Das Kreishaus Cuxhaven war Schauplatz einer hitzigen Debatte über die Zukunft der Frühförderung. Foto: Schröder
Das Kreishaus Cuxhaven war Schauplatz einer hitzigen Debatte über die Zukunft der Frühförderung. Foto: Schröder
Jugendhilfeausschuss

Frühförderung sorgt für heftige Kritik im Jugendhilfeausschuss im Kreishaus Cuxhaven

von Bengta Brettschneider | 30.06.2026

Im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Cuxhaven prallen Verwaltung, Träger und Eltern aufeinander. Während der Kreis Einsparungen begründet, warnen Anbieter vor drastischen Folgen für Kinder, Familien und Beschäftigte der Frühförderung.

Die Zuschauertribüne im Kreishaus war komplett besetzt mit Eltern und Fachkräften, als Kreis-Dezernent Friedhelm Ottens die Sitzung des Jugendhilfeausschusses (25. Juni) eröffnete. Im Mittelpunkt standen die Veränderungen bei der Frühförderung, über die CNV-Medien bereits berichtet hatten.

"Wir hinterfragen alles, was wir tun, und haben mit der Frühförderung begonnen", sagte Ottens. Die stark gestiegenen Fallzahlen hätten die Kosten erheblich erhöht. Künftig solle die Förderung wieder stärker im häuslichen Umfeld stattfinden. Zudem sei die Terminvergabe digitalisiert worden.

Als ergänzende Angebote nannte Ottens die Pädagogische Früherkennung und Entwicklungsbegleitung (PEB) sowie die Beratungsstelle für Früherkennung und Frühförderung (BFF). Dort sollen Entwicklungsauffälligkeiten früh erkannt und gemeinsam mit den Familien passende Unterstützungsangebote entwickelt werden. Die Zahl der bewilligten Frühförderungen sei bereits von rund 300 auf 229 gesunken. Der Schwerpunkt liege künftig stärker auf Kindern mit einer Behinderung oder einer drohenden Behinderung.

Markus Föhl, Fachbereichsleiter Erziehungsberatung und Fachberatung Kindertagesstätten, stellte anschließend die Arbeit der BFF vor. Ziel sei es, Familien frühzeitig zu begleiten und das Kind gemeinsam mit Eltern und Kindertagesstätten in den Mittelpunkt zu stellen. "Wir wollen möglichst wenige auf dem Weg verlieren", betonte Föhl. 

Auch mehrere Eltern schilderten im Jugendhilfeausschuss, welche Bedeutung die Frühförderung für ihre Kinder habe. Foto: Rolf Vennenbernd

Träger warnen vor massiven Auswirkungen

Die Anbieter der Frühförderung - Lebenshilfe Hemmoor, Heilpädagogische Praxis, AWO und Deutsches Rotes Kreuz Wesermünde - zeichneten ein deutlich anderes Bild. Nach ihren Angaben seien die Fallzahlen infolge der Änderungen bereits um rund 50 Prozent eingebrochen. Bis zum Jahresende könnten sie sogar auf nur noch zwölf Prozent des bisherigen Niveaus sinken, so ihre Prognose.

Kritik übten die Träger unter anderem an der Digitalisierung des Zugangs sowie daran, dass Fördermaßnahmen grundsätzlich nicht mehr in den Kindertagesstätten stattfinden dürften. Das belaste berufstätige Eltern ebenso wie die Beschäftigten. Viele Kinder seien nach einem Kita-Vormittag zudem bereits erschöpft.

Große Sorge bereite den Trägern auch die Zukunft ihrer Einrichtungen. Unter den Mitarbeitenden herrsche erhebliche Unsicherheit über den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Die sinkenden Fallzahlen seien kein Ausdruck eines geringeren Bedarfs, sondern Folge der geänderten Vorgaben.

Eltern berichten von ihren Erfahrungen

Mehrere Eltern schilderten im Jugendhilfeausschuss, welche Bedeutung die Frühförderung für ihre Kinder habe, und auch Fachkräfte ergriffen das Wort. Die Anbieter griffen zudem eine Aussage von Landrat Thorsten Krüger aus einem früheren Gespräch auf. Dieser habe erklärt, eine Investition in ein Feuerwehrfahrzeug lohne sich bereits, wenn dadurch ein Menschenleben gerettet werde. Die Träger zogen daraus einen Vergleich: "Wir sind dieses Feuerwehrfahrzeug."

Friedhelm Ottens betonte erneut, dass die Frühförderung nicht abgeschafft werden solle. "Aber wir können die Leistungsanbieter nicht bestimmen lassen, wie hoch der Bedarf ist." Auch Dr. Hella Fröhlke vom Fachbereich Kinder- und Jugendärztlicher Dienst sprach sich grundsätzlich für die Frühförderung aus. Gleichzeitig verwies sie auf ergänzende Angebote wie Ergotherapie, Logopädie und Sport. "Es geht nicht mehr auf das frühere Niveau zurück. Es ist nicht mehr zu bezahlen."

Wie es weitergeht, soll nach einem Austausch mit den Anbietern am 2. Oktober entschieden werden. Der Jugendhilfeausschuss will sich in seiner Sitzung im November erneut mit dem Thema befassen und die weitere Richtung festlegen. Dabei soll dann auch gegebenfalls der Bedarf angepasst werden. 

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