Reporter-Legende aus dem Elbe-Weser-Dreieck gestorben: Abschied von Lothar Kordländer
Lothar Kordländer, Reporter-Legende des Tageblatts aus Stade, ist gestorben. Die Redaktion von CNV-Medien ist traurig. Mit dem Kollegen "Kordi" verbrachten wir unter anderem viele schöne Stunden auf dem Dobrock-Turnier. Ein Nachruf vom Tageblatt.
Von Grit Klempow
Das Tageblatt trauert um Hans-Lothar Kordländer. Er verstarb im Alter von 74 Jahren. Mit ihm geht ein überaus geschätzter Kollege - und ein legendärer Reporter.
Kaum einer verkörperte den rasenden Reporter so wie Hans-Lothar Kordländer. Sein Name und sein Kürzel (kor) prägten über Jahrzehnte das Tageblatt. Er war unermüdlich von Termin zu Termin unterwegs. 50, 60 Stunden in der Woche. Auch nachts, wenn der Pieper ihn zu Blaulichteinsätzen alarmierte. Vielleicht war sein Kaffee deshalb berüchtigt. Ein tiefschwarzer Wachmacher.
Großes Herz für Land und Leute
Sein Fleiß, sein Einsatzwille waren typisch für ihn. Aber mehr noch sein großes Herz für die Leute vom Land, von Nordkehdingen bis auf die Geest.
Die Frage mit dem Unterton der Enttäuschung "Kommt Herr Kordländer denn nicht?", musste sich so ziemlich jeder andere Reporter anhören, der ihn vertrat oder versuchte, sich in einer Gemeinde einen Namen zu machen. Da konnten sich die Schönschreiber und Politikkommentatoren in der Redaktion abmühen wie sie wollten - derart große Wertschätzung blieb ihnen meist versagt. Für viele Leserinnen und Leser galt Hans-Lothar Kordländer als heimlicher Chefredakteur.
In der Redaktion und im Verlag hieß er "Kordi". So nannten wir ihn, völlig unpassend für einen Mann seines Formats, aber für uns ein Ausdruck von Nähe und Anerkennung. Gepaart mit Dankbarkeit für seine Kollegialität und Hilfsbereitschaft.
Auf ihn war Verlass. Er chauffierte regelmäßig seinen im Sommer durch den Landkreis wandernden Kollegen. In seiner Uneigennützigkeit war er großzügig. Doch abgeben lag ihm nicht. Jedenfalls nicht, wenn es um seine Herzensthemen ging. Um die Landfrauenvereine, um die Feuerwehren. Um das Schützenwesen und plattdeutsches Theater, die Störche oder Landwirtschaft. Und schon gar nicht, wenn es um den Reitsport oder Pferdezucht ging.
Über den Reitverein zum Tageblatt
Der Reitsport war es, der ihm den Weg zum Tageblatt und in einen Beruf ebnete, den er bis zu seinem Ruhestand 2017 mit legendärer Leidenschaft ausübte.
Aufgewachsen auf dem elterlichen Hof in Fredenbeck schrieb er mit 21 einen ersten Pressebericht: über das Weihnachtsreiten seines Reitvereins.
Sticheleien wie "Een Bur kann nich schrieven" spornten ihn an, er bewies mit jedem Artikel das Gegenteil. Zum Pferdesport kam die Berichterstattung über die Feuerwehr, das Schreiben nahm immer mehr Zeit in Anspruch. Selbst zu reiten war da für den jungen Reitlehrer mit Lizenz nicht mehr drin.
In der Zusammenarbeit konnte es heikle Momente geben - wenn er in die Redaktion kam und mitteilte: "Ich hab 100 Zeilen und 5 Fotos, die müssen alle mit." Die Kollegin vom Layout winkte mit dem Hinweis auf den beschränkten Platz auf der Zeitungsseite ab. Kordi konnte warten. Setzte sich auf die Schreibtischkante. Schwieg. Er konnte sein Missfallen lange und laut schweigen.
Das Ergebnis der stillen Verhandlung waren dann drei Fotos im Artikel. Ein anderer Text musste eben Platz machen. Kordi verhandelte aus Überzeugung. Weil er wusste, dass seine Fotos super waren. Aber auch, weil er fand, dass all die Menschen es verdient hatten, in der Zeitung zu erscheinen.
Immer auf der Suche nach dem besten Fotomotiv
Er steckte Zeit und Ideen in seine Fotos. Arrangierte Mensch und Tier so lange, bis das Motiv ein echter Hingucker war. Kolleginnen und Kollegen, die versuchten, davon zu profitieren und beim Pressetermin gleich mit zu fotografieren, machten die Erfahrung, dass er mit großer Gelassenheit und breitem Kreuz ganz wunderbar den Blick verstellen konnte.
Seine Nikon mit dem dicken Teleobjektiv gehörte untrennbar zu ihm. Sein Archiv umfasst Tausende Bilder, entwickelt damals in der eigenen Dunkelkammer. Und als die Technik sich digital entwickelte, ging er mit. Als das Tageblatt online ging, war er selbstverständlich derjenige, der bei Bränden, Unfällen, Polizeieinsätzen lieferte, auch nachts. Per Telefonanruf und Diktat an die zuständige und damals einzige Online-Kollegin.
Als Reporter war er Augenzeuge von Tragödien, er berichtete über grauenvolle Unfälle - und wahrte die nötige Distanz. Selbst Feuerwehrmann, nahm er immer Rücksicht auf die Opfer. Es kam durchaus vor, dass Hans-Lothar Kordländer allzu rücksichtslose Reporter am Einsatzort ermahnte, sich an die Regeln des Presserechts zum Schutz der Opfer zu halten. Er selbst sprach kaum darüber, ob ihm zusetzte, was er mitansah.
Kordi steckte alle Kraft und Leidenschaft in den Beruf
Hans-Lothar Kordländer steckte alle Leidenschaft, alle Kraft in seinen Beruf. Er war gemacht dafür. Weil ein guter Reporter nicht nur unterwegs ist, sondern offen ist für Menschen, zuhören kann und ein ehrliches Interesse an seinem Gegenüber hat. Im Laufe der Jahrzehnte wurde Kordi so das Gesicht des Tageblatts. Respekt und Anerkennung als Reporter hat er sich erarbeitet. Dem Menschen, Kollegen und Freund ist die Wertschätzung zugeflogen.
