Hafenbetreiber dimmt am Standort Norddeich das Licht herunter
Im Rahmen eines Pilotprojekts bemüht sich die Niedersachsen Ports GmbH die Lichtemission an einem Modellstandort zu dämpfen.
Dunkelheit ist ein rares Gut geworden. Künstliches Licht vertreibt die Nacht - in Siedlungsräumen und erst recht auf Gewerbeflächen. Was Menschen (wie zuletzt im Bereich Groden/Altenbruch) zunehmend als "störend" empfinden, ist für die Tierwelt längst zum Problem geworden. Angesichts der ökologischen Auswirkungen hat sich die Hafenbetreibergesellschaft Niedersachsen Ports neue Wege einzuschlagen: Im Rahmen des Interreg-Nordsee-Projekts "Darker Sky" testet NPort im Hafen von Norddeich ein schonenderes Beleuchtungskonzept.
Während Teile des Wattenmeers (und mehrere Nordseeinseln) zu den "dunkelsten" Orten des Bundesgebiets zählen, sorgen Hafen-, Industrie-, aber auch Tourismusstandorte für ein erhöhtes Maß von Lichtverschmutzung. Viele dieser Standorte liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu hochsensiblen Ökosystemen, wo die hohe Beleuchtungsdichte Spuren hiunterlässt. Dabei geht es nicht nur um die hinlänglich bekannten Auswirkungen auf die Insekten-Population. Nicht minder betroffen ist die Vogelwelt - und unter Umständen auch das Leben unter Wasser.
Sicherheitsaspekte müssen berücksichtigt werden
Hochmastleuchten oder Flutlichtanlagen brennen allerdings nicht etwa zum Selbstzweck: "Hafengebiete müssen für den Verkehr optimal beleuchtet sein, um die Abwicklung von Waren- und Personenverkehr möglich und sicher zu machen", heißt es in einer Erklärung, in der NPorts auf die technischen Voraussetzungen des Hafenbetriebs hinweist. Trotzdem werde man sich nicht einfach auf Arbeitsschutz-Argumente zurückziehen und die Nacht unreflektiert zum Tag machen, teilten die Hafenbetreiber sinngemäß mit. Ankündigungen aus dem Jahr 2023 folgten bereits Taten: Im Rahmen des aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geförderten Forschungsprojektes "Darker Sky" hat die Tochtergesellschaft des Landes Niedersachsen, die zwischen Ems und Elbe 15 Standorte betreibt die Beleuchtung des Osthafens in ihrer Niederlassung Norddeich umgerüstet. Norddeich ist damit einer von sieben Demonstrationsstandorten, die sich über die Länder Frankreich, Deutschland, die Niederlände und Dänemark verteilen. Das Ziel ist überall dasselbe: Den Hafenbetreibern in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen (etwa der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg) erprobte Methoden für naturverträgliche, energie- und kosteneffiziente Beleuchtung an die Hand zu geben - und ein länderübergreifendes Netz dunkler ökologischer Korridore entlang der Nordseeküste zu fördern.
In Norddeich hat die Niedersachsen Ports GmbH folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Bestehende Lampen (Natriumdampfl- oder äältere Halbleiter-Lampen) wurden durch langlebige und energieeffiziente LEDs ersetzt.
- Die Lichtfarbe wurde in den Warmton-Bereich (2700 Kelvin) verschoben, um den für die Umwelt negativen Blauanteil zu reduzieren.
- Zum Einsatz kommen nach oben hin abgeschirmte Leuchten, die gezielten Lichteinsatz ermöglichen und dafür sorgen, dass kein Licht in die Atmosphäre abgestrahlt wird.
- Der Lenkungswinkel des Lichts wurde überprüft, unter anderem, um lange Streuwege und die Ausleuchtung von Wasserflächen zu vermeiden.
- Mit einer Lichtsteuerungssoftware wird die Beleuchtungsintesität dynamisch und bedarfsgerecht angepasst.
- Für einzelne Hafenbereiche wurden unterschiedliche Mindestbeleuchtungsstärken definiert. Über die rechtlichen Vorgaben hinaus wird laut NPorts nicht beleuchtet.
- Bewegungssensoren sorgen dafür.dass Lampen nur auf die rechtlich vorgeschriebene Beleuchtungsstärke "hochgedimmt" werden, wenn der Hafen genutzt wird.
Wie die Maßnahmen in der Praxis wirken, stellten die Hausherren bei einem Lokaltermin Ende vergangenen Jahres vor. Inzwischen gibt es (abgesehen von subjektiven Eindrücken) auch belastbare Zahlen. Nach den Worten von NPorts-Sprecherin Dörte Schmitz, ist man dabei, Messwerte mit ursprünglich angestellten Berechnungen abzugleichen. Ziel sei dabei, die Modelle weiterzuentwickeln. Steuerungssoftware und Sensorik, insbesondere die Bewegungsmelder, würden nachjustiert, um Beleuchtung noch präziser und bedarfsgerechter zu steuern. Dabei zeige sich eine Herausforderung, die über den Hafen selbst hinausweist: Lichtemission ende nicht an Grundstücksgrenzen. Benachbarte Anlagen spielen eine Rolle, externe Quellen beeinflussen das Gesamtbild. "Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines übergreifenden Dialogs zwischen Akteuren, um wirksame und abgestimmte Lösungen zur Reduktion der Lichtverschmutzung zu entwickeln", so Schmitz.
Strahlkraft über den Standort hinaus
Gelingt das Experiment in Norddeich, könnte es eine über den Hafen von Norddeich hinausgehende Strahlkraft entfalten. Die NPorts-Sprecherin deutete an, dass das Learning aus dem Modellvorhaben auf andere NPorts-Standorte übertragen werden könne. Das Interreg Nordsee-Projekt läuft offiziell nich bis Oktober 2026.

