Hotel Bösehof nach Insolvenz gerettet: Unternehmer aus Bad Bederkesa übernehmen
Nach einem turbulenten Jahr mit Jubiläum, Verkaufsplänen und Insolvenz kann das Romantikhotel Bösehof in Bad Bederkesa wieder nach vorn blicken. Mit Andrea und Michael Baumgarten übernehmen zwei bekannte Unternehmer aus dem Ort das Traditionshaus.
"Bad Bederkesa ohne den Bösehof ist unvorstellbar", sagt Andrea Baumgarten. Sie und ihr Mann Michael haben hier vor 30 Jahren ihre Hochzeit gefeiert. Weitere Feste folgten. Das Unternehmer-Paar ist in Bad Bederkesa keinesfalls unbekannt. Sie sind mit ihrem im Handels- und Gewerbepark ansässigen Betrieb Forma in der Kunststofffertigung erfolgreich.
Die neuen Eigentümer des Vier-Sterne-Hotels haben am Montag den Kaufvertrag unterschrieben. Die Erleichterung bei der Belegschaft ist groß. "Wir wollen nun erst einmal Ruhe einkehren lassen", sagt die neue Chefin. Über den Kaufpreis bewahrt sie Stillschweigen.
Schon seit Monaten kursiert der Name Baumgarten als offenes Geheimnis im Ort. "Solange die Tinte nicht trocken ist", wollte das Paar nicht an die Öffentlichkeit gehen. Der Kauf hätte noch schiefgehen können, denn der Betrieb befand sich in Insolvenz.
Schieflage durch gestiegene Ausgaben und Stornierungen durch Baustelle
Gestiegene Kosten durch Mindestlohn, Energie und Lebensmittel hatten zur finanziellen Schieflage beigetragen, wie Geschäftsführerin Natascha Grotjohann Anfang des Jahres erklärt hatte. Auch unter Buchungsrückgängen hatte das Hotel durch die langwierige Baustelle der Straße gelitten. Rückzahlungen von Corona-Hilfen hatten ebenfalls Anteil an den wirtschaftlichen Problemen. "Natascha Grotjohann hat das Team toll zusammengehalten und den Betrieb durch eine schwere Zeit geleitet", sagt Andrea Baumgarten.

Wenn es nach den neuen Eigentümern gegangen wäre, wäre der Kauf viel schneller über die Bühne gegangen. "Durch die Insolvenz war Eile geboten", sagt sie, "das Insolvenzgeld wird nur drei Monate gezahlt." Zudem war die Sorge, je länger sich die unsichere Lage hinziehen würde, desto mehr Mitarbeiter würden das Haus verlassen. Doch dies war nicht der Fall.
Zwei Auszubildende haben im Bösehof die Lehre begonnen
Man habe sich von ein paar Mitarbeitern trennen müssen, so Baumgarten, aber grundsätzlich hätten die Mitarbeiter die Treue gehalten. "Die meisten Angestellten sind seit vielen Jahren im Haus. Sie brennen für den Bösehof." Aktuell sind es 62 Mitarbeiter. Am 17. August haben zwei Auszubildende die Lehre begonnen, eine fürs Hotelfach, ein zweiter in der Küche. "Wir würden gern weitere Auszubildende einstellen."
Den Weg zum Bösehof ebnete der Abschluss des Insolvenzverfahrens. Mit der Investition der Familie Baumgarten konnten die Ansprüche der Gläubiger bedient werden. Der Insolvenzplan wurde anerkannt. Auf eine Quotenzahlung hat man sich geeinigt. Keiner hat Widerspruch eingelegt. Vergangenen Freitag lief die Frist aus. "Ich kann es noch gar nicht alles realisieren", sagt Andrea Baumgarten.
Forma-Unternehmer Baumgarten sind auf Expansionskurs
An neuen Herausforderungen mangelt es nicht: Das erfolgreiche Unternehmer-Paar hat erst vor knapp zwei Jahren einen Betrieb in Baden-Württemberg aufgekauft. "Wir wollten uns von der Automobilbranche unabhängiger machen", erklärt die Chefin den Kauf eines Fachbetriebs für Spritzgusstechnik, der für Weiße Waren produziert. Damit sind Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen gemeint. Wie Forma hat auch der übernommene Betrieb rund 50 Mitarbeiter und 50 Maschinen. Ein Zweig-Betrieb von Forma fertigt zudem in der Slowakei.

"Wir sind hier groß geworden", sagt die Unternehmerin. Als ihr Mann den Betrieb vor mehr als 30 Jahren von seinen Eltern übernommen hatte, waren 20 Mitarbeiter an zehn Produktionsmaschinen beschäftigt.
In der Unternehmensnachfolge sind sie bestens aufgestellt. Sohn Phillipp (30 Jahre) ist bereits in der Betriebsleitung integriert, Felix (20 Jahre) macht gerade seinen Meister in Kunststoffformengeber.
Mit dem Kauf des Betriebs in Baden-Württemberg begann 2024 eine neue Lebensphase. Ihr Mann, der noch lange nicht an Ruhestand denkt, ist am neuen Standort gefordert. "Wir führen nach 30 Jahren eine Fernbeziehung", beschreibt sie die neue Situation. "Ich habe Zeit und Energie, mich im Hotel zu engagieren."
Die Idee, in die Gastgeberbranche zu investieren, kommt aber nicht von ungefähr. Andrea Baumgarten hat aus Immobilien schmucke Ferienhäuser in Elmlohe und Cappel gemacht. "Kunststofffertigung ist ein emotionsloses Geschäft", sagt sie. Sie habe Lust darauf, mit Menschen und Emotionen zu arbeiten. Nun beginnt eine neue Ära.
Tag der offenen Tür
Der Bösehof präsentiert sich am Sonntag, 23. August, von 12 bis 16 Uhr mit einem Tag der offenen Tür. Die neuen Eigentümer stellen sich beim Sektempfang vor. Mit einer Schnitzeljagd gibt es Einblicke in die verschiedenen Hotelbereiche. In der Küche wird ein Fingerfood-Buffet vorbereitet. Eine Hauswein-Verkostung sowie ein Cocktail-Tasting sind geplant. Auch wird es einen Einblick in eine Kochshow geben.
Von Julia Dührkop
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