Thees Uhlmann erobert die Hamburger Elbphilharmonie - Hemmoor steckt in vielen Songs
Zweimal ausverkauft mit der Gitarre in der Hand: Thees Uhlmann spielt in der Hamburger Elbphilharmonie seine Songs von Tomte bis heute. Persönliche Geschichten, politische Themen und seine Heimat Hemmoor prägen die Konzerte.
"Nur wenn du aus Hemmoor kommst, kannst du ein Lied schreiben, das New York heißt - oder du bist Frank Sinatra." Bereits nach dem ersten Lied erwähnt Thees Uhlmann die Stadt, in der er groß geworden ist, zum ersten Mal. Nur mit einer Gitarre, in Jeans und mit Cap steht der Hemmoorer am Sonnabend (10. Januar 2026) auf der Bühne des großen Saales in der Hamburger Elbphilharmonie.
Die ist gleich zweimal an einem Tag ausverkauft. Damit ist Uhlmann der erste Solokünstler, der das geschafft hat. Neben der Show am Nachmittag und Abend wird eins der Konzerte auch für die, die es aufgrund des Wetters nicht nach Hamburg geschafft haben, per Livestream übertragen.
Mit "Das Beste von Tomte bis Heute" trat Uhlmann bereits im Januar 2025 für eine fünftägige Residenz im St. Pauli-Theater auf. Die zwei Konzerte in der Hamburger Elbphilharmonie sollten den krönenden Abschluss einer ausverkauften Tour mit Auftritten in der Schweiz, Österreich und Deutschland bilden. "Ich war eh schon nervös. Wäre ich auch bei 35 Grad gewesen", betont der Musiker, "aber wenn Leute sich bei diesem Wetter aus Elmshorn aufmachen, dann noch mehr."

Hemmoor in der Elbphilharmonie
Uhlmann lebt bereits seit 15 Jahren in Berlin. Auch die Dinge, die er dort erlebt, fließen in seine Songs ein. Wie der Moment, als er um drei Uhr morgens nach einer Feier nach Hause ging und vor einer Synagoge Polizisten mit Maschinengewehren wahrnahm. "Ein unhaltbarer Zustand. Ein Frevel in der deutschen Geschichte, dass Menschen jüdischen Glaubens sich nicht mehr trauen, ihren Glauben zu zeigen", führt er aus, bevor er ungeschönt und ehrlich sein Lied "17 Worte" singt. "Dein Herz ist wie eine Berliner Synagoge, es wird Tag und Nacht bewacht", ist eine Zeile in dem Lied.
Zwischen Songs und Geschichten
Wann immer der Sänger seine Heimatstadt Hemmoor erwähnt - oder ein kleines Witzchen darüber macht -, geben sich die anwesenden Hemmoorer im Saal mit einem wissenden Lachen zu erkennen. Uhlmann erzählt zwischen seinen Songs von Tante Gunni aus Buxtehude, die ihn immer noch Theesie-Purzel nennt ("Da füllt man zweimal die Elphie und ist immer noch Theesie-Purzel"), seiner Mutter, die Besuch bekam von einer jungen Frau, deren Großmutter sie bereits als Lehrerin unterrichtet hatte ("Das kann auch nicht jeder von sich sagen"), und Diskussionen mit seiner Tochter. Diese fühlte sich mit sieben Jahren alt genug dafür, alleine in Kreuzberg in einem Drogeriemarkt einkaufen zu gehen. "Ich war auch mal sieben Jahre alt und schreibe immer noch traurige Songs über das Dorf, aus dem ich komme." Darauf stimmt er sein Lied "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" an, von dem seine Mutter meint, dass er nie wieder einen so guten Song schreiben wird.

Nach der Elphi ist vor dem Album
Einen weiteren Höhepunkt bildet der Song "Römer am Ende Roms", bei dem der Musiker spontan einen Herrn auf die Bühne bittet, der ihn bei dem Lied mit der Mundharmonika begleitet. Die Elbphilharmonie, sonst ein Ort für klassische Konzerte, wird erfüllt von einem begeistert klatschenden wie auch johlenden Publikum.

Am Ende des Abends schaut der 51-Jährige Hemmoorer noch einmal ungläubig um sich. "Ich habe zweimal in der Elphi gespielt und ihr wart dabei." Draußen am Merch-Stand ist bereits alles ausverkauft. Aber es gibt für alle, die leer ausgegangen sind, ein Trostpflaster: Das nächste Uhlmann-Album ist schon in Arbeit, wie er abschließend verrät.
Bekannt wurde der gebürtige Hemmoorer als Sänger und Texter der Band Tomte, mit der er Anfang der 2000er Jahre große Erfolge feierte. Mit dem Label Grand Hotel van Cleef, das er zusammen mit den Kettcar-Musikern Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff gründete, prägte er zudem maßgeblich die deutsche Indie-Szene. Seit 2011 ist Uhlmann auch solo erfolgreich und schreibt Romane. Seine Musik versteht er als Kunst, die Menschen auf einer persönlichen, emotionalen Ebene erreicht.