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Tanklaster auf der Autobahn: Im Fokus der Ermittlungen stehen mögliche Hygienerisiken bei Transporten von Apfelsaftkonzentrat nach Neuenkirchen. Foto: Weihrauch/dpa
Tanklaster auf der Autobahn: Im Fokus der Ermittlungen stehen mögliche Hygienerisiken bei Transporten von Apfelsaftkonzentrat nach Neuenkirchen. Foto: Weihrauch/dpa
Hygienerisiken

Dubiose Tanktransporte nach Neuenkirchen: EU ermittelt im Fall Döhler

von Christian Mangels | 09.04.2026 Zuletzt aktualisiert: 30.04.2026 06:39 Uhr

Der Fall möglicher Hygienerisiken bei Tanktransporten, der auch das Unternehmen Döhler in Neuenkirchen betrifft, nimmt immer größere Dimensionen an. Mittlerweile wird auf europäischer Ebene ermittelt. Döhler hat unterdessen Konsequenzen gezogen.

Welche Risiken bergen die Transporte von Apfelsaftkonzentrat nach Neuenkirchen? Nach exklusiven Recherchen von cnv-medien.de besteht der Verdacht, dass Tankfahrzeuge osteuropäischer Speditionen zuvor Chemikalien oder andere potenziell gefährliche Stoffe geladen hatten - möglicherweise ohne gründliche Reinigung. Umfangreiche Transportlisten, die der NEZ/CN-Redaktion vorliegen, sowie weitere Hinweise lassen diesen Schluss zu.

Nach der ausführlichen Berichterstattung von CNV-Medien entwickelten die behördlichen Untersuchungen neue Dynamik. Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) hat nach Informationen unserer Redaktion die nationale AAC-Kontaktstelle (Administrative Assistance and Cooperation) eingeschaltet, die als zentrale Schnittstelle zwischen Behörden in verschiedenen EU-Staaten den schnellen Austausch von Informationen und die koordinierte Zusammenarbeit bei Verstößen im Lebensmittel- und Verbraucherschutz organisiert. Sie ist beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angesiedelt.

Verdachtsfall auf möglichen Betrug oder Täuschung

Andreas Tief, Sprecher des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), bestätigte auf Anfrage den Eingang einer Meldung des LAVES am 26. März. Konkret wurde eine sogenannte "Fraud-Meldung" erstellt. Dabei handelt es sich um einen Verdachtsfall auf möglichen Betrug oder Täuschung im Zusammenhang mit Lebensmitteln, etwa wenn Vorschriften nicht eingehalten oder Angaben nicht korrekt sind. Die Meldung erfolgte über das System RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed), ein digitales Netzwerk innerhalb der EU, über das Behörden Informationen zu Risiken, Verstößen oder Betrugsfällen bei Lebensmitteln und Futtermitteln austauschen. 

Erst Apfelsaftkonzentrat, dann Methanol: Transportlisten, die der NEZ/CN-Redaktion vorliegen, legen nahe, dass Tanklaster für Apfelsaftkonzentrat zuvor Chemikalien transportiert haben könnten. Foto: Mangels

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) habe diese Meldung noch am selben Tag geprüft und offiziell bestätigt, erklärt Andreas Tief. Anschließend wurde sie an die zuständigen Kontaktstellen in den Niederlanden und Polen weitergeleitet. Zudem ging die Information an die Europäische Kommission, die sie ihrerseits an die Ukraine übermitteln soll. Presseanfragen unserer Redaktion an die polnische "Agricultural and Food Quality Inspection" sowie an das "Health and Food Safety Directorate-General" der Europäischen Union zu Untersuchungen möglicher Hygienerisiken blieben bislang unbeantwortet.

Während die behördlichen Ermittlungen noch laufen, hat das Unternehmen Döhler erste Konsequenzen aus den bisherigen Erkenntnissen abgeleitet. Man habe aufgrund einer anonymen Meldung die Zusammenarbeit mit einzelnen Transporteuren vorerst beendet, erklärt Pressesprecherin Katharina Wallace aus der Döhler-Zentrale in Darmstadt. Gleichzeitig sei man proaktiv auf die zuständigen Behörden zugegangen, um den Hinweisen nachzugehen.

Die Sprecherin bekräftigt in diesem Zusammenhang nochmals die Qualitätsstandards des Unternehmens. "Die Sicherstellung von Qualität und Lebensmittelsicherheit hat für uns oberste Priorität und ist fest in unserem Qualitätsmanagementsystem verankert", versichert Katharina Wallace. "Liegt uns keine lückenlose Dokumentation im Rahmen der gesetzlichen Anforderungen und internen Standards vor, erfolgt keine Annahme der Ware." Im konkreten Fall seien zwar alle erforderlichen Transportdokumente vorhanden gewesen. Dennoch habe das Unternehmen reagiert und die betreffenden Transporteure vorsorglich gesperrt.

Das Unternehmen Döhler - hier der Standort Neuenkirchen - gerät durch Vorwürfe über mögliche Hygienemängel bei Tanktransporten unter Druck. Foto: Mangels

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Christian Mangels

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