Inga Rumpf begeistert in Hemmoor: Bühnenpräsenz der Hamburgerin zieht in den Bann
In der Hemmoorer Christuskirche in Warstade sind alle Plätze besetzt, als Inga Rumpf den Auftakt ihrer Tour spielt. Die Rock-Legende erzählt aus ihrem Leben, feiert fast Geburtstag und zeigt, warum ihre Stimme seit Jahrzehnten berührt.
Rund um die Hemmoorer Christuskirche in Warstade war kein Parkplatz mehr zu finden. In der Kirche waren alle Reihen gefüllt, auch auf der Empore drängten sich etliche Menschen. Die Hintergrundmusik - Bruce Springsteen - ließ früh vermuten, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Gottesdienst handelte, der sich vor dem Altar abspielen würde.

Zwölf Jahre war es her, dass die Sängerin zuletzt in Hemmoor gastiert hatte. Damals, im Jahr 2014, war der Anlass das 25-jährige Bestehen des Culturkreises. Dieses Mal kehrte Rumpf fast zu ihrem eigenen Geburtstag in die Christuskirche Warstade zurück. Ihr Tourauftakt fand in Hemmoor statt - im Gepäck Rock, Soul und Blues. Das gesamte Repertoire, für das Inga Rumpf seit Jahrzehnten bekannt ist.
Der Titel der Tour war dabei Programm: "Inga - die Stimme". Im Interview mit den CNV-Medien hatte sie bereits verraten, dass sie ihren Geburtstag, auch die runden, nie groß gefeiert habe. Ihr Leben drehe sich um die Musik, und so verbringe sie diesen Tag am liebsten mit ihren musikalischen Weggefährten und ihrem Publikum. So auch an diesem Abend in Hemmoor.

Eine Gitarre aus einer Zigarrenkiste
Bevor die ersten Töne erklangen, begrüßten die Konzertbesucher die Sängerin und ihre Musiker mit langem Applaus. Dann nahm die 79-Jährige auf einem Barhocker Platz und las aus ihrer Biografie. "1956 - damals ist eine Menge passiert", begann sie. "Das war die Anfangszeit von Elvis Presley, und ich war schwer beeindruckt." Mit etwa zehn Jahren baute sie sich aus einer Zigarrenkiste, Gummibändern und Pappe eine Art Gitarre und übte vor dem Spiegel wilde Verrenkungen.
Ihr größter Wunsch war eine echte Gitarre, doch ihre Eltern hatten zunächst andere Pläne. "Wenn schon ein Instrument, dann Klavier oder Geige." Zu Weihnachten 1959 lag die ersehnte Gitarre schließlich unter dem Baum. "Wenn ich aus der Schule kam, flog als Erstes mein Ranzen in die Ecke und ich spielte meinen Schulfrust weg."

Mit 15 Jahren legte sie ihren Geburtsnamen Ingeborg - "viel zu altbacken" - ab und nannte sich fortan Inga. Es folgte ein Auftritt im Petticoat im Haus der Jugend in Hamburg. Die Anfänge einer Rock-Legende. Ende der 1960er-Jahre machte sich Inga Rumpf als Stimme der "City Preachers" einen Namen. Mit "Frumpy" und "Atlantis" prägte sie den deutschen Rock entscheidend. In Hemmoor spielte sie auch ein Lied, das sie sich selbst zum Geburtstag geschrieben hatte: "Lazy". Ein Song darüber, eines Tages aufzuwachen und 65 Jahre alt zu sein. "Der Lack ist ab", sagte Rumpf lachend. Eine Konzertbesucherin habe einmal entgegnet, dass die Grundierung aber noch da sei. "Woke up this morning and I was sixty-five. I'm old now but I am still alive", sang Rumpf schließlich.

Rumpfs Bühnenpräsenz zieht in den Bann
Die Bühnenpräsenz der fast 80-Jährigen zog die Besucher mühelos in ihren Bann. Sie schien aus jeder Pore Soul und Blues zu atmen. Immer wieder brandete spontaner Szenenapplaus auf. Rund zwei Stunden spielte die Hamburgerin, bevor sie für zwei Zugaben auf die Bühne zurückkehrte. Der Abend lebte von einer Stimme, die auch nach Jahrzehnten noch ihren Platz findet, und einer Sängerin, die in der Musik gemeinsam mit ihrem Publikum älter wird.