Zementmuseum in Hemmoor: Ein Pott Farbe reicht da nicht ...
Nach holprigem Beginn soll jetzt Tempo gemacht werden: Die Sanierung des in die Jahre gekommenen Zementmuseums in Hemmoor muss bis 30. Juni abgeschlossen sein. Klappt das?
Zurzeit verhindern die tiefen Temperaturen aber einige Arbeiten, die anstehen. Doch in der Verwaltung ist man optimistisch, dass der Zeitplan eingehalten werden kann, damit keine Fördermittel verloren gehen.
Wie mehrfach berichtet, befindet sich das Außengelände teilweise in einem desolaten Zustand. Das gilt für die Exponate und die "Zementschute", die Wind und Wetter ausgesetzt sind, aber auch für die Wege und Grünflächen. Jahrelang ist nur das Notwendigste erledigt worden. Es war ganz offensichtlich nicht genug. Das rächt sich jetzt.
Dass Handlungsbedarf bestand, war auch den Hemmoorer Kommunalpolitikern bekannt. Als dann signalisiert wurde, dass 300.000 Euro aus einem Fördertopf des Landes fließen und Eigenmittel von (nur) 130.000 Euro erforderlich sein würden, hätte das Thema eigentlich Fahrt aufnehmen sollen und müssen; tat es aber nicht. Vielmehr wurden Entscheidungen auf die lange Bank geschoben. Konkrete Handlungsaufträge an die Verwaltung blieben aus.
Verwaltung brachte "Rückbau" ins Spiel
Erst im Herbst 2024 kam so richtig Bewegung in die Angelegenheit. Der Grund: Die Verwaltung wollte Klarheit und brachte in einer Vorlage auch folgende Formulierung unter: "Sollte sich gegen den Erhalt des Zementmuseums und der Schute ausgesprochen werden, ist ein entsprechender Rückbau sowie eine Entsorgung erforderlich." Im Klartext: Abriss oder Sanierung. Das saß.
Es wurde ein von der Verwaltung, externen Fachleuten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern formuliertes Konzept verabschiedet, das jetzt Schritt für Schritt abgearbeitet werden soll. "Und wir wollen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen", sagt die stellvertretende Verwaltungschefin Karina Kramer. Das bedeutet in der Praxis, dass zunächst der Fokus auf die Exponate, die Grünanlagen, die Wege und die Sanierung der Außenhülle der Zementschute gerichtet ist, in der Fotos und Dokumente zur Geschichte der Zementherstellung in Hemmoor präsentiert werden.
Engagierte Bürger wollen helfen
Bei den Arbeiten erfolgt auch eine Einbeziehung interessierter Hemmoorer, die - sobald es die Witterung zulässt - unter anderem das Pflaster aufnehmen werden, bevor dann eine beauftragte Firma die Neuverlegung übernimmt. "Wir sind froh, dass sich bei uns Ehrenamtliche gemeldet haben, die sich bei dem Museumsprojekt einbringen wollen", so Kramer.
Zudem stehen das professionelle und zeitintensive Sandstrahlen und die Lackierung von Exponaten an, die entweder in einer Halle oder direkt vor Ort bearbeitet werden. Übrigens sind künftig nicht mehr alle Ausstellungsstücke zu sehen, denn einige haben - das zeigte sich bei der Inventarisierung - mit der Zementproduktion in Hemmoor nichts zu tun. Für sie gebe es einen Käufer, der die Teile aber nicht verschrotten, sondern in der Nähe des Museumsgeländes wieder aufstellen wolle.
Mehr Klarheit nach "Kassensturz"
Ein erstes museumspädagogisches Konzept gibt es zwar für das neue Zementmuseum, doch in welcher Form dies auch mit moderner Audiotechnik oder QR-Codes umgesetzt werden kann, muss sich noch zeigen: "Wir werden nach den Außenarbeiten einen Kassensturz machen und dann sehen, was möglich und finanzierbar ist", erläutert Karina Kramer. Wenn das Geld nicht mehr für diesen "zweiten Schritt" reiche, müsse man sich nach anderen Fördertöpfen umsehen.
Die Zementschute, für deren Besichtigung inklusive fachkundiger Führung es schon seit längerer Zeit keine regelmäßigen Öffnungszeiten mehr gibt, bleibt bis auf die Außensanierung vorerst konzeptionell weitgehend ausgeklammert. Wie es allein personell künftig möglich sein wird, einen Museumsbetrieb zu organisieren, ist unklar - und wäre auch erst der dritte Schritt.
