Nach dem tragischen Tod einer 54-jährigen Apothekerin im Juli 2021 wurde die Sietland-Apotheke in Wanna geschlossen. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger wurden nicht gefunden. Foto: Mangels
Nach dem tragischen Tod einer 54-jährigen Apothekerin im Juli 2021 wurde die Sietland-Apotheke in Wanna geschlossen. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger wurden nicht gefunden. Foto: Mangels
Alarmierender Trend

Immer weniger Apotheken im Kreis Cuxhaven: Zweistellige Zahl an Filialen weggebrochen

von Christian Mangels | 03.08.2025

Kaum Fachpersonal, gestiegene Kosten, zu wenig Honorar: Deutschlandweit sind pharmazeutische Fachbetriebe immer häufiger gezwungen, aufzugeben. Das Apothekensterben hat längst den Landkreis Cuxhaven erreicht. So sieht die aktuelle Situation aus.

Die Zahl der Apotheken im Landkreis Cuxhaven sinkt kontinuierlich - und diese Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren beschleunigt. Das zeigen aktuelle Zahlen der Apothekerkammer Niedersachsen, die unserer Redaktion vorliegen. Demnach sank die Apothekenzahl im Cuxland seit 2010 von 53 auf jetzt nur noch 36. Das ist ein Rückgang um 32 Prozent. Allein in den vergangenen fünf Jahren haben sechs Apotheken dichtgemacht.

Die Ausdünnung findet nicht nur, aber vor allem auf dem Land statt: Ob Wanna, Ihlienworth, Neuhaus oder Wingst - all diese Dörfer haben ihre Apotheken in den vergangenen Jahren verloren. Das hat unter anderem Auswirkungen auf die Notdienste: Zum einen wird die Organisation für die verbliebenen Apotheken in den Nächten sowie an Wochenenden und Feiertagen zunehmend schwieriger. Zum anderen werden auch die Wege für die Kundschaft länger.

In ganz Deutschland geht Zahl der Apotheken zurück

Mit den Problemen steht der Landkreis Cuxhaven nicht allein da. In ganz Deutschland geht die Zahl der Apotheken zurück. Zur Jahresmitte 2025 gab es nur noch 16.803 Apotheken in Deutschland - das sind 238 Apotheken weniger als zum Jahresende 2024 (17.041). Den 271 Schließungen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 stehen nur 33 Neueröffnungen gegenüber.

In Niedersachsen haben seit 2021 insgesamt 167 Apotheken aufgegeben - das entspricht etwa jeder elften Apotheke im Land. Foto: dpa/Spata

In Niedersachsen haben seit 2021 insgesamt 167 Apotheken aufgegeben - das entspricht etwa jeder elften Apotheke im Land. Wie das Sozialministerium berichtet, liegt die Apothekendichte inzwischen bei knapp 21 Apotheken pro 100.000 Einwohner - nur vier Jahre zuvor waren es 23. Am höchsten ist die Apothekendichte in Städten wie Hannover oder Oldenburg mit mehr als 25 Apotheken pro 100.000 Einwohnern.

18 Apotheken pro 100.000 Einwohner im Cuxland

Der Landkreis Cuxhaven liegt mit 18 Apotheken pro 100.000 Einwohner deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Noch dünner ist das Angebot in den Landkreisen Osterholz, Harburg, Heidekreis, Cloppenburg oder Lüchow-Dannenberg, wo laut Sozialministerium teilweise weniger als 17 Apotheken auf 100.000 Einwohner kommen.

Schließt dort eine Apotheke, kann im schlimmsten Fall die letzte wohnortnahe Anlaufstelle wegfallen - eine Entwicklung, vor der die Apothekerkammer Niedersachsen seit Jahren warnt. "Der Mangel an jungem, nachrückendem Fachpersonal ist eine große Bedrohung für die zuverlässige, wohnortnahe und kompetente Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln", sagt Niedersachsens Apothekerkammer-Präsidentin Cathrin Bruns.

Der Trend bei den Apotheken ist eindeutig. Symbolfoto: dpa/Dittrich

Panagiota Fyssa, Pressesprecherin der Apothekerkammer Niedersachsen, nennt auf Anfrage unseres Medienhauses weitere Gründe für die schwierige Situation der Apotheken: "Ein entscheidender Faktor ist die unzureichende Apothekenvergütung. Diese bleibt deutlich hinter der Inflation, der Entwicklung der Tariflöhne und der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zurück", erklärt Panagiota Fyssa.

Enormer wirtschaftlicher Druck für Apotheken

Apotheken würden unter enormem wirtschaftlichem Druck stehen. Anders als in vielen anderen Branchen könnten sie durch die Inflation gestiegene Kosten nicht an Kundinnen und Kunden weitergeben, da die Preise für verschreibungspflichtige Fertigarzneimittel gesetzlich festgelegt seien.

Die Pressesprecherin weiter: "Etwa 80 Prozent ihrer Einnahmen erzielen Apotheken mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Für eine wirtschaftlich tragfähige Betriebsführung ist daher unter anderem nicht nur die Anzahl der zu versorgenden Einwohnerinnen und Einwohner entscheidend, sondern auch die Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die Rezepte ausstellen." Die fachärztliche Versorgung konzentriere sich zunehmend auf innerstädtische Lagen. "Schließen Ärztinnen oder Ärzte ihre Praxen in Dörfern oder am Stadtrand, trägt sich auch die Apotheke vor Ort nicht mehr."

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Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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