Seit 2021 im Amt als hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Hemmoor: Jan Tiedemann aus Hechthausen. Für eine weitere - und dann achtjährige Amtszeit - steht er nicht zur Verfügung. Foto: Schröder
Seit 2021 im Amt als hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Hemmoor: Jan Tiedemann aus Hechthausen. Für eine weitere - und dann achtjährige Amtszeit - steht er nicht zur Verfügung. Foto: Schröder
Jan Tiedemann

Paukenschlag an der Oste: Chefposten in der Samtgemeinde Hemmoor wird frei

von Egbert Schröder | 02.07.2025

Chefwechsel in der Hemmoorer Verwaltung: Amtsinhaber Jan Tiedemann wird im nächsten Jahr nach Informationen unserer Redaktion bei der Samtgemeindebürgermeisterwahl nicht erneut kandidieren. Aber warum nicht?

Über seinen Entschluss informierte Tiedemann am Mittwoch seine Mannschaft im Rathaus und die Fraktionen. Für ihn komme eine neue und diesmal dann achtjährige Amtszeit nicht infrage; er wäre am Ende der Wahlperiode dann 69 Jahre alt: "Ich möchte rechtzeitig für Klarheit sorgen und mich nicht vielleicht nach einer Wiederwahl nach vier Jahren vorzeitig aus der Verantwortung stehlen."

Der Hechthausener nutzte den Mittwochmorgen, um seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt von seinem Entschluss zu unterrichten. Die Atmosphäre bei der Mitarbeiterversammlung? "Da herrschte doch eine gewisse Stille", so Tiedemann im Gespräch mit unserer Redaktion. Anschließend habe er die Nachricht auch an die Außenstellen - wie Kindergärten und Bauhof - übermittelt und die Chefs der Fraktionen im Samtgemeinderat informiert.

Ein Grund ist die hohe Arbeitsbelastung

Welche Gründe hat er für diesen Schritt? "Es ist nicht so, dass mir diese Arbeit keinen Spaß mehr macht", sagt er. Doch er habe auch die Folgen der Arbeitsbelastung gemerkt, die man in seinem Alter nicht mehr so leicht wie in jungen Jahren wegstecke: "Es geht ja nicht nur um die Tätigkeit im Rathaus." In seiner Funktion nehme man ja auch zahlreiche Abendtermine der politischen Gremien und regionale und überregionale Veranstaltungen wahr und habe noch weitere Pflichten.

Neben seinem Chefposten als Samtgemeindebürgermeister ist er auch für die Amtsgeschäfte der Stadt und der Gemeinde Hechthausen verantwortlich. Damit ist es im kommenden Jahr vorbei: Der amtierende Verwaltungschef verabschiedet sich dann in den Ruhestand.

Jan Tiedemann hatte sich 2021 bei der Wahl des hauptamtlichen Samtgemeindebürgermeisters durchgesetzt. Zuvor konnte er reichlich politische Erfahrungen auf kommunaler Ebene und in der SPD sammeln, war ehrenamtlicher Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Hechthausen, Fraktionschef der SPD im Samtgemeinderat und saß im Kreistag. Zudem hatte er auch zum Sprung in den niedersächsischen Landtag angesetzt, doch das Vorhaben scheiterte.

In Stichwahl die Mehrheit erhalten

Durchsetzen konnte sich Tiedemann jedoch bei der Samtgemeindebürgermeisterwahl im September 2021. Birte Zöllner und Jens Kleen waren als Parteilose ebenfalls angetreten. Nach der ersten Runde kam es dann zur Stichwahl zwischen Tiedemann und Zöllner, bei der sich der Hechthausener mit 56,6 Prozent durchsetzte und auf dem Chefsessel im Hemmoorer Rathaus seinen Platz einnehmen konnte.

Tiedemann hatte nicht die klassische Verwaltungslaufbahn eingeschlagen, sondern er war vor seinem Amtsantritt für die Telekom tätig. Reichlich Erfahrung in den Abläufen einer Verwaltung hatte Tiedemanns damaliger Stellvertreter Wolfgang Poit, doch er verzichtete auf eine Wiederwahl und verabschiedete sich aus dem Rathaus. Seit einem Jahr nimmt Karina Kramer die Funktion der stellvertretenden Verwaltungschefin wahr.

Neuregelung bei Dauer der Amtszeit

Tiedemanns Nachfolger oder Nachfolgerin wird nicht nur für die Dauer von fünf, sondern acht Jahren gewählt. Der niedersächsische Landtag hatte erst zu Jahresbeginn beschlossen, die Amtszeiten für Bürgermeister und Landräte ab 2026 zu verlängern. Ziel des Beschlusses: Durch diese Änderung soll es gelingen, eine Kandidatur für potenzielle Bewerberinnen und Bewerber attraktiver zu machen und dazu beitragen, dass sie bei einer Wahl auch die Gelegenheit haben über einen längeren Zeitraum zu agieren und für Kontinuität in der Verwaltung zu sorgen. Die zuvor fünfjährige Amtszeit war an die Wahlperiode der Kommunalparlamente gekoppelt.

Mehr Zeit für andere Tätigkeiten

Jan Tiedemann verabschiedet sich 2026 in den Ruhestand. Völlig untätig wird aber danach nicht. Er freue sich darauf, im ehrenamtlichen Bereich tätig zu sein und zu bleiben. Erst kürzlich war unter anderem zum Vorsitzenden des Bürgerbus-Vereins gewählt worden. Ob er wieder politisch für die SPD tätig sein werde? Eine Antwort auf diese Frage gibt es noch nicht: "Eins nach dem anderen." Die Partei habe auch erst am Mittwoch erfahren, dass er nicht erneut antrete. 

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