Schon am frühen Vormittag stand das Gebäude der Bioschlachterei in Warstade lichterloh in Flammen. Foto: Jürgen Lange
Schon am frühen Vormittag stand das Gebäude der Bioschlachterei in Warstade lichterloh in Flammen. Foto: Jürgen Lange
B73 wegen Löscharbeiten gesperrt

Großbrand in Hemmoor: Schlachterei in Flammen - Betrieb in Schutt und Asche

04.06.2025

Dichter Rauch über Hemmoor: Seit Dienstagmorgen kämpfen zahlreiche Feuerwehren gegen ein verheerendes Feuer in einem Fleischereibetrieb an der B73. Einsatzkräfte kämpfen auch in der Nacht unter extremen Bedingungen - ein Ende ist nicht in Sicht.

Ein verheerender Großbrand hat am Dienstag seit den frühen Morgenstunden einen Bioschlachtereibetrieb mit angeschlossenem Bioladen im Hemmoorer Stadtteil Warstade nahezu vollständig zerstört. Auch bis zum Abend waren die Flammen nicht vollständig gelöscht. Hunderte Feuerwehrleute kämpften unter extremen Bedingungen - und ein Ende des Einsatzes war bis Redaktionsschluss (Dienstag, 20 Uhr) nicht absehbar.

Gegen 7.15 Uhr ging der erste Notruf bei der Feuerwehr ein, der die Wehren aus Warstade und Althemmoor auf den Plan rief. Zunächst war nur ein Giebelbereich betroffen, doch innerhalb kürzester Zeit fraßen sich die Flammen über das Produktionsgebäude, die Räucherei und die Lagerhalle weiter. Dort gelagerte Gasflaschen sorgten für zusätzliche Gefahr. Schließlich griff das Feuer auch auf ein Wohnhaus und den Bioladen über - alle Gebäudeteile wurden vollständig zerstört.

Zahlreiche Wehren aus dem Kreis Cuxhaven und Stade sind mit rund 300 Kräften vor Ort. Foto: Jürgen Lange

Ein Mitarbeiter hatte den Brandherd zunächst im Bereich eines Ventilators bemerkt. Nachdem die Sicherungen durchbrannten, versuchte er noch, mit Wasser zu löschen - jedoch vergeblich, die Flammen breiteten sich zu schnell aus.

Feuerwehr aus zwei Landkreisen im Einsatz

Bereits am Vormittag waren zwölf Wehren mit rund 150 Kräften im Einsatz, im Verlauf des Tages wuchs die Zahl auf etwa 300 an. Unterstützung kam aus nahezu der gesamten Samtgemeinde Hemmoor sowie aus den Kreisen Cuxhaven und Stade - mit Spezialfahrzeugen, Schlauchsystemen und Luftüberwachung.

Im Einsatz waren Kräfte aus Warstade, Althemmoor, Hechthausen, Basbeck, Wingst, Geversdorf, Kehdingbruch, Nindorf (Lamstedt), Heeßel, Westersode, Osten, Oberndorf, Estorf, Hüll, Himmelpforten, Oldendorf, Burweg, Stade und Drochtersen. Neben mehreren Drehleitern waren auch ein Atemschutz-Abrollcontainer, ein Gerätewagen Logistik und der Schlauchwagen SW 2000 aus Geversdorf vor Ort, mit dem eine rund 2,5 Kilometer lange Schlauchleitung vom Kreidesee zur Brandstelle verlegt wurde.

Die Flammen haben sich bis in die Dachkonstruktion und alle Anbauten gefressen. Foto: Jürgen Lange

Wärmebildkameras Drohnen und Dauereinsatz

Unterstützt wurde die Brandbekämpfung aus der Luft: Die Feuerwehr Estorf brachte eine Drohne zum Einsatz, um Glutnester zu lokalisieren und Temperaturverläufe zu analysieren. Ein Innenangriff war zunächst nicht möglich, da tragende Stahlträger in den neueren Anbauten durch extreme Hitze einsturzgefährdet waren. Das Feuer zerstörte Maschinen, Lagerflächen, Wohnbereiche und den gesamten Verkaufsbereich. Immer wieder flammten versteckte Glutnester neu auf - trotz massiven Schaumeinsatzes und ständiger Überwachung.

Die Feuerwehrleute standen unter enormer Belastung - bei hohen Temperaturen, unter Atemschutz, viele von ihnen ohne längere Pause im Einsatz.

