Zeltlager-Evakuierung in Cuxhaven-Duhnen: Lob statt Kritik ist angebracht (Kommentar)
Beim Beachhandball-Turnier im Cuxhavener Stadtteil Duhnen wurden Hunderte Kinder evakuiert - und ein Turnier abgesagt. Die Vorgehensweise sorgte für Kritik. Allerdings sollte man stattdessen ganz andere Töne anschlagen. Ein Kommentar.
1200 Kinder und Jugendliche. Ein ausgebuchtes Turnier. Wochenlange Vorfreude. Und dann endet alles, bevor überhaupt der erste Ball geworfen wurde.
Seit der Evakuierung des Zeltlagers beim Beachhandballturnier in Cuxhaven in der Nacht zu Sonnabend (20. Juni 2026) wird in den sozialen Medien diskutiert. Manche sind überzeugt, die Gefahrenlage sei schon Stunden vorher offensichtlich gewesen. Andere meinen, die Anreise hätte gar nicht erst stattfinden dürfen. Wieder andere kritisieren, dass das Turnier nach der Evakuierung überhaupt abgesagt wurde. Es ist bemerkenswert, wie viele Menschen im Nachhinein genau wissen, wann welche Entscheidung hätte getroffen werden müssen.
Dabei sind Wetterlagen keine statischen Gebilde. Sie verändern sich. Sie entwickeln sich. Sie können sich innerhalb kurzer Zeit zuspitzen. Wer schon einmal eine Gewitterzelle auf dem Radar verfolgt hat, weiß: Selbst moderne Vorhersagen liefern keine Garantie dafür, was in einer Stunde exakt passieren wird. Hinterher auf eine Wetter-App zu schauen und zu behaupten, man habe alles schon lange vorher gewusst, ist leicht. Die Verantwortung zu tragen, Entscheidungen für Hunderte Kinder zu treffen, ist etwas völlig anderes.

Natürlich gab es ein Gewitterpotenzial für das Wochenende. Aber hätte der Handballverband Niedersachsen-Bremen (HVNB) das Turnier bereits Tage vorher abgesagt und wäre das Unwetter ausgeblieben - die Kritik wäre wohl noch größer gewesen. Dann hätten viele gefragt, warum man eine Großveranstaltung vorschnell gestrichen habe.

Entscheidend ist deshalb etwas anderes: Als die Lage ernst wurde, wurde gehandelt. Nach allem, was bislang bekannt ist, griff das Sicherheitskonzept. Innerhalb kurzer Zeit wurden Hunderte Kinder und Jugendliche in Sicherheit gebracht. Betreuer, Helfer, Einsatzkräfte und Verantwortliche mussten unter hohem Druck Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die im Zweifel über die Sicherheit anderer Menschen bestimmen. Dafür verdienen sie Anerkennung.

Vor allem aber verdient die zweite Entscheidung Respekt: die Absage des Turniers. Denn auch hier wird inzwischen kritisiert, man hätte die Spiele am Samstag doch noch austragen können. Wirklich?
Es ging um E-, D- und C-Jugendliche. Also um Kinder und Jugendliche zwischen neun und 14 Jahren. Viele von ihnen hatten in der Nacht kaum oder gar nicht geschlafen. Einige erlebten wenige Stunden zuvor eine Evakuierung, die für viele beängstigend gewesen sein dürfte. Nicht ohne Grund waren Seelsorger im Einsatz. Drei Kinder mussten mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Wie soll unter solchen Umständen ein unbeschwertes Sportfest stattfinden?

Hinzu kamen die äußeren Bedingungen. In Cuxhaven wurden am Sonnabend Temperaturen von deutlich über 25 Grad erreicht, dazu hohe Luftfeuchtigkeit und drückende Schwüle. Für Erwachsene ist das bereits belastend. Kinder und Jugendliche hätten unter diesen Voraussetzungen im tiefen Sand laufen, sprinten und springen sollen - nach einer schlaflosen Nacht und nach einem Ereignis, das bei vielen noch nachgewirkt haben dürfte.
Die Verantwortlichen standen vor der Wahl, ein paar Spiele zu ermöglichen oder kein Risiko einzugehen. Sie entschieden sich für die Sicherheit.

Und stellen wir uns die Gegenfrage: Was wäre passiert, wenn das Turnier trotz allem fortgesetzt worden wäre und anschließend ein Kind kollabiert, sich schwer verletzt oder erneut eine Gefahrensituation entstanden wäre? Die Kritik wäre ungleich heftiger ausgefallen.
Am Ende bleibt deshalb vor allem eines festzuhalten: Niemand wurde schwer verletzt. Die Evakuierung verlief geordnet. Die Rettungskräfte funktionierten. Die Helfer funktionierten. Die Verantwortlichen trafen Entscheidungen.
Nicht jede Entscheidung macht alle glücklich. Aber die wichtigste Aufgabe wurde erfüllt: Kinder und Jugendliche wurden geschützt. Dafür sollten wir dankbar sein. Und vielleicht ein wenig vorsichtiger mit den Urteilen sein, die sich im Nachhinein so leicht fällen lassen.
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