"Fährkrug" in Osten: Zwischen Historie und Zukunft ...
Viel Geschichte und etliche Geschichten ranken sich um den "Fährkrug" in Osten. Die Gaststätte ist Vergangenheit, doch das Gebäude hat eine Zukunft: Ein Investor haucht ihm neues Leben ein; als "Apartment-Haus". In dieser Woche wurde es eröffnet.
Helmut Lührs hat schon so manches Immobilienprojekt gewuppt. Er ist Hauptgeschäftsführer der Firmengruppe Lührs (Stade), die sich nach eigener Darstellung auf die "Entwicklung, Realisierung und Verwaltung von Einzelhandelsobjekten in innerstädtischen 1-A-Lagen von Mittelzentren bis zu 100.000 Einwohnern" spezialisiert hat. Irgendwie fällt da der Ostener "Fährkrug" aber wohl durch das Firmen-Raster - oder nicht? So kann von einer "innerstädtischen 1A-Lage" wohl kaum die Rede sein in einem Ort mit gerade einmal 1700 Einwohnern. Was hat es also damit auf sich, dass Lührs dieses Projekt in Angriff genommen hat?
Der "Fährkrug" war jahrzehntelang untrennbar mit Horst und Gisela Ahlf verbunden. Über 50 Jahre lang betrieben sie das "Fluss-Hotel & Restaurant" an der Oste in direkter Nachbarschaft zur Schwebefähre, bis sie schließlich einen Käufer fanden und sich am 15. Oktober 2018 die Türen dieses Lokals schlossen.
Fähr-Urkunde aus dem 16. Jahrhundert
Bereits lange vor dem Bau und der Inbetriebnahme der Schwebefähre im Jahre 1909 aber hatte der "Fährkrug" eine besondere Bedeutung gehabt: "Es gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1522, in der der Ausschank und das Fährrecht vermerkt sind", erinnerte sich Horst Ahlf in einem Gespräch mit unserer Redaktion im Herbst 2018.
Seine Mutter habe die Gaststätte zunächst gepachtet und dann gekauft. Horst Ahlf übernahm dann 1963 gemeinsam mit seiner Frau den Betrieb. Das Angebot sei zu diesem Zeitpunkt sehr übersichtlich gewesen; es habe gerade einmal sieben Tische für Gäste gegeben. Das Ehepaar investierte, setzte auf eine "gutbürgerliche Küche", schuf Übernachtungsmöglichkeiten für Urlauber und erlebte dann Mitte der 70er-Jahre doch, wie das Konzept nicht aufging. Der Grund: die Inbetriebnahme der festen Oste-Brücke. Von einem auf den anderen Tag wurde die Schwebefähre nicht mehr als Transportmittel benötigt. Um ein Haar wäre sie dem Schneidbrenner zum Opfer gefallen. "Das waren schwierige Jahre für uns", erinnerte sich Horst Ahlf beim Redaktionsgespräch vor acht Jahren.
Doch dann kam alles anders: Die Ostener gründeten eine Fördergesellschaft zum Erhalt der Schwebefähre, der Landkreis übernahm das heutige Baudenkmal und längst ist es ein fester Bestandteil des touristischen Angebotes im Cuxland. Der Landkreis Cuxhaven investierte später immer wieder Millionenbeträge in die Instandhaltung und Sanierung. Die nächste "Frischzellenkur" für die "Eiserne Lady" steht unmittelbar bevor. Die Vorbereitungen laufen.
Das Handy löst den Schlüssel ab
Wenn die Schwebefähre wieder mit riesigen Planen "eingehaust" wird, damit die Arbeiten am Stahlgerüst erfolgen können, werden das Gäste in den neun modern gestylten Apartments des alten "Fährkruges" aus nächster Nähe betrachten können. Betritt und kennt man noch die ursprünglichen Fährkrug-Räumlichkeiten, lässt sich erahnen, wo die eigentliche Schankstube war und man erinnert sich vielleicht noch an den Eingangsbereich hinter der massiven Tür, die erhalten geblieben ist, aber in dieser Form eigentlich gar nicht mehr benötigt wird. Denn: Der Zugang zu allen Räumlichkeiten erfolgt auf elektronischem Wege per Handy.
Der Personaleinsatz ist überschaubar. Einen regelmäßigen Kneipenbetrieb im "Fährkrug"-Bereich des Gebäudes wird es auch künftig nicht geben, sondern - so Lührs - nur zu besonderen Anlässen. Möglich sind dort aber auch Versammlungen und Seminare mit modernen Präsentationsmöglichkeiten. Allerdings geschieht auch das weitgehend ohne Präsenz von Mitarbeitern. Auf insgesamt knapp 800 Quadratmetern hat die Lührs-Gruppe in drei Geschossen neun Apartments sowie die Schwankwirtschaft und einen Multifunktionsraum geschaffen. Die Investitionssumme bezifferte Helmut Lührs bei der Einweihung am Donnerstagnachmittag auf rund 2,4 Millionen Euro.
Viel Herzblut des Investors beim Projekt
Doch bei der Eröffnungsfeier merkte man Helmut Lührs an, dass es ihm bei diesem Projekt nicht nur um die wirtschaftliche Komponente ging, sondern auch viel Herzblut im Spiel war. Lührs, der aus Lamstedt stammt, hatte am 1. September 1969 sein zweites Lehrjahr als angehender Sparkassenkaufmann in Osten absolviert. Er erinnert sich noch genau, dass die Schwebefähre damals die zentrale (und einzige) Verkehrsverbindung von und nach Osten war und nicht - wie heute - nur noch eine Touristenattraktion ist.
Um zu seinem Ausbildungsplatz zu gelangen, musste er über die Oste pendeln: "Für den Hin- und Rückweg brauchte ich jeweils eineinhalb Stunden - da fliegt man heute doch fast nach Mallorca", meinte der Unternehmer bei der Eröffnung am Donnerstag.
Später machte Lührs Karriere in der Sparkassenorganisation, bevor er schließlich seine eigene Firmengruppe gründete. Doch es gibt noch einen ganz anderen Bezugspunkt zur Oste-Gemeinde: In jungen Jahren habe er seine "Liebe fürs Leben" kennengelernt: Seine Ehefrau Renate stammt aus Osten-Isensee. Sie sind seit über 50 Jahren verheiratet.
Lührs ging am Donnerstag auch auf einige Begleiterscheinungen der "Fährkrug"-Baumaßnahme ein. Nur dezent ließ er anklingen, dass der Denkmalschutz immer wieder für die eine oder andere Maßnahme und "kostentreibende Auflage" gesorgt habe.
Auch Gisela Ahlf war bei Eröffnung dabei
Übrigens begrüßte Lührs auch eine Frau, die viele Jahrzehnte lang die Gäste im "Fährkrug" gemeinsam mit ihrem Mann Horst bewirtet hatte: Gisela Ahlf. Und er hieß auch die Chefs der Handwerksbetriebe willkommen, die dieses ganz spezielle Bauprojekt erst ermöglicht hätten. Lührs: "Die 'künstliche Intelligenz' unserer heutigen Zeit hilft bei einem solchen Vorhaben nicht weiter. Wenn die Handwerker sich dann auch noch mit dem Bauwerk identifizieren, dann wird etwas Besonderes daraus." Besonders wie das "Apartmenthaus an der Schwebefähre" ...