Flammen schlagen aus dem Dach. Foto: Jürgen Lange

Auch das DRK war mit mehreren Einheiten vertreten: einem Rettungswagen, einem Bereitschafts-RTW, einem Einsatzleitwagen, einem Versorgungszug sowie Kräften der feuerwehrtechnischen Zentralen Cadenberge und Stade.

Die Polizei war mit mehreren Streifen sowie der Tatortgruppe der Inspektion Cuxhaven vor Ort, um erste Ermittlungen zur Brandursache aufzunehmen.

Laut Firmenleitung wird der entstandene Schaden auf rund drei Millionen Euro geschätzt. Der Betrieb beschäftigt 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, viele von ihnen seit Jahrzehnten im Unternehmen. Fassungslos und tief erschüttert standen sie am Dienstag vor den verkohlten Resten ihrer Arbeitsstätte.

Beim Großeinsatz waren mehrere Führungskräfte im Einsatz: Gemeindebrandmeister Hemmoor Björn Müller, seine Stellvertreter Malte Schimmelpfennig (Hemmoor), Thorsten Raap (SG-Oldendorf) sowie Thomas Schmidtke (Land Hadeln). Auch der Kreisbereitschaftsleiter des DRK Land Hadeln, Friedrich von Saldern, unterstützte die Einsatzleitung vor Ort.

Feuerwehrkräfte aus mehr als 20 Orten kämpften unter schwerem Atemschutz gegen das Feuer. Foto: Jürgen Lange

Verkehrschaos und Warnung - B73 bleibt dicht

Die B73 war ab 7.30 Uhr voll gesperrt und blieb es auch über die ganze Nacht. In Nebenstraßen kam es zu erheblichen Rückstaus. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gab für den Bereich Hemmoor-Warstade eine Warnung wegen starker Rauch- und Geruchsbelästigung heraus. Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungen auszuschalten.

Löscharbeiten dauern an - Brandwache wird vorbereitet

Bis zum Abend war der Brand nicht vollständig unter Kontrolle. Immer wieder mussten neue Glutnester bekämpft werden. Die Feuerwehr Warstade bereitete sich darauf vor, über Nacht eine Brandwache zu stellen. Aufräumarbeiten konnten bis zum Abend noch nicht beginnen - zu heiß, zu instabil war das Gelände.

Für alle Beteiligten war es ein Tag der Extreme - mit körperlicher und emotionaler Erschöpfung, deren Ausmaß kaum zu fassen ist.

Von Jürgen Lange und Tamina Francke

Die B73 blieb bis in den Nachmittag vollständig gesperrt - der Verkehr wich auf Nebenstraßen aus. Foto: Jürgen Lange

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Lesen Sie auch...
Leicht verletzt

Unfall zwischen Hemmoor und Wingst: 16-Jähriger mit Microcar kollidiert mit VW

von Redaktion

Ein 16-Jähriger gerät mit seinem Microcar auf der K21 zwischen Hemmoor und Wingst in den Gegenverkehr und stößt mit einem VW zusammen. Der Jugendliche zieht sich beim Unfall leichte Verletzungen zu.

Polizei klärt auf

Schockanruf: Kita-Kraft in der Samtgemeinde Hemmoor wird telefonisch bedroht

von Wiebke Kramp

Dieser Schockanruf erschüttert: Eine Kita-Kraft aus der Samtgemeinde Hemmoor wird mit dem Tod bedroht, wenn sie ein Kind weiter betreut. Die Polizei klärt auf und ermittelt gegen zwei Frauen wegen Bedrohung. Der Fall geht an die Staatsanwaltschaft.

Kinderrechte im Fokus

Hemmoorer Kinder- und Jugendbeirat setzt mit einem Festival neue Maßstäbe

von Bengta Brettschneider

Ein Festival, das nicht nur mit Musik und Spaß lockt: In Hemmoor wird der Rathausplatz am 19. September zum Schauplatz engagierter Jugendpolitik und setzt dabei auch ein Zeichen für Kinderrechte. Was das Kinder- und Jugendfestival zu bieten hat.

Mehr als ein halbes Jahrhundert

Eiserne Hochzeit in Hemmoor: Ihre Geschichte begann auf dem Schützenfest

von Bengta Brettschneider

Ein Sofa, zwei Menschen und 65 Jahre voller gemeinsamer Erinnerungen. In Hemmoor wird ein besonderes Jubiläum gefeiert, das nicht nur von Liebe, sondern auch von einem unerwarteten Hochzeitsessen erzählt.