Blackout auf der Helgoland-Fähre "Funny Girl": Das passierte hinter den Kulissen
Plötzlich fällt auf der "Funny Girl" der Strom aus und die Fähre stoppt. Mitten auf der Nordsee. Für die 250 Passagiere beginnt eine lange und schaukelige Fahrt im Dunklen zurück zum Festland. So verlief der Zwischenfall vor Helgoland.
Das Fahrgastschiff "Funny Girl" trieb am Sonntagabend stundenlang manövrierunfähig vor Helgoland. Jetzt ist es wieder in Büsum. Die manövrierunfähige Helgolandfähre hat am frühen Montagmorgen nach stundenlangem Treiben auf der Nordsee und anschließender Schleppfahrt das Festland erreicht. In der Nacht zum Montag nahmen zwei Schlepper aus Cuxhaven das Seebäderschiff an den Haken, um es nach Büsum zu ziehen, denn aus eigener Kraft hätte es die "Funny Girl" nicht geschafft.
Mutmaßungen zum Zwischenfall in den Medien
Über die Ursache des Maschinenschadens kursieren in den Medien verschiedene Vermutungen. "Woher diese Informationen kommen, weiß ich nicht", sagt Corina Habben, Pressesprecherin der Reederei Cassen Eils. "Was wir bisher sagen können, ist, dass es sich um einen technischen Defekt handelt, der zu einem Stromausfall geführt hat. Dieser konnte nicht von der Besatzung behoben werden. Jetzt müssen Techniker an Bord, um Genaueres herauszufinden", so Habben.
Nachdem klar war, dass die Besatzung den Schaden nicht beheben konnte, informierte das Unternehmen Cassen Eils die Schlepp- und Bergungsreederei Otto Wulf aus Cuxhaven und forderte zwei Schlepper an. "Die Reederei hat schnell reagiert und uns beauftragt. Die Schlepper sind im Hafen immer für alle Fälle besetzt, um auch spontan reagieren zu können. Vom Anruf bis zum Auslaufen vergingen zehn Minuten", berichtet Andreas Wulf, einer der beiden Geschäftsführer von Otto Wulf. Mit zwei Schleppern, der "Wulf 4" und der "Wulf 7", ging es gegen 22 Uhr von Cuxhaven aus zum Fahrgastschiff.

"Das Wetter war schlechter als erwartet"
"Es war ein bisschen ruppig draußen. Etwa zweieinhalb Meter See. Das Wetter war schlechter als erwartet", sagt Wulf und fügt hinzu: "Zurück nach Helgoland war wegen des Wetters keine Option. Wir wollten den Dampfer nicht noch einmal quer in die See legen. Das hätten die Gäste im Dunkeln nicht so lustig gefunden. Deshalb haben wir die ,Funny Girl' nach Büsum gebracht, damit die Gäste so schnell wie möglich nach Hause kommen." Zurück ging es dann zügig. Für 3 Uhr war die Ankunft in Büsum erwartet. "Wir waren aber schon um 2 Uhr dort. Zum Glück ist sonst nichts passiert", sagte Wulf am Montag. Rund 250 Passagiere konnten jetzt endlich von Bord gehen.
Eine Gefahr für die Gäste habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. Nach Angaben des Schiffs-Trackingdienstes "Marine Traffic" trieb die "Funny Girl" zwar rund 8,5 Seemeilen - das sind etwa 16 Kilometer - in Richtung Helgoland, eine Gefahr bestand jedoch nicht. Deswegen wurde auch das Havariekommando in Cuxhaven nicht eingeschaltet, das nur bei komplexen Schadenslagen tätig wird.
Jeder muss wissen, was im Notfall zu tun ist
Szenarien wie "Mann über Bord", "Feuer an Bord" oder eben ein Maschinenausfall müssen von den Besatzungen regelmäßig durchgespielt werden. "Die Besatzungen üben alles Mögliche. Einmal im Jahr gibt es eine große Übung, an der auch Polizei und Feuerwehr teilnehmen, um ein realistisches Szenario zu haben. Für den Fall der Fälle muss jeder wissen, was zu tun ist. Im Ernstfall bleibt keine Zeit, im Handbuch nachzuschlagen", erklärt Habben. Die Besatzungen der Cassen Eils Schiffe seien jederzeit auf alle Eventualitäten vorbereitet.
Wie lange die "Funny Girl" ausfallen wird, kann die Cuxhavener Reederei noch nicht sagen. Zunächst übernimmt der Katamaran "Nordlicht" den Liniendienst zwischen Büsum und Helgoland. Passagiere, die bereits Tickets gebucht haben, müssen sich keine Sorgen machen.

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