Sie lieben ihre Heimat nicht: Kommentar zu Straßen-Schmierereien in Ihlienworth
In einem Schriftzug prangt auf einer Straße in Ihlienworth "Deutschland - Heimatliebe ist kein Verbrechen". NEZ/CN-Redakteur Egbert Schröder hat dazu eine sehr deutliche Meinung in unserer Kommentar-Rubrik.
Haben Sie die Formulierung "Heimatliebe ist kein Verbrechen" schon gekannt? Offen gesagt: Ich nicht. Weil ich bislang schlichtweg ahnungslos war. Oder weil ich fand, dass eine solche Aussage, die für mich mit der natürlichen Verbundenheit zu meiner unmittelbaren Heimat und zu Deutschland einhergeht, per se ja überhaupt kein Problem darstellen sollte und darf.
Ganz im Gegenteil: Wie fröhlich haben wir alle zum Beispiel bei der Heim-WM 2006 unser Fußballteam und unsere Nation gefeiert? Deutschland war ein kollektives Fahnenmeer aus enthusiastischen Menschen. "Zu Gast bei Freunden" war nicht nur ein Slogan. Andere Nationen staunten, wie locker-gelöst plötzlich die stocksteifen Deutschen sich und ihr Land feierten. Aus purer Freude und Weltoffenheit.
Doch wenn jetzt pauschal nach 20 Jahren von "Heimatliebe" die Rede ist, mag sich zumindest bei mir keine Unbeschwertheit und Lockerheit mehr einstellen, wenn ich den Schriftzug auf einer Straße in Ihlienworth sehe. Längst wird der Begriff anscheinend schamlos missbraucht. Dumpfe Kommentare rücken die Formulierung auf breiter Internet-Front durch rechtes Gedankengut in eine völlig falsche Ecke.
Wenn ich bei Facebook die Formulierungen "Heimat ist unser Wurzel, bitte steht alle auf und lasst sie nicht untergehen durch diese Regierung!!!" oder "Früher gab es noch Recht und Ordnung und so weiter" in diesem Zusammenhang lese, dann ekelt mich das an. Und wenn ich sehe, mit welchen Symbolen und in welcher Machart im Internet und den ach so sozialen Netzwerken "Heimatliebe ist kein Verbrechen" gehypt und für viel Geld von Firmen der Schriftzug auf T-Shirts gekloppt wird, um Profit zu schinden, bin ich fassungslos.

Natürlich: Wir leben in einem politisch aufgeheizten Klima. Nicht alles läuft in diesem Land - unserer "Heimat" - optimal. Doch auch solche Aktionen wie in Ihlienworth, die garantiert nicht von Kindern als Parolen mit Kreide auf die Seitenstraße fixiert wurden, tragen gewiss nicht dazu bei, dass es in dieser Republik mit all ihren zweifellos demokratischen (Meinungs-)Freiheiten, Möglichkeiten und Veränderungsprozessen besser laufen wird.
"Heimat" bedeutet für mich nicht, in gelben Gummistiefeln und mit Fischerhemd durchs Otterndorfer Watt zu latschen, Platt mit Touristen zu schnacken, Klischees zu bedienen und alles um mich herum kritiklos zu sehen. Heimat bedeutet für mich ein emotionales, familiäres, nachbarschaftliches und freundschaftliches Zusammengehörigkeitsgefühl und auch den gegenseitigen Respekt gegenüber den Mitmenschen in meinem Umfeld, aber auch weit darüber hinaus. Und da ist es mir egal, aus welchem Land jemand kommt, wenn er oder sie sich an ganz normale Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders und die Gesetze in diesem Land - meiner Heimat - hält. Bei manchen deutschen Mitbürgern habe ich da mittlerweile meine großen Zweifel: Sie schüren schamlos Ressentiments, hetzen und reden in Stammtischmanier erst einmal alles in Grund und Boden schlecht. Das ist ebenso billig wie einfach und daneben.

Ich lebe gern in meiner Heimat.
Doch ich bin besorgt, was radikale Strategen in der rechten Ecke auch im Cuxland seit vielen Jahren in ebenso subversiver wie durchschaubarer Manier anstellen. Ihnen geht es um ganz andere Dinge. Fällt man auf diese tumbe Vorgehensweise herein oder reagiert man darauf auch und gerade bei der Kommunalwahl im September? Da haben alle Wahlberechtigten die Möglichkeit, gegen oder für ihre lebenswerte Heimat zu stimmen.
Setzen Sie bitte das Kreuz an die richtige Stelle.
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