Hundeattacke im Kreis Cuxhaven: Dackel stirbt nach heftigem Angriff durch Rottweiler
Ein Spaziergang wird zum Albtraum: Rauhaardackel "Schlepper" wird plötzlich von einem Rottweiler im Cuxland angegriffen und stirbt an seinen Verletzungen. Zurück bleiben Trauer, Angst und die Frage nach der Verantwortung von Hundehaltern.
Das Unglück ereilte "Schlepper" urplötzlich. Der kleine Rauhaardackel wurde nur fünf Jahre alt. Dabei war er ein eher verspielter Hund, der überhaupt keinen Jagdinstinkt hatte und auch nicht alleine bleiben konnte. "Dafür schenkte er uns aber viel Freude - als ein bester Freund, sogar ein Familienmitglied", erzählt Alina Borwieck aus Geestland, der der Dackel gehörte.
Was war passiert? Am Morgen des 23. Februar ist die junge Mutter mit ihrer fünf Monate alten Tochter im Kinderwagen, ihrem Freund und dem Dackel "Schlepper" etwa um 10 Uhr auf dem Debstedter Grenzweg in Langen (Geestland) unterwegs. Ihnen kommt ein Rottweiler entgegen, geführt an einer langen Flexileine - laut Borwieck ohne Maulkorb oder erkennbare Sicherung.
Hundeattacke beim Morgenspaziergang
Der Rottweiler läuft zum kleinen Dackel und beginnt zu schnuppern. Noch ahnt keiner, was gleich passieren wird. Der Dackel zeigt deutlich, dass er keinen Kontakt wünscht und weitergehen möchte. Dann aber geht alles ganz schnell: Plötzlich attackiert der Rottweiler den kleinen "Schlepper" und beginnt, ihn heftig zu schütteln und herumzuschleudern. Mehrfach beißt er zu.
Alina Borwieck ist schockiert. Der Rottweiler beißt sich schließlich fest. Der Hundehalter versucht noch vor Ort, das Maul seines Hundes zu öffnen. Aber die Beißkraft des Rottweilers ist einfach zu stark.
Dramatische Rettungsaktion und Notoperation
Die Folge: Schwere Bissverletzungen im Hüftbereich, im Genitalbereich, tiefe Wunden am Bauch, zahlreiche weitere Bissspuren sowie blaue und rote Hämatome am ganzen Körper. Die Borwiecks bringen den verletzten Dackel sofort in eine Tierarztpraxis in Geestland zur Behandlung. Das Tier wird notoperiert.

Doch das Leben von "Schlepper" ist nicht mehr zu retten. Er hat starke innere Blutungen, spuckt immer wieder Blut. "Er weinte vor Schmerzen", beobachtet Borwieck. Am Morgen des nächsten Tages nimmt sein Leiden an den Verwundungen ein Ende, er erliegt seinen schweren Verletzungen. "Dieser Moment wird uns für immer verfolgen", erzählt Borwieck, sichtlich immer noch bewegt angesichts des erlebten Schocks. "Ein kleiner Hund, der einfach nur spazieren war - und urplötzlich ist alles vorbei."
Angst und psychische Belastungen im Alltag
Seitdem leidet sie unter Angst und psychischer Belastung und hat große Schwierigkeiten, sich wieder normal im öffentlichen Raum zu bewegen. Was besonders belastet: Sie hatte ihre kleine Tochter dabei. "Was hätte passieren können, wenn der Hund mein Kind oder andere Menschen angegriffen hätte?", fragt sie.
Die junge Mutter empört auch, wie sich der Halter des Rottweilers nach dem Vorfall verhält. An seiner Reaktion erkennt sie keinerlei Kooperationsbereitschaft oder Reue. "Es gab nicht mal eine Entschuldigung." Während sich die Borwiecks um den eigenen Dackel kümmern, entfernt er sich vom Ort des Geschehens. Über andere Hundehalter fanden sie heraus, wo der Halter des Rottweiler wohnt; eine Kostenübernahme für die Tierarztbehandlung lehnt er ab. Die Kosten für die Behandlung und den Tierbestatter betragen zusammen knapp 2000 Euro. Für eine Stellungnahme war der Hundehalter für die Redaktion nicht zu erreichen.
Gegangen, und doch immer präsent: letzte Ruhestätte für Schlepper
Alina Borwieck sieht die Schuld nicht beim Rottweiler, der ihren Dackel attackierte. "Sein Hund kann nichts dafür. Das Problem ist immer am Anfang der Leine", sagt sie. Der Halter aber muss seiner Verantwortung gerecht werden, findet sie. Deshalb hat sie eine Anzeige beim Landkreis Cuxhaven erstattet. Die Stadt Geestland macht zum Vorfall aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben. Sie verweist darauf, dass in Niedersachsen die Hunde so zu halten und zu führen sind, dass von ihnen keine Gefahren für die öffentliche Sicherheit ausgehen und die Leinenpflicht in Niedersachsen gilt.

"Für unseren kleinen Dackel kommt jede Einsicht zu spät", sagt Alina Borwieck. "Aber vielleicht führt sein Schicksal dazu, dass andere Tiere und Menschen besser geschützt werden." Der Körper des kleinen Dackels ist mittlerweile eingeäschert. In einer Urne wird "Schlepper" seinen Platz in der Wohnung der Familie Borwieck finden und die Erinnerung an die Zeit vor dem Unglück am Morgen des 23. Februar weiterleben lassen.
Von Ismail Kul