Umstrittener Vortrag in Cadenberge: Verein verteidigt Einladung - SPD übt Kritik
Der Vortrag von Anthony Lee in Cadenberge wirkt weiter nach: Das sagt der Besamungs- und Rindviehzuchtverein Land Hadeln in einem Statement zu der Kritik am Auftritt des umstrittenen Influencers und YouTubers auf der Hauptversammlung.
Der Vortrag von Anthony Lee wirkt weiter nach: Während der Besamungs- und Rindviehzuchtverein Land Hadeln seine Entscheidung verteidigt, kritisieren der SPD-Unterbezirk Cuxland und der SPD-Ortsverein Land Hadeln scharf die Inhalte des Abends - ein Landwirt aus der Region beleidigt hingegen die Presse und wünscht den Redakteuren unter anderem Hungersnot.
"Wie von unserer Geschäftsführerin in der Versammlung erläutert und von Ihnen teilweise zitiert, haben wir uns erstmals eine Alternative zum traditionellen Grünkohlessen überlegt", so der Vereinsvorsitzende Jörn Schumacher. Der Verein teilt weiter mit, dass man so versuche, "das Niveau von entsprechenden Vorträgen auf unserer Jahreshauptversammlung halten zu können und unsere Vereinsaktivitäten in gewohnter Art und Weise durchführen zu können". Gestiegene Kosten für Bewirtung, Unterkunft und Vorträge sowie geringere Einnahmen seien ein weiterer Grund für die Maßnahme. Der Verein stellt klar: "Auch bei einem anderen Referenten hätten wir auf das traditionelle Grünkohlessen in diesem Jahr verzichtet."
"Die Themen liegen im Ermessen von Herrn Lee"
Im Vereinsstatement heißt es weiter: "Herr Lee ist dafür bekannt, klar und deutlich seine Meinung zu vertreten und auch die Belange von uns Landwirten anzusprechen. Daher war ein Vortrag seinerseits bereits im letzten Jahr auf unserer Versammlung geplant."
Angesichts des großen Zuspruchs auf der Versammlung im vergangenen Jahr, als der Auftritt von Lee wetterbedingt ausfiel, habe man den Mitgliedern einen Vortrag auf der diesjährigen Versammlung zugesichert.
Im Vorfeld seien mit Lee die Themen Bauerndemos, aktuelle Agrarpolitik und der Wolf vereinbart worden. "Im Vortrag hat Herr Lee die Sorgen und Nöte der Landwirte treffend angesprochen, dass er aber auch auf andere Themen eingegangen ist, war so nicht abgesprochen und liegt im eigenen Ermessen von Herrn Lee und nicht in unserem", meint der Verein. Sie sind auch der Auffassung, dass nicht für die Wahl einer entsprechenden Partei geworben worden sei. "Wir als Verein distanzieren uns ganz klar vom Rechtspopulismus", so das Statement.
Der Verein teilte mit, dass er sich eine Berichterstattung im Sinne des Vereins gewünscht hätte und nicht das Thematisieren von entsprechenden Verbindungen auf YouTube-Kanälen. Laut dem Verein sei das "völlig deplatziert, denn schließlich sollte es ja um die Berichterstattung der Jahreshauptversammlung unseres Vereins gehen."
Auch ein Landwirt mit Milchviehhaltung und Kälberaufzucht aus einer Ortschaft in der Stadt Geestland (Name ist bekannt) schrieb an die Redaktion als Reaktion auf die Berichterstattung: "Ihr Schreiberlinge seid so ein verlogenes Saupack". Er wünschte in seiner E-Mail allen "aufgrund der aktuellen Lage von Wetterereignissen und vermehrten Stromausfällen durch linksextremistische Terroranschläge mindestens vier Wochen Hungersnot".
"Widerspruch zu den Grundwerten unserer Gesellschaft"
Mehrere Besucher der Veranstaltung äußerten sich bereits kritisch zu dem Vortrag. Nun meldeten sich auch der SPD-Unterbezirk Cuxland und der SPD-Ortsverein Land Hadeln zu Wort. "Wir nehmen mit großer Sorge die Inhalte des Vortrags von Anthony Lee zur Kenntnis, der im Rahmen der Veranstaltung in Cadenberge gehalten wurde", heißt es in einer Pressemitteilung.
"Aussagen, die wissenschaftliche Erkenntnisse infrage stellen, Menschen aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität herabwürdigen oder rechtspopulistische und diskriminierende Denkmuster bedienen, stehen im klaren Widerspruch zu den Grundwerten unserer demokratischen Gesellschaft", heißt es weiter.
"Wer Menschen abwertet oder wissenschaftliche Fakten relativiert, verlässt den Boden eines verantwortungsvollen gesellschaftlichen Dialogs", erklärt Oliver Lottke, MdL und Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Cuxland. "Gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spannungen brauchen wir mehr Zusammenhalt, mehr Respekt und eine klare Abgrenzung gegenüber rechtspopulistischen und menschenfeindlichen Positionen."
"Ein traditionsreicher Verein trägt Verantwortung"
Kritisch sehen SPD-Unterbezirk und Ortsverein auch die Entscheidung, einem Redner eine Bühne zu bieten, der in der Vergangenheit wiederholt durch rechtspopulistische und verschwörungsideologische Aussagen aufgefallen ist. Damit geht eine besondere Verantwortung für Veranstalter einher. "Ein traditionsreicher Verein trägt Verantwortung dafür, wofür er steht und welchen Stimmen er Raum gibt", betont Jens Langner, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Land Hadeln. "Eine Einladung an einen Redner mit solchen Positionen sendet ein falsches Signal - insbesondere gegenüber all jenen, die sich für ein respektvolles und demokratisches Miteinander einsetzen."
Niemand stellt den Landwirten ihre berechtigten Sorgen etwa zum Mercosur-Abkommen in Abrede oder ist der Meinung, dass Landwirte akzeptieren müssen, dass der Wolf bei ihnen über den Hof läuft und die Weidetiere angreift, wie wir berichteten.