"Die Küstenschutz- und Binnendeiche erfordern eine Beweidung mit Schafen, aber ein wirksamer Herdenschutz ist an Deichen aufgrund ihrer unebenen, exponierten Lagen oft nur schwer umsetzbar", heißt es unter anderem in dem Resolutionstext, über den der Cuxhavener Kreistag am morgigen Mittwoch berät. Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa
"Die Küstenschutz- und Binnendeiche erfordern eine Beweidung mit Schafen, aber ein wirksamer Herdenschutz ist an Deichen aufgrund ihrer unebenen, exponierten Lagen oft nur schwer umsetzbar", heißt es unter anderem in dem Resolutionstext, über den der Cuxhavener Kreistag am morgigen Mittwoch berät. Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa
Resolution und Forderungen

Auch nach Wolfsabschuss im Kreis Cuxhaven gibt es weiterhin Diskussionen

von Egbert Schröder | 09.03.2026

Wer gedacht hat, dass nach dem Abschuss einer Wolfs-Fähe im Cuxland vor wenigen Tagen die Diskussion über die Wolfsproblematik verstummen würde, irrt sich. Insbesondere die Debatte über "wolfsfreie Zonen" an niedersächsischen Deichen hält an.

Am Mittwoch wird sich der Cuxhavener Kreistag mit einem Resolutionsentwurf beschäftigen. Außerdem forderte zu Wochenbeginn das Landvolk die niedersächsische Landesregierung zum Handeln auf. Der Naturschutzbund (Nabu) warnt dagegen vor einer "anlasslosen Jagd" auf Wölfe in Niedersachsen.

Wie berichtet, hatte der Landkreis Cuxhaven nach den jüngsten Attacken von Wölfen auf Schafe - unter anderem in Stinstedt (Börde Lamstedt) - eine sogenannte artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für die "Entnahme" einer Wolfs-Fähe erteilt. Die Jagd auf das Tier war erfolgreich. Nach dem Abschuss und dem DNA-Abgleich stand fest, dass es tatsächlich die gesuchte Wölfin war. Weitere "Entnahmen" sind zunächst im Cuxland nicht vorgesehen.

Wenige vor dem Abschuss hatte es im Umweltausschuss des Kreistages eine erste Diskussion über einen Resolutionsentwurf gegeben. Diesen hatte der 2017 auf Kreisebene eingesetzte "Arbeitskreis Wolf" formuliert und einstimmig dem Kreistag zur Beschlussfassung empfohlen. Darin heißt es generell: "Lösungen, die eine in der Bevölkerung dauerhaft akzeptierte Koexistenz von Wolf, Mensch und Nutztieren ermöglichen, sind dringlich zu finden und der rechtliche Rahmen ist hierfür zu schaffen."

Nach dem Abschuss einer Wölfin im Landkreis Cuxhaven geht die Debatte über den Umgang mit dem Wolf weiter. Foto: Carsten Rehder

"Aktive Regulierung des Wolfsbestandes"

Doch es werden auch klare Forderungen aufgestellt: "Wir fordern auf Grundlage der geänderten Gesetze eine aktive Regulierung des Wolfsbestandes. Die Möglichkeit eines regional differenzierten Bestandsmanagements muss gegeben sein, um einem dynamischen Rissgeschehen vor Ort begegnen und die Wolfspopulation bei Bedarf begrenzen zu können."
In dem Resolutionsentwurf wird das Thema der "wolfsfreien Zonen" ebenfalls aufgegriffen: "Es müssen wolfsfreie Gebiete für die Nutztierhaltung ausgewiesen werden können. Dies ist besonders für Regionen notwendig, in denen Herdenschutz (zum Beispiel durch Zäune) schwer oder gar nicht umsetzbar ist. Für den Landkreis Cuxhaven gilt dies insbesondere für Deiche. Hier muss ein hinreichender Abstand gegeben sein, der sich an der täglichen Wegstrecke eines Wolfes orientieren sollte. Die vom Bund im Bundesgesetz festgestellten und entsprechend verankerten Deichregionen müssen vom Land Niedersachsen anerkannt werden."

Auf Landesebene geht die Diskussion über den Wolf ebenfalls weiter, nachdem der Bundestag das Bundesjagd- und Bundesnaturschutzgesetz geändert hatte. "Es ist ein wichtiges Signal, dass der Bundestag den Wolf ins Jagdrecht aufgenommen hat", erklärte am Montag Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen. Der Weg für ein "aktives Bestandsmanagement" in Deutschland sei mit der Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdgesetz freigemacht worden.

Die Diskussion über ein regionales Wolfsmanagement nimmt in Niedersachsen weiter Fahrt auf. Foto: CNV-Archiv

"Wolfsfreie Weideschutzgebiete"

Nun liege der Ball jedoch bei den Bundesländern. "Es muss jetzt schnell der Niedersächsische Wolfsmanagementplan beschlossen werden", sagte der Landvolk-Vizepräsident am Montag. Entscheidend sei aus Sicht des Verbandes ein praxisnahes Wolfsmanagement. Dazu gehörten auch die schnelle Entnahme von Problemwölfen, die Einrichtung "wolfsfreier Weideschutzgebiete" sowie ein verantwortungsvolles Bestandsmanagement. 

Eine klare Ansage an die Landesregierung gab es am Montag seitens des niedersächsischen Naturschutzbundes (Nabu), der eine "ansatzlose Jagd" auf Wölfe ablehnt. "Eine pauschale Jagd auf Wölfe löst kein einziges strukturelles Problem der Weidetierhaltung", sagte Nabu-Pressesprecher Lamin Neffati. Wer Abschüsse als zentrale Lösung darstelle, erwecke Erwartungen, die weder wissenschaftlich belegt noch praktisch wirksam seien.

Nabu setzt auf Herdenschutz

Die Praxis zeige deutlich, dass die Anzahl der Wölfe in einer Region nicht ausschlaggebend für das Rissgeschehen sei: "Entscheidend ist vielmehr, ob Weidetiere durch geeignete Maßnahmen geschützt werden. Funktionierende Elektrozäune und weitere Schutzmaßnahmen sorgen dafür, dass Wölfe Weidetiere meiden und dieses Verhalten innerhalb des Rudels weitergegeben wird. Herdenschutz wirkt und er ist der einzig verlässliche Weg, Konflikte dauerhaft zu reduzieren", so Neffati. Funktionierender Herdenschutz sei auch an Deichen möglich. Als einen Irrweg stuft der Nabu die Forderung nach wolfsfreien Zonen ein.

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Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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