Die Omas gegen Rechts Hemmoor halten eine Mahnwache vor dem Rathaus, um an die Gefahren der nationalsozialistischen Machtergreifung und den Wert der Demokratie zu erinnern. Foto: Brettschneider
Die Omas gegen Rechts Hemmoor halten eine Mahnwache vor dem Rathaus, um an die Gefahren der nationalsozialistischen Machtergreifung und den Wert der Demokratie zu erinnern. Foto: Brettschneider
Mahnwache

Hemmoorer Omas gegen Rechts erinnern an die Machtergreifung der Nationalsozialisten 

von Bengta Brettschneider | 30.01.2026

Die Omas gegen Rechts erinnern in Hemmoor an die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Mit historischen Zitaten und dem Blick auf die heutige Pressefreiheit zeigen sie, wie schleichend Demokratie verloren gehen kann. 

Hemmoor. "Heute vor 93 Jahren, am 30. Januar 1933, ernannte der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler." Die Worte hallen über den verschneiten Rathausplatz in Hemmoor. Es ist Wochenmarkt und viele Menschen sind zum Einkaufen in Hemmoor unterwegs. Fünf Omas und ein Opa gegen Rechts stehen zwischen gelb-pinken Kreuzen. Darauf steht: "Kreuz ohne Haken - Für Vielfalt".

Die Omas gegen Rechts Hemmoor haben sich zu einer Mahnwache versammelt. Sie erinnern an den Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft - und daran, wie schnell Demokratie verschwinden kann. Am Abend des 30. Januar 1933 zogen Fackelzüge durch das Brandenburger Tor. Hitler versprach das Ende des "demokratischen Chaos". Was folgte, war kein Bruch über Nacht. Es war ein Prozess. Schritt für Schritt.

"Heute vor 93 Jahren, am 30. Januar 1933, ernannte der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler." Die Omas gegen Rechts halten eine Mahnwache vor dem Hemmoorer Rathaus ab. Foto: Brettschneider

Schritt für Schritt zur Diktatur

"Sofort nach der Machtübernahme wurde die Macht des Staates gegen politische Gegner eingesetzt", liest eine der Frauen vor. Reichstagsauflösung, Notverordnungen, Einschränkungen der Presse- und Versammlungsfreiheit folgten in rascher Abfolge. Auf dem Rathausplatz bleiben Passanten stehen. Sie zücken ihr Handy, hören zu, filmen.

Nach dem Reichstagsbrand wurden die Grundrechte außer Kraft gesetzt. Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen, Schutzhaft. Bereits im März 1933, nur zwei Monate nach der Machtergreifung, entstand mit Dachau das erste Konzentrationslager. Mit der Gleichschaltung der Länder wurden Minister, Beamte und Abgeordnete aus ihren Ämtern gedrängt, wenn sie nicht der NSDAP angehörten.

Am 1. April 1933 begann der Boykott jüdischer Geschäfte und Arztpraxen. Wenige Tage später folgte das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Jüdinnen und Juden, politisch Unerwünschte, wurden aus dem Staatsdienst entfernt.

Am 10. Mai 1933 brannten jüdische, sozialdemokratische, kommunistische und liberale Bücher. In rund 20 Universitätsstädten.

Bereits im Juli 1933, nur sechs Monate nach der Machtergreifung, wird die NSDAP zur einzigen zugelassenen Partei erklärt. Foto: Brettschneider

Wenn Stimmen brechen

"14. Juli 1933, Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses", liest eine der Omas. Ihre Stimme zittert. Dann bricht sie. Unter Tränen liest sie weiter: "Besonders 1940 und 1941 wurden über 70.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen umgebracht."

Am selben Tag wurde die NSDAP zur einzigen zugelassenen Partei. Zum Ende des Jahres 1933 folgte das Gesetz zur "Sicherung der Einheit von Partei und Staat". Behörden wurden verpflichtet, der NSDAP Amts- und Rechtshilfe zu leisten. Die Diktatur war vollständig.

Die Omas greifen erneut zu Plakaten. Darauf steht Artikel 5 des Grundgesetzes. Die Freiheit der Berichterstattung. "Pressefreiheit ist unsere Freiheit", ruft eine von ihnen.

Sie sprechen über das Schriftleitergesetz, das bereits 1933 festlegte, wer schreiben darf - und wer nicht. Rund 1300 Journalistinnen und Journalisten verloren ihre Arbeit. Die Omas gegen Rechts richten den Blick auch in die Gegenwart. Weltweit lebt mehr als die Hälfte der Menschheit in Ländern, in denen Pressefreiheit massiv eingeschränkt ist. Deutschland ist in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit in den vergangenen Jahren zurückgefallen und nicht mehr in den Top Ten. 

Eine Teilnehmerin der Mahnwache in Hemmoor hält ein Schild hoch: "Pressefreiheit ist unsere Freiheit". Rund 1300 Journalistinnen und Journalisten verlieren unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ihre Arbeit. Foto: Brettschneider

Gründung Omas gegen Rechts Europa

Die Gründerin der zivilgesellschaftlichen politischen Plattform Omas gegen Rechts, Monika Salzer, gab kürzlich in einer Pressemitteilung bekannt, dass sich zu Jahresbeginn 2016 Gruppen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz europaweit zusammenschlossen haben um gemeinsam gegen den Rechtsextremismus die Stimme zu erheben. Dass in "kleinen Anfragen", unter anderen an den Deutschen Bundestag, versucht werde mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch die Omas gegen Rechts, parteipolitische Parteinahme und finanzielle Bereicherung zu unterstellen, sei ein Warnsignal.

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