Lange vertraute der Preußenkönig dem Goldmacher Domenico Caetano
Im 16. und 17. Jahrhundert erhofften sich europäische Herrscher durch Alchemie finanziellen Aufschwung. Doch neben ehrbaren Wissenschaftlern lockte der Traum vom Gold auch Betrüger wie Domenico Caetano an, der Preußen in Atem hielt.
von Hinrich Hildebrandt
Im 16. und 17. Jahrhundert war die Alchemie an mehreren europäischen Fürstenhöfen verbreitet, so auch bei den Welfen. Die Herrscher erhofften sich durch die Transmutation (die Umwandlung unedler Metalle in Gold) eine Verbesserung ihrer Finanzen.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hält die von Paracelsus vertretene grundlegende Materialtheorie eine Metallumwandlung für möglich. Die meisten Chemiker, die damals versuchen, Blei in Silber oder Gold umzuwandeln, sind ehrbare Wissenschaftler. Doch die Aussicht auf immensen Reichtum lockt auch Schwindler und Betrüger an.

Der Chemiehistoriker Claus Priesner beschreibt die Täuschungspraktiken betrügerischer Goldmacher wie folgt: "Wir Menschen haben zu allen Zeiten gemeinsam, dass wir bereit sind, im Angesicht versprochener goldener Berge unseren kritischen Verstand zum Schweigen zu bringen."
An den Königs- und Fürstenhöfen des Mittelalters und der frühen Neuzeit werden hohe Summen für repräsentative Hofhaltungen aufgewendet. Diese Vorliebe für barocke Pracht lässt die Begehrlichkeit nach Reichtum wachsen. Es geht jedoch nicht nur um das "Goldmachen": Alchemisten werden zudem für die Herstellung von Medikamenten sowie für ihre Experimente mit Metallen und Mineralien geschätzt.
Ein Beispiel ist der Hof des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel in Wolfenbüttel im 16. Jahrhundert. Er gilt als vergleichsweise aufgeschlossen gegenüber der Wissenschaft und erlaubt alchemistische Experimente. Später, unter August dem Jüngeren, ebenfalls in Wolfenbüttel, floriert das Interesse an Gelehrsamkeit im Allgemeinen - inklusive alchemistischer Studien.

Betrügerische Goldmacher versuchen, sich für einige Zeit die Gunst eines Geldgebers zu sichern. Die damals für die vermeintliche Goldmacherei erforderliche Laborausstattung verschlingt hohe Summen, die durch teure Handschriften ergänzt werden. Deshalb stehen vermögende Adlige bei der Geldbeschaffung im Fokus.
Um glaubwürdig zu bleiben, muss ein Goldmacher kleinere Erfolge vorweisen können. So wird Gold beispielsweise in hohlen Rührstäben versteckt, die mit Wachs verschlossen sind. Beim Umrühren in der heißen Schmelze schmilzt das Wachs und das Gold fließt unbemerkt in die Mischung.

Im 16. Jahrhundert gelingt es dem betrügerischen Goldmacher Edward Kelly, den anerkannten Wissenschaftler John Dee in England zu beeindrucken. Dee ist Hofastrologe und Berater von Königin Elisabeth I., bevor er sich 1584 zusammen mit Kelly an den Kaiserhof Rudolfs II. in Prag begibt. Kelly glückt es jedoch nicht, Metalltransmutionen durchzuführen. Ihm wird Betrug vorgeworfen und er wird eingekerkert.
Betrügerische Goldmacher müssen, nachdem sie das Vertrauen eines Geldgebers erlangt haben, diesen über einen langen Zeitraum hinwegtäuschen. Sie benötigen Verschleierungsprozesse, bis sie zur Phase des Abkassierens kommen, um dann zu fliehen.
Domenico Emanuele Caetano ist ein Prototyp eines solchen Schwindlers, der sich immer wieder neue Opfer sucht. Schon in jungen Jahren wird er in Italien per Steckbrief gesucht, bis er es schafft, Adlige in ganz Europa zu täuschen. Im Jahr 1705 kommt Caetano an den Hof des preußischen Monarchen Friedrich I., der durch seinen verschwenderischen Lebensstil und die enorm aufwendige Krönung zum ersten preußischen König hohe Schulden angehäuft hat. Caetano kann den König zunächst für sich einnehmen, flieht allerdings mehrfach aus Berlin. Friedrich I. holt ihn jedes Mal zurück, bis er ihn auf der preußischen Festung Küstrin an einem mit Flittergold beklebten Galgen hinrichten lässt.

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