Ein historischer Einsatz: Hochwasser-Ehrennadeln für DLRG-Einsatzkräfte aus Cuxhaven
Zwei Jahre nach dem größten Einsatz in der Geschichte der DLRG-Niedersachsen wurden Cuxhavener DLRG-Einsatzkräfte in Schloss Ritzebüttel geehrt. Was sie im Winter 2023/24 unter Extrembedingungen leisteten - und warum ihr Einsatz bis heute nachwirkt.
Im Namen des Landkreises, der Stadt Cuxhaven und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bezirk Cuxhaven-Osterholz e. V. wurde am Dienstagabend, 6. Januar 2026, zur feierlichen Verleihung der Hochwasser-Ehrennadeln des Landes Niedersachsen eingeladen. Die Veranstaltung fand im historischen Ambiente von Schloss Ritzebüttel statt.
Die Bilder des Winters 2023/2024 sind vielen noch lebhaft in Erinnerung: Während sich die Bevölkerung auf Weihnachten und den Jahreswechsel vorbereitete, waren Tausende Einsatzkräfte aus ganz Deutschland im Bereich der Flüsse Aller und Meiße im Einsatz. Ihr Ziel war es, Menschen und Tiere vor dem Jahrhunderthochwasser zu schützen und noch größere Sachschäden zu verhindern.
Ein Einsatz unter Extrembedingungen
Auch Angehörige des DLRG-Landesverbandes Niedersachsen waren an diesem Großeinsatz beteiligt. Insgesamt 41 Einsatzkräfte aus dem Landkreis und der Stadt Cuxhaven leisteten im besonders stark betroffenen Heidekreis an Aller und Meiße wertvolle Hilfe. Strömungsretter, Einsatztaucher, Kraftfahrer, Techniker und Katastrophenschutzhelfer aus Cuxhaven brachten ihre Fachkenntnisse vor Ort ein. Für diesen außergewöhnlichen Einsatz wurde ihnen nun feierlich die Hochwasser-Ehrennadel des Landes Niedersachsen verliehen.
Die Ortsgruppen Dorum, Hagen im Bremischen, Bad Bederkesa und Cuxhaven waren gemeinsam als Wasserrettungszug Cuxhaven-Osterholz unter der Leitung des Zugführers Tjark Makel im Einsatz. "Es war der größte Hochwassereinsatz in der Geschichte der DLRG Niedersachsen", berichtete Makel im Schloss Ritzebüttel. Er schilderte eindrucksvoll, für welche außergewöhnlichen Leistungen die Ehrennadeln verliehen wurden.

"Weihnachten und Silvester sind normalerweise festliche Tage. Für viele Helfer war das beim Winterhochwasser 2023/2024 jedoch anders", so Makel. Die Einsatzkräfte seien Tag und Nacht gefordert gewesen. "Und jetzt, zwei Jahre später, sitzen wir hier im Schloss und blicken auf eine herausragende Leistung zurück."
Schneeschmelze und anhaltender Regen hatten die Lage damals zunehmend angespannt, bevor das Sturmtief "Zoltan" die Situation eskalieren ließ. Erste Einsätze begannen in Südniedersachsen, der DLRG-Landeseinsatzzug Nord wurde in Marsch gesetzt - bereits hier waren Einheiten aus Cuxhaven beteiligt. "Fachberater waren in den örtlichen Einsatzleitungen. Hier sorgte unter anderem Jürgen Laudien, Fachberater und Vorsitzender der DLRG Wehdel, tage- und nächtelang dafür, dass der Serengeti-Park vor noch schlimmeren Schäden bewahrt wurde und die umliegenden Ortschaften geschützt blieben", erklärte Makel. In einem damaligen Lagebericht hieß es, das Aller- und Leinegebiet sehe aus "wie das Mündungsdelta des Amazonas".

Der Wasserrettungszug aus Cuxhaven rückte erst im neuen Jahr aus, da die Einsatzfähigkeit in der eigenen Region gewährleistet bleiben musste. Doch als die Deiche zunehmend durchnässt waren und zu brechen drohten, wurden schließlich mehr als 40 Helferinnen und Helfer alarmiert. "Es wurde ein schlagkräftiger Zug zusammengestellt, obwohl in Cuxhaven weiterhin Einsatzkomponenten, Gruppen und Material in Bereitschaft gehalten wurden", so Makel, der darin einen Beweis für die gute Aufstellung der DLRG-Katastrophenschutzeinheiten in der Region sah.
Zunächst waren Deichläufer im Einsatz, Pegelstände wurden überwacht - Hochwasseralltag, wie Makel es nannte. Doch die Lage spitzte sich dramatisch zu: Ein Deichabschnitt war vollständig aufgeweicht, drei Ortschaften akut gefährdet. "Die größte Einsatzstelle in der Geschichte der DLRG Niedersachsen", zitierte Makel aus einem damaligen Zeitungsbericht.

Rund 750 Einsatzkräfte arbeiteten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Auf einer Länge von 600 Metern wurde die Deichlinie mit Sandsäcken gesichert. 60.000 Sandsäcke wurden vor Ort gefüllt, insgesamt kamen 182.000 zum Einsatz. Strömungsretter und Taucher arbeiteten im etwa fünf Grad kalten Wasser. Von der Alarmierung bis zum Abschluss der Arbeiten waren die Cuxhavener Einsatzkräfte als einzige durchgehend 19,5 Stunden vor Ort. Am frühen Morgen des 5. Januar war der Deich schließlich gesichert.

Anerkennung aus Politik und Verwaltung
"Ich habe unendlich großen Respekt vor dem, was Sie alle leisten", sagte Oberbürgermeister Uwe Santjer zu Beginn des Abends. "Wie ihr als Einheit zusammensteht, ist genau das, was unsere Gesellschaft braucht."
Landrat Thorsten Krüger schloss sich den Worten an: "Immer wieder zeigt sich, wie wichtig eure Arbeit ist. Auch in Zukunft werdet ihr gefordert sein. Unser Ziel muss es sein, noch mehr gemeinsam zu üben, um wirklich auf alle möglichen Szenarien vorbereitet zu sein."
Im Anschluss verliehen Landrat Thorsten Krüger, Oberbürgermeister Uwe Santjer, der Bundestagsabgeordnete Christoph Frauenpreiß, Landtagsabgeordneter Claus Seebeck und Leiter des Bezirk Cuxhaven-Osterholz, Michael Harjes die Hochwasser-Ehrennadeln und die Urkunden des Landes Niedersachsen.


