Comeback in Hechthausen? "Ich bin noch nicht reif für das Sofa"
Jan Tiedemann ist noch hauptamtlicher Verwaltungschef im Hemmoorer Rathaus. Eine weitere Wahlperiode wird es für ihn nicht geben. Doch wer glaubt, dass er sich aus der Kommunalpolitik zurückzieht, täuscht sich. Das Gegenteil ist der Fall.
Von Egbert Schröder
Hechthausen/Hemmoor. Gibt es ein Comeback von Jan Tiedemann (SPD)? Bei der Kommunalwahl tritt er zwar nicht mehr für das Amt als hauptamtlicher Samtgemeindebürgermeister in Hemmoor an. Doch ehrenamtlicher Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Hechthausen? Das kann er sich sehr gut vorstellen. Und Tiedemann kennt den Posten: Zwischen 2011 und 2021 war er dort bereits Bürgermeister.
Der Sozialdemokrat ist ein politischer Haudegen. Seit Jahrzehnten engagiert er sich kommunalpolitisch in der SPD, war auch schon stellvertretender Kreisvorsitzender und 2017 sogar SPD-Landtagskandidat im Wahlkreis "Geestland". Mit dem landespolitischen Mandat hat es nicht geklappt, doch Tiedemann ist ohnehin jemand, der sich auf die Kommunalpolitik konzentriert.
Entscheidung gegen Fulltime-Job
Vor seinem Amtsantritt als hauptamtlicher Chef im Hemmoorer Rathaus war der 60-Jährige rund 25 Jahre im Gemeinderat, 20 Jahre im Samtgemeinderat und fünf Jahre im Kreistag aktiv. Tiedemann hatte sich vor fünf Jahren in einer Stichwahl mit knapp 57 Prozent der Wählerstimmen gegen die parteilose Kandidatin Birte Zöllner durchgesetzt und seine fünfjährige Amtszeit als Verwaltungschef begonnen. Bei der bevorstehenden Bürgermeisterwahl im September hätte die Amtszeit nun acht Jahre betragen. Doch von diesem Kandidatenkarussell ist Tiedemann abgesprungen.
Er entschied sich aus persönlichen Gründen dafür, nicht erneut für diesen Fulltime-Job anzutreten. Im Gespräch mit der Redaktion der Niederelbe-Zeitung und Cuxhavener Nachrichten hatte der 60-Jährige im Juli vergangenen Jahres erklärt, dass er auch seinem Alter und der Arbeitsbelastung Tribut zollen müsse. "Es ist nicht so, dass mir diese Arbeit keinen Spaß mehr macht", sagte er im vergangenen Jahr. Doch so leicht stecke man viele Dinge und Termine abseits der Arbeit im Rathaus auch nicht mehr weg.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass insbesondere die CDU, aber auch Teile der SPD, bei einigen Themen Kritik an seiner Amtsführung geäußert hatten. Erst vor wenigen Tagen hatte CDU-Fraktionschef Lasse Weritz - ohne Namen zu nennen - beim "Dreikönigstreffen" der Partei in Osten bemängelt, dass nur wenige Hemmoorer Projekte in den vergangenen Jahren entwickelt worden seien. Stattdessen habe es einen Schwerpunkt in Hechthausen gegeben - in Tiedemanns Heimatort.
Satte Mehrheit für die SPD im Rat
Der Sozialdemokrat Jan Tiedemann macht keinen Hehl daraus, dass er sich wünschen würde, die Entwicklung der Gemeinde in einer verantwortungsvollen Position künftig voranzutreiben (er ist bereits Gemeindedirektor). Gerade angesichts der Förderkulisse der "Dorfregion Burweg/Hechthausen" mit ihren bislang 90-prozentigen Zuschüssen - die Förderquote wird allerdings sinken - könnten natürlich viele Vorhaben angeschoben und umgesetzt werden. Dazu gehört aktuell auch der Bau eines "Bürgerhauses" als Begegnungszentrum (wir berichteten).
Dass die SPD, der Tiedemann angehört, auch künftig die Mehrheit im Rat stellt, ist nicht abwegig. Hechthausen war unter dem heutigen Ehrenbürgermeister Bodo Neumann und dessen Nachfolgern Jan Tiedemann (bis 2021) und Erwin Jark immer eine starke SPD-Hochburg. Im Rat sitzen aktuell neun Sozialdemokraten, die CDU hat nur drei Sitze. Hinzu kommen "Wir für Euch" (2) und Grüne (1). Doch die Karten werden am 13. September - dem Tag der Kommunalwahl - neu gemischt. Bei den Parteien läuft die Phase der Listenaufstellung, die sich nach Informationen unserer Redaktion nicht gerade einfach darstellt.
Erwin Jark räumt das Feld
Daher ist auch die Frage, ob Jan Tiedemann als alter (und möglicherweise auch neuer) Bürgermeisterkandidat die SPD-Liste anführt, noch nicht abschließend beantwortet. Klar ist jedoch, dass er freie Bahn hätte, denn der amtierende Hechthausener Bürgermeister Erwin Jark - ein Parteifreund - will nicht erneut Ratsvorsitzender werden. Er ist 75 Jahre alt und räumt das Feld. Ob er noch für ein Ratsmandat erneut antritt, ist - so bestätigte Jark in dieser Woche unserer Redaktion - offen.
In der SPD stehen die Liste und die genaue Platzierung bislang nicht fest. Klar ist aber anscheinend intern, dass Tiedemann erneut ganz vorne stehen wird. Und er gibt sich kämpferisch. Aufs politische Altenteil möchte er sich nicht zurückziehen: "Ich bin noch nicht reif für das Sofa."