Thees Uhlmann begeistert das Publikum in der ausverkauften Hamburger Elbphilharmonie gleich mit zwei Konzerten an einem Tag. Foto: Sebastian Madej
Thees Uhlmann begeistert das Publikum in der ausverkauften Hamburger Elbphilharmonie gleich mit zwei Konzerten an einem Tag. Foto: Sebastian Madej
Herz, Humor, Hemmoor

Thees Uhlmann erobert die Hamburger Elbphilharmonie - Hemmoor steckt in vielen Songs

von Bengta Brettschneider | 12.01.2026

Zweimal ausverkauft mit der Gitarre in der Hand: Thees Uhlmann spielt in der Hamburger Elbphilharmonie seine Songs von Tomte bis heute. Persönliche Geschichten, politische Themen und seine Heimat Hemmoor prägen die Konzerte.

"Nur wenn du aus Hemmoor kommst, kannst du ein Lied schreiben, das New York heißt - oder du bist Frank Sinatra." Bereits nach dem ersten Lied erwähnt Thees Uhlmann die Stadt, in der er groß geworden ist, zum ersten Mal. Nur mit einer Gitarre, in Jeans und mit Cap steht der Hemmoorer am Sonnabend (10. Januar 2026) auf der Bühne des großen Saales in der Hamburger Elbphilharmonie.
Die ist gleich zweimal an einem Tag ausverkauft. Damit ist Uhlmann der erste Solokünstler, der das geschafft hat. Neben der Show am Nachmittag und Abend wird eins der Konzerte auch für die, die es aufgrund des Wetters nicht nach Hamburg geschafft haben, per Livestream übertragen.

Mit "Das Beste von Tomte bis Heute" trat Uhlmann bereits im Januar 2025 für eine fünftägige Residenz im St. Pauli-Theater auf. Die zwei Konzerte in der Hamburger Elbphilharmonie sollten den krönenden Abschluss einer ausverkauften Tour mit Auftritten in der Schweiz, Österreich und Deutschland bilden. "Ich war eh schon nervös. Wäre ich auch bei 35 Grad gewesen", betont der Musiker, "aber wenn Leute sich bei diesem Wetter aus Elmshorn aufmachen, dann noch mehr."

Der gebürtige Hemmoorer spielt "Das Beste von Tomte bis Heute" vor insgesamt 4000 Menschen im großen Saal der Elbphilharmonie. Foto: Sebastian Madej

Hemmoor in der Elbphilharmonie

Uhlmann lebt bereits seit 15 Jahren in Berlin. Auch die Dinge, die er dort erlebt, fließen in seine Songs ein. Wie der Moment, als er um drei Uhr morgens nach einer Feier nach Hause ging und vor einer Synagoge Polizisten mit Maschinengewehren wahrnahm. "Ein unhaltbarer Zustand. Ein Frevel in der deutschen Geschichte, dass Menschen jüdischen Glaubens sich nicht mehr trauen, ihren Glauben zu zeigen", führt er aus, bevor er ungeschönt und ehrlich sein Lied "17 Worte" singt. "Dein Herz ist wie eine Berliner Synagoge, es wird Tag und Nacht bewacht", ist eine Zeile in dem Lied.

Zwischen Songs und Geschichten

Wann immer der Sänger seine Heimatstadt Hemmoor erwähnt - oder ein kleines Witzchen darüber macht -, geben sich die anwesenden Hemmoorer im Saal mit einem wissenden Lachen zu erkennen. Uhlmann erzählt zwischen seinen Songs von Tante Gunni aus Buxtehude, die ihn immer noch Theesie-Purzel nennt ("Da füllt man zweimal die Elphie und ist immer noch Theesie-Purzel"), seiner Mutter, die Besuch bekam von einer jungen Frau, deren Großmutter sie bereits als Lehrerin unterrichtet hatte ("Das kann auch nicht jeder von sich sagen"), und Diskussionen mit seiner Tochter. Diese fühlte sich mit sieben Jahren alt genug dafür, alleine in Kreuzberg in einem Drogeriemarkt einkaufen zu gehen. "Ich war auch mal sieben Jahre alt und schreibe immer noch traurige Songs über das Dorf, aus dem ich komme." Darauf stimmt er sein Lied "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" an, von dem seine Mutter meint, dass er nie wieder einen so guten Song schreiben wird.

