Ruth Wiarda ist die neue Kinder- und Jugenddiakonin in Hemmoor. Studiert hat sie Religionspädagogik in Berlin. "Am Meer wollte ich schon immer einmal wohnen", verrät die gebürtige Potsdamerin. Foto: Brettschneider
Ruth Wiarda ist die neue Kinder- und Jugenddiakonin in Hemmoor. Studiert hat sie Religionspädagogik in Berlin. "Am Meer wollte ich schon immer einmal wohnen", verrät die gebürtige Potsdamerin. Foto: Brettschneider
Neu im Kirchenkreis

Zwischen Kartons und Konfirmandenunterricht: Die neue Diakonin startet in Hemmoor

von Bengta Brettschneider | 27.12.2025

Hemmoor bekommt eine neue Kinder- und Jugenddiakonin: Ruth Wiarda ist angekommen - mitten im Umzug, mitten im Kennenlernen. Die 30-Jährige bringt viel Erfahrung aus Brandenburg mit und hat klare Ideen, wie Kirche für junge Menschen lebendig bleibt.

Im Büro im Gemeindehaus Basbeck (Hemmoor) stehen noch Kartons. Ordner lehnen an der Wand, Bücher stapeln sich auf der Fensterbank, dazwischen ein paar selbstgebackene Plätzchen. So sieht Ankommen aus. "Wie nach jedem Umzug", sagt Ruth Wiarda, die neue Kinder- und Jugenddiakonin für Hemmoor, Hechthausen und Osten und lacht. Noch ist nicht alles sortiert - weder im Raum noch im Kalender. Aber genau das genießt sie gerade.

Geboren und aufgewachsen ist Ruth Wiarda in Potsdam. Kirche war von Anfang an Teil ihres Lebens, auch familiär: Ihr Großvater war 30 Jahre Pfarrer in ihrer Heimatgemeinde. "Ich bin viel in der Gemeinde gewesen, erst im Kindergottesdienst, später in der Jugendgruppe." Früh übernahm sie Verantwortung, leitete Angebote, organisierte mit. Nach dem Abitur folgte ein Jahr voller Praktika - bewusst gewählt, um unterschiedliche Gemeinden kennenzulernen. Von der Heimatgemeinde über Karlsruhe bis Leipzig, von Berlin-Spandau bis Lobetal. "Ich wollte sehen, wie verschieden Kirche sein kann."

Ein Theologiestudium begann sie danach - und brach es wieder ab. "Ich habe immer gesagt: Ich kann mir alles am Pfarrberuf vorstellen, außer das Predigen." Zu theoretisch, zu wenig nah am Alltag. Während ihrer Schwangerschaft wurde die Entscheidung dann klarer: Gemeinde ja, Pfarramt nein.

Mit Kindern, Jugendlichen - und ganz viel Praxis

Die 30-Jährige wechselte an die Evangelische Hochschule Berlin und studierte Religionspädagogik. Später folgte ihre erste feste Stelle im Kirchenkreis Zossen-Fläming.

Dort war sie fünfeinhalb Jahre in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien tätig - oft überregional. Kooperation statt Einzelkämpfertum ist ihr Ansatz. "Ein Team bringt mehr Ideen, mehr Energie. Und nicht jede Gemeinde muss alles alleine machen." Besonders liebt sie Freizeiten. Konfirmanden-Wochenenden, Kinderfreizeiten, internationale Fahrten, Gedenkstättenreisen. Auch in Hemmoor ist das Jahr bereits durchgeplant - von der Kinderfreizeit in der Wingst bis zur Gedenkstättenfahrt nach Theresienstadt und Auschwitz.

Ankommen zwischen Nordsee und Neubeginn

Seit Kurzem ist Ruth Wiarda nun Kinder- und Jugenddiakonin. Die ersten Wochen nutzt sie bewusst zum Zuhören. "Vor Weihnachten fängt man nichts Neues mehr an. Ich will erst wissen, wer hier ist und was es schon gibt." Was ihr auffällt ist das starke ehrenamtliche Engagement - und die Grundstimmung. "Hier sagen viele: Uns geht es gut. Das kenne ich aus Brandenburg so nicht." 

Im Februar des kommenden Jahres wird sie dann offiziell zur Diakonin eingesegnet. Ein Anerkennungsjahr braucht sie nicht mehr - ihre Berufserfahrung wurde anerkannt. Gemeinsam mit ihrem Mann, der Pastor am Dobrock ist, und ihrer Patchworkfamilie lebt sie nun in der Region.

Die Kartons im Büro werden verschwinden. Die Ideen bleiben. Jugendgruppen aufbauen, Familienangebote stärken, Räume schaffen, in denen junge Menschen sich willkommen fühlen - das sind Wiardas Ziele. "Kirche muss ein Ort sein, an dem man sein darf, wie man ist, und an dem man sich wohlfühlt", betont sie. Und vielleicht passt genau das zu diesem Moment: Noch ist nicht alles ausgepackt. Aber das Wichtigste ist da.

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