Lost Places in Langenmoor: Einige Objekte in dem kleinen Dorf zeigen sich als Brache
Verfallene Schulen, verlassene Höfe und rostige Maschinen zeugen in Langenmoor von einer vergangenen Zeit, die Entdecker mit ihrer Mischung aus Geschichte und Geheimnis in ihren Bann zieht.
von Hinrich Hildebrandt
Im Jahr 1911 begann der Bau einer Schule in Langenmoor. Aufgrund des Moorbodens kam dabei ein Eisenfachwerk mit dünnen Wänden zum Einsatz. Die frühere Schule ist heute eines von mehreren verfallenen Objekten, die Erinnerungen auslösen.
Zwischen eingeschlagenen Fenstern, abgeplatztem Putz und überwucherten Mauern erzählen generell verlassene Fabriken, Kurheime oder Villen ihre Geschichten von vergangenen Aktivitäten und Menschen, die längst verschwunden sind. Diese sogenannten Lost Places - vergessene Orte - ziehen immer mehr Entdecker an, die in bröckelnden Fassaden und rostigen Maschinen mehr als nur eine Ruine sehen. Hier verbinden sich Vergänglichkeit, Geschichte und Geheimnis zu einem besonderen Reiz.
Einige solcher Überbleibsel sind in der ehemals selbstständigen Gemeinde Langenmoor anzutreffen, die heute ein Teil von Armstorf ist. Die 764 Hektar große Feldmark Langenmoor wird im Norden von Moorausmoor eingegrenzt. Im Südwesten gehört der ehemalige Moorhof zu Langenmoor, der nur von Großenhain aus zu erreichen ist. Bei der Zwangsversteigerung um das Jahr 2000 erwirbt ein Landwirt aus Großenhain die zugehörigen Flächen; das Haus wird seitdem sich selbst überlassen.
Ab 1857 sind in Langenmoor Lehrer tätig, die eine Ausbildung an einem Lehrerseminar durchlaufen haben - doch sie kommen nicht freiwillig. Der Ort gilt im 19. Jahrhundert wegen der fehlenden Straßenanbindung offenbar als wenig attraktiv, weshalb hierhin Pädagogen versetzt werden, die Verfehlungen begangen hatten. Etwa vierzig Lehrer sind es, die auf diese Weise zumeist nur für ein Jahr Unterricht geben. Mit der Einweihung eines neuen Schulgebäudes im Jahr 1912 enden die Zwangsversetzungen. Im Jahr 1960 wird der Schulbetrieb in Langenmoor eingestellt, die Gemeinde Armstorf verkauft das Grundstück zu einem späteren Zeitpunkt.
Der Schulbau ist am Nordende erfolgt, da ursprünglich weitere Ansiedlungen von Bauern in Richtung Moorausmoor-Fünfhausendorf geplant sind. In der Abgeschiedenheit, weit nördlich der Schule, im sogenannten Paradies, errichten jedoch nur zwei Landwirte Siedlungsstellen: Sibbern und Hinck. Nachdem der Sibbern-Hof schon lange aufgegeben war, ermöglicht die Niedersächsische Siedlungsgesellschaft dem Landwirt Hinck in den Jahren 1954/55 einen Umzug ins Dorf. Heute erinnern nur noch drei Feldsteine mit den eingravierten Todesdaten von drei Hinck-Söhnen aus dem Zweiten Weltkrieg an die ehemalige Bebauung.
Im 20. Jahrhundert wird im Torfwerk Strenge an der Großenhainer Straße Schwarztorf von der Kleinbahn direkt auf Lastkraftwagen verladen. 1996 beginnt man damit, die Schienenstränge abzubauen; 1997 schließt das Torfwerk. Die Schienen und Lokomotiven werden nach Lettland verkauft, das gesamte Moor wird eingeebnet.
Von der Verladestation sind noch rostige Maschinen erhalten, die den Reiz des Zerfalls zeigen. Wenn die Natur sich Gebäude und Anlagen zurückholt, empfinden Lost Places-Fans dies als morbide Schönheit.





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