Rund 4000 Besucherinnen und Besucher waren für zwei Konzerte von Thees Uhlmann in die Hamburger Elbphilharmonie gekommen. Foto: Sebastian Madej

Nach der Elphi ist vor dem Album

Einen weiteren Höhepunkt bildet der Song "Römer am Ende Roms", bei dem der Musiker spontan einen Herrn auf die Bühne bittet, der ihn bei dem Lied mit der Mundharmonika begleitet. Die Elbphilharmonie, sonst ein Ort für klassische Konzerte, wird erfüllt von einem begeistert klatschenden wie auch johlenden Publikum.

Thees Uhlmann begeistert in der ausverkauften Elbphilharmonie mit seinen Songs und persönlichen Geschichten. Foto: Sebastian Madej

Am Ende des Abends schaut der 51-Jährige Hemmoorer noch einmal ungläubig um sich. "Ich habe zweimal in der Elphi gespielt und ihr wart dabei." Draußen am Merch-Stand ist bereits alles ausverkauft. Aber es gibt für alle, die leer ausgegangen sind, ein Trostpflaster: Das nächste Uhlmann-Album ist schon in Arbeit, wie er abschließend verrät.

Bekannt wurde der gebürtige Hemmoorer als Sänger und Texter der Band Tomte, mit der er Anfang der 2000er Jahre große Erfolge feierte. Mit dem Label Grand Hotel van Cleef, das er zusammen mit den Kettcar-Musikern Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff gründete, prägte er zudem maßgeblich die deutsche Indie-Szene. Seit 2011 ist Uhlmann auch solo erfolgreich und schreibt Romane. Seine Musik versteht er als Kunst, die Menschen auf einer persönlichen, emotionalen Ebene erreicht.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Bengta Brettschneider
Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

bbrettschneider@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Zusammenstoß

Unfall bei Schneewehen in Hemmoor: Auto kollidiert im Verkehr mit Räumfahrzeug

von Redaktion

Ein unerwarteter Zusammenstoß in Hemmoor (Kreis Cuxhaven): Schneeverwehungen führten zu einem erhöhten Unfallaufkommen. Eine junge Fahrerin kollidierte mit einem Räumfahrzeug.

Zivilcourage vor Ort

Mut statt Schweigen: Wie eine Seniorin die Omas gegen Rechts in Hemmoor gründete

von Bengta Brettschneider

Warum eine 68-Jährige Hemmoorin trotz wachsender Anfeindungen Haltung zeigt: Martina Kleinwächter gründete die Omas gegen Rechts Hemmoor. Im Porträt spricht sie über Demokratie, Angst, Frauenrechte - und darüber, warum Aufgeben keine Option mehr ist.

Mahnwache

Hemmoorer Omas gegen Rechts erinnern an die Machtergreifung der Nationalsozialisten 

von Bengta Brettschneider

Die Omas gegen Rechts erinnern in Hemmoor an die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Mit historischen Zitaten und dem Blick auf die heutige Pressefreiheit zeigen sie, wie schleichend Demokratie verloren gehen kann. 

Gründung am Sonntag

Christliche Gemeinschaft an der Oste mit neuer Stiftung lebendig gestalten

von Redaktion

Die Oste-Stiftung bewahrt das Vermächtnis von Ingeborg und Heiko van Dieken und sichert eine lebendige christliche Gemeinschaft an der Oste. Die Gründung wird am 1. Februar im Hemmoorer Stadtteil Basbeck feierlich begangen.