag.
Historisch betrachtet finden bei Cuxhaven mehrere Kaiserregatten vor 1914 statt. Die erste große und prominente Regatta dieser Art auf der Unterelbe vor der Stadt an der Elbmündung wird 1897 unter Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. ausgetragen. Sie tragen den offiziellen Namen "Offene Segelwettfahrt auf der Unterelbe" und gehen auf eine Idee des im Jahr 1868 von Hamburger Kaufleuten gegründeten Norddeutschen Regatta-Vereins zurück.

Der seefahrtbegeisterte deutsche Kaiser nimmt, wann immer es seine Zeit zulässt, teil, wodurch die Wettfahrt natürlich einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert erlangt. Aufgrund der großen Resonanz und der imperialen Repräsentationspolitik werden diese Rennen in den Folgejahren zu einem festen gesellschaftlichen und maritimen Ereignis. Solche Kaiserregatten finden in den folgenden Jahren, oftmals im Frühsommer (zum Beispiel Mitte Juni), regelmäßig statt. Ein bekanntes Rennen führt beispielsweise von Cuxhaven nach Helgoland.
Die Kaiserregatta ist jedoch keine einzelne, lokal exklusive Veranstaltung, sondern eine prestigeträchtige Serie: Der Kaiser lässt an wechselnden Orten - unter anderem in Kiel oder Travemünde - kaiserliche Preise aussegeln. Vor Cuxhaven gibt es während des Deutschen Kaiserreichs bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine Reihe jährlicher Regatten, die als Kaiserregatten firmieren.

Anlässlich eines Wettsegelns hält sich Wilhelm II. am 18. und 19. Juni 1901 in Cuxhaven auf. Zu dieser Tradition hat sich ein gewisses Ablaufschema entwickelt. Im Vorfeld besucht der Monarch Hamburg, um dort beispielsweise an einer Schiffstaufe oder den Pferderenntagen im Stadtteil Horn beizuwohnen.
Zwei Tage später berichtet das Cuxhavener Tageblatt im damaligen Stil der staatstragenden Ehrerbietung über einen persönlichen Besuch in Hamburg am 17. Juni 1901, der dem preußischen Gesandten Graf Wolff-Metternich gilt: "Eine zahlreiche Menschenmenge hat sich am Dammtorbahnhof aufgestellt, die den am Fenster des ersten Salonwagens des Kaiserlichen Hofzuges stehenden Monarchen mit jubelnden Hochrufen begrüßte. Präzise 6 Uhr 24 (abends) lief der aus fünf Wagen bestehende Extrazug ein. Als der Kaiser, der Marineuniform des Kaiserlichen Yachtclubs mit weißer Mütze trug, dem Zuge entstiegen war, wurde er zunächst von den Bürgermeistern Herren Dr. Hachmann und Dr. Mönckeberg begrüßt. Dann wandte sich der Kaiser zu seinem eigentlichen Gastgeber, dem Grafen Wolff-Metternich, zu und schritt mit diesem lebhaft plaudernd durch das in gedämpftes Licht gehüllte Laubendach, um auf dem Bahnhofsplatz unter den Hoch-Rufen der Menge eine Equipage zu besteigen und zur Villa des preußischen Gesandten zu fahren."

Nach dem Dinner fährt der Monarch gegen 22 Uhr mit dem Hofzug nach Cuxhaven weiter, um an den kommenden beiden Tagen an der Regatta teilzunehmen. Obwohl die kaiserlichen Yachten "Meteor” zu den größten und schnellsten Schiffen ihrer Zeit gehören, müssen sie sich des Öfteren der internationalen oder deutschen Konkurrenz geschlagen geben. Wenn eine Meteor-Yacht eine Regatta gewinnt, ist der Souverän bestens gelaunt.
Insbesondere der hervorragende Segler Charles Barr, ein gebürtiger Schotte, geht mehrmals als Sieger hervor. Da Wilhelm II. Niederlagen schlecht verkraftet, lässt er insgesamt fünf Yachten mit dem Namen "Meteor” erbauen. Wenn Wilhelms Ehrgeiz sich dauerhaft auf Segelwettfahrten beschränkt hätte, wäre Europa vielleicht manches erspart geblieben.

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