GfD-Demo in Cuxhaven: Nur 300 statt 2000 Teilnehmer - so lief der Protest
Zur Demonstration der Bewegung "Gemeinsam für Deutschland" (GfD) in Cuxhaven erschienen Sonnabend nur 300 statt der angekündigten 2000 Teilnehmer. Zwei Vorfälle sorgten für Aufmerksamkeit.
Das war wohl nichts mit den angemeldeten 2000 Teilnehmenden. Die Gruppierung "Gemeinsam für Deutschland" (GfD) brachte bei ihrer zentralen Protestveranstaltung für Niedersachsen am Sonnabendnachmittag (26. April 2025) laut Polizei gerade mal rund 300 Menschen in der Spitze in Cuxhaven auf die Straße. Davon waren laut Organisator Danny Hilse aus Belum 126 Ordner, wie er in seiner Begrüßung auf dem Kaemmererplatz mitteilte. Nach unseren Informationen war die Zahl an Ordnern die Auflage für eine Demonstration mit 2000 Teilnehmern. Kaum der Rede wert war der von Bremerhaven nach Cuxhaven angekündigte Autokorso. Lediglich drei Fahrzeuge zählte die Polizei.
Mehr als zwölf Minuten dauerten gleich zu Beginn Hilses Erläuterungen der umfangreichen Versammlungsregeln, die er mit hämischen Untertönen spickte. Ein schwarz-rot-gold bemalter Sarg mit der Aufschrift "Frieden statt Krieg - Gemeinsam für Deutschland" stand dabei neben dem Mann mit den markanten Tätowierungen in der gesamten linken Gesichtshälfte.

Eine ganze Palette an Themen scheint den in Belum lebenden Mann zu bewegen, wie seinen Redebeiträgen zu entnehmen war. Man sei für Menschenrechte und das Grundgesetz, gegen Taurus- und Millionen-Lieferungen an die Ukraine, gegen Hetze, stehe für Frieden und sichere Straßen, für den Schutz der Bevölkerung, für mehr Miteinander, gegen Spaltung der Gesellschaft, gegen Alters- und Kinderarmut sowie jeglichen Faschismus - ob von rechts oder links. Und keinesfalls sei man fremdenfeindlich, vielmehr tatsächlich bunt, sagte der Organisator in Anspielung auf die Gegendemo. "Wir sind die Mitte der Gesellschaft", betonte Hilse und stellte sich selbst wiederholt als jemanden dar, der sich im Kinder- und Tierschutzschutz sowie der Obdachlosenhilfe engagiere.
Absage für CN/NEZ-Redaktion
Er redete an diesem Tag viel ins Mikro- und ins Megafon - allerdings nicht mit jedem. Den beiden Redakteuren der Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung verweigerte er ein Interview: "Mit euch rede ich nicht", erwiderte er auf eine Nachfrage. Zuvor hatte Hilse das Cuxhavener Medienhaus mehrfach als "Lügenpresse" bezeichnet.
Die Transparente bildeten ein Sammelsurium der Unzufriedenheit ab. Zu lesen war unter anderem: "Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht", "Waffenlieferung - Nein Danke!", "Unsere Kinder bekommt Ihr nicht", "Frieden schaffen ohne Waffen", "Für Frieden - für Sicherheit". Hoheitszeichen von Parteien waren nicht auszumachen. Geschwenkt wurden Deutschland- und Friedensfahnen, aber auch solche, die je zur Hälfe aus deutschen und russischen Nationalfarben bestanden sowie eine schwarz-weiße Flagge mit der Aufschrift "Gegen Nazis".
Einige Personen stechen hervor
Es war keine homogene Gruppe, die da in Cuxhaven nach dem GfD-Aufruf auf die Straße ging. Viele Teilnehmende waren unauffällig. Und doch stachen einige Personen aus der Menge, wie ein maskierter schwarzer Sensenmann oder die selbst ernannte "bunte Pummelfee". Diese Frau mit grell-bunt gefärbter Kurzhaarfrisur trat am Nachmittag auch vor das Mikrofon. "Ich sehe es nicht ein, dass wir Welt-Sparkasse spielen", monierte sie bei der Zwischenkundgebung und forderte unter anderem, dass man wieder auf die Straße gehen könne, ohne Angst haben zu müssen, "abgeschlachtet oder vergewaltigt zu werden".

Eine Szenekennerin entdeckte unter den Teilnehmenden neben offenkundig rechtsgesinnten auch Menschen aus dem Rocker- und Rotlichtmillieu.
Skandiert wurde nicht nur "Auf die Straße gegen Taurus", "Wir sind das Volk", "Gegen Faschismus" oder "Lügenpresse". Zu hören war "Alerta, Alerta Antifascista", das bedeutet so viel wie "Achtung, Achtung, Antifaschisten".
Störungen des Protestzuges
Es kam zu Störungen des engmaschig von einem großen Polizeiaufgebot begleiteten GfD-Aufzugs. Die Polizei sprach von 30 vermummten Personen, die beim Wochenmarktplatz durch Zusammenrottung und aktive Störung, den ungehinderten Verlauf des Aufzuges zu unterbinden versuchten. Nach namentlicher Feststellung erhielten sie einen Platzverweis und gegen sie wurden laut Polizei Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs eingeleitet.

Nachdem ein junger, vermummter Gegendemonstrant am Karl-Olfers-Platz zusammengebrochen war, stoppte der Zug. Der Kollabierte wurde von der Polizei und augenscheinlich dem Ersthelfer der Demonstranten versorgt. Ordner des GfD-Protests und Polizei riegelten das Geschehen ab.
Gegendemonstrantin wehrt sich mit Tritten
Kurz darauf ein weiterer Zwischenfall: Eine Gegendemonstrantin im schwarz-rot-weißen Shirt mit Aufdruck "FCKAFD" hatte sich bereits während der Kundgebungen auf dem Kaemmerer- und Wochenmarktplatz lautstark gegen GfD zu Wort gemeldet. Später drohte die Eskalation. Nachdem sie sich während des Demonstrationszuges auf dem Karl-Olfers-Platz ein hitziges Wortgefecht mit einem der Ordner geliefert hatte, wurde sie von der Polizei zurückgedrängt, fiel nach einem Schubser zu Boden und wehrte sich anschließend mit Fußtritten und lautstarken Beschimpfungen ("Bullen sind Faschoschweine") gegen die Beamten. Wegen ihres Widerstands wurde sie in Gewahrsam genommen. Ein Polizist zog sich dabei leichte Verletzungen zu, blieb aber dienstfähig, hieß es später seitens der Polizei.

Die Demonstration endete auf dem Ritzebüttler Marktplatz mit Livemusik des Sängers "Der Biker". Zu der Zeit hatten sich schon etliche verabschiedet und sich auf den Weg zurück in ihre Heimat gemacht - denn Cuxhavener waren kaum bei der GfD-Demo auszumachen. Und die aus Coronazeit bekannten Sonntagsspaziergänger ließen sich nur am Rande des Geschehens blicken und waren nicht Teil der Demo.
Bilanz des Polizei-Einsatzleiters
"Ich bin mit dem Gesamteinsatzverlauf aus polizeilicher Sicht sehr zufrieden. Betroffen macht mich die Verletzung unseres Kollegen, der aber glücklicherweise nur leichte Verletzungen erlitt", zieht Michael Hasselmann, Leiter der Polizeiinspektion Cuxhaven und Gesamteinsatzleiter der Polizei, das Resümee des Protesttages. Die Polizei könne "von einem weitestgehend störungsfreien Ablauf des gesamten Tages sprechen".