"Windstärke 10" ist ein Highlight in der Kulturlandschaft Cuxhavens. Doch es sind keine leichten Zeiten für das Museum. Archivfoto: Reese-Winne
"Windstärke 10" ist ein Highlight in der Kulturlandschaft Cuxhavens. Doch es sind keine leichten Zeiten für das Museum. Archivfoto: Reese-Winne
Museum in Cuxhaven

Trotz Eintritts nicht erlebbar: Neustart für "Windstärke 10" überfällig (Kommentar)

von Jens Potschka | 24.04.2026

Hinter der renommierten Fassade von Cuxhavens Museum "Windstärke 10" brodelt es: Während Besucher staunen, bleibt das Herzstück im Dunkeln. Was jetzt passieren muss, erklärt CN/NEZ-Redakteur Jens Jürgen Potschka im Kommentar.

Windstärke 10 ist eines der beliebtesten Museen an der deutschen Nordseeküste. Funk und Fernsehen gehen ein und aus, die Besucherzahlen stimmen, der Ruf reicht weit über Cuxhaven hinaus. Das ist keine Floskel, das ist Realität, und sie verdient Anerkennung.

Aber Ruf allein reicht nicht. Wer Eintritt zahlt, hat ein Recht darauf, dass die Ausstellung auch wirklich funktioniert. Und genau hier beginnt das Problem.

Als der Kulturausschuss im Fischereihafen tagte und sich vor Ort einen Eindruck verschaffte, wurde aus abstrakten Haushaltsdebatten plötzlich greifbare Wirklichkeit: Das Rundkino mit seiner eindrucksvollen Sechs-Beamer-Projektion liegt seit rund eineinhalb Jahren im Dunkeln. Die Station, die den Besuchern die lebendige Aquakultur näherbringen soll, ist bereits seit drei Jahren "out of order". Zentrale Ausstellungsinhalte, für die Besucher bezahlen, sind schlicht nicht erlebbar.

Museum Windstärke 10: Hinter der historischen Fassade kämpfen veraltete Technik und improvisierte Lösungen um die Zukunft der Ausstellungen. Foto: Potschka

Dem Team um die kommissarische Leiterin Inga Brantzky gebührt dabei ausdrücklich Respekt. Mit bemerkenswert wenig Mitteln, viel Improvisationsgeschick und enger Zusammenarbeit mit der städtischen IT-Abteilung wird hier seit Jahren ein Betrieb aufrechterhalten, der unter normalen Bedingungen längst ins Stocken geraten wäre. Dass das Museum trotz allem so gut dasteht, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Verdienst von Menschen, die weit mehr leisten, als von ihnen verlangt werden dürfte.

CN/NEZ-Redakteur Jens Jürgen Potschka hat eine klare Meinung zum gegenwärtigen Zustand des Museums. Foto: Ringfoto Schattke

Doch irgendwann stößt auch der größte Einsatz an seine Grenzen. Ein zentraler Steuerrechner aus dem Jahr 2013, betrieben mit einem Betriebssystem, das Microsoft bereits aus dem Support genommen hat, das ist kein Provisorium mehr, das ist strukturelles Versagen. Nicht des Museums, sondern der Finanzierung.

Im Jahr 2026 dürften wieder einige Besucher den Weg ins Museum "Windstärke 10" finden. Foto: Potschka

Jetzt ist die Kommunalpolitik gefragt. Nicht mit Sympathiebekundungen, so ehrlich sie auch gemeint sein mögen, sondern mit Geld und mit Planung. Der Wunsch nach einem strukturierten Medienkonzept, der beim Rundgang formuliert wurde, ist richtig und überfällig. Windstärke 10 braucht ein klares Bild davon, was erneuert werden muss, was es kostet und wer es finanziert.

Die gute Nachricht: Ein Museum mit diesem Ruf bekommt Unterstützung, wenn es sie gezielt einfordert. Förderanträge laufen bereits. Aber Einzellösungen ersetzen kein Gesamtkonzept. Cuxhavens maritimes Aushängeschild verdient mehr als das ewige Flicken. Es ist höchste Zeit für einen fälligen Neustart, bevor das Licht endgültig ausgeht.​​​​​​​​​​​​​​​​

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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