18. "Herrenabend" in Cadenberge: Was hilft gegen den Klimawandel?
Prof. Dr. Jörg Oldenburg analysiert beim Herrenabend in Cadenberge die komplexen Herausforderungen des Klimawandels und fordert realistische Ziele. Sein Vortrag bietet Einblicke in die globale Erwärmung und die Rolle des Menschen.
Der 18. "Herrenabend" im MarC 5 in Cadenberge stieß auf großes Interesse. Mitveranstalter Jos van der Meer begrüßte zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und dem gesellschaftlichen Leben.
Neben der Hadler Hochzeitssuppe und dem Austausch unter den Anwesenden stand vor allem der Vortrag im Zentrum des Abends. Er wurde gehalten von Prof. Dr. Jörg Oldenburg. Er ist Agrarwissenschaftler und Geschäftsführer eines Ingenieurbüros in Oederquart. Seit vielen Jahren berät er Industrie und Landwirtschaft zu Emissionen, Umweltwirkungen und technischen Lösungen. Sein Thema an diesem Abend: "CO₂-Ausstoß: Was wir diskutieren - und was wir übersehen". Der Anspruch für seine Ausführungen war, mit praxisnahem Blick, analytischer Tiefe und klaren Worten komplexe Zusammenhänge verständlich auf den Punkt zu bringen. Das ist ihm aufgrund einer unübersichtlichen und zum Teil auch nicht auf Anhieb verständlichen Fülle an Statistiken und Grafiken nur teilweise gelungen.
Die Nische wird für den Menschen immer kleiner
Die Quintessenz seines Überblicks über die Auswirkungen der Treibhausgas-Emissionen deckt sich in vielen Punkten mit der anerkannten Klimaforschung: Die globalen mittleren Temperaturen steigen tendenziell, wenn auch nicht gleichmäßig verteilt, an. Die Folge sind Hitzewellen, unter denen Milliarden Menschen leiden, zunehmende Wasserknappheit und ein beschleunigter Anstieg des Meeresspiegels. Die Nische für den Menschen werde kleiner, so Prof. Oldenburg. Das Bevölkerungswachstum werde weiter zunehmen und seine Spitze voraussichtlich bei zehn Milliarden Menschen erreichen, um dann langsam abzunehmen. Allerdings werde sich die Verteilung der Weltbevölkerung gravierend ändern. Während Forscher erwarten, dass sich die chinesische Bevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts halbiert und sich auch der rasante Bevölkerungsanstieg in Indien abschwächen wird, gerät Afrika zunehmend in den Fokus. Hier sei ein drastischer Zuwachs in den nächsten Jahrzehnten zu erwarten.
Die Ernährung dieser wachsenden Weltbevölkerung sei nur aufgrund einer immer effizienteren Landwirtschaft möglich. Ein Bevölkerungswachstum, das ohne das so genannte Haber-Bosch-Verfahren zur Produktion von Kunstdünger gar nicht möglich wäre. Die Kehrseite sei die Auslöschung von Wildtierpopulationen. Der Mensch hat seit Beginn der Industrialisierung etwa 83 Prozent aller Säugetiere ausgerottet oder deren Populationen massiv reduziert.
Oldenburg: "Wir brauchen realistische Klimaziele"
Was der Mensch pro Tag an Energie verbrauche, entspreche 450 Jahren Produktion fossiler Ressourcen (Erdöl, Erdgas, Kohle). Auf der anderen Seite solle der CO₂-Fußabdruck um das Zehnfache reduziert werden, um die Klimaziele zu erreichen und bis 2045 klimaneutral zu werden. Das, so Prof. Oldenburg, werde nicht gelingen. "Wir brauchen realistische Klimaziele."
Gegen eine deutliche Verringerung des Verbrauchs an Treibhausgasen spreche allein der Lebensstil in den westlichen Gesellschaften, als da wären die Luftfahrt, die Nutzung des Internets, eine gigantische Menge an E-Mails (inklusive Spam-Mails), die zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz, das Streamen von Videos und Musik, um nur ein paar Beispiele für Gewohnheiten zu nennen, die eine enorme Menge an Energie verbrauchen. Steuerungsinstrumente seien hier nur zum Teil wirksam. Die schrittweise Verteuerung fossiler Brennstoffe wie Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas durch die CO₂-Abgabe sei laut Prof. Oldenburg zwar wirksam, werde aber nicht konsequent genug in Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung und zum Klimaschutz zurückinvestiert. Tatsächlich fließt die Abgabe aber vollständig in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), aus dem energetische Sanierungen, Austausch von Heizungen, Ausbau erneuerbarer Energien, Wasserstofftechnologien sowie Entlastungsmaßnahmen für Bürger und Unternehmen finanziert werden.
Von fleischloser, veganer Ernährung hält Prof. Oldenburg wenig, da bei der Produktion dieser Lebensmittel zu viel Chemie zum Einsatz komme und viele Bestandteile nicht aus heimischer Produktion stammten. Der Ökolandbau ist ihm zu wenig effizient, als dass er etwas zur Welternährung beitragen könne.
Wiedervernässung der Moore "ein falscher Ansatz"
Um CO₂ zu speichern und in die Biosphäre zu holen, schlägt er den Waldbau als Lösung vor, während er die Wiedervernässung von Mooren und Nutzung mit Paludi-Kulturen für zu langwierig und zu aufwendig erachtet. "Ein falscher Ansatz", so Prof. Oldenburg. Demgegenüber sei die Verpressung von CO₂-Emissionen aus industriellen Prozessen in unterirdische Lagerstätten ein vielversprechender Weg, um kurzfristig den Klimawandel zu bekämpfen.