"Ich bin entstellt": Schwere Vorwürfe nach Beauty-Behandlung in Bremerhaven
Eine Kundin erhebt schwere Vorwürfe gegen die Betreiberin eines Kosmetikstudios in Bremerhaven. Nach einer Lippenbehandlung spricht sie von gesundheitlichen Beschwerden und einem schockierenden Ergebnis. Der Prozess wird derweil fortgesetzt.
"Als ich mich im Spiegel gesehen habe, war mein erster Gedanke: Ich bin entstellt", sagt eine Frau, die sich bei der Inhaberin eines Kosmetikstudios in Bremerhaven die Lippen hat aufspritzen lassen. Diese steht inzwischen vor Gericht, denn sie wird wegen 148 Fällen der schweren Körperverletzung in Tateinheit mit Betrug angeklagt. "Mir kam das Studio von Anfang an komisch vor", sagt die ehemalige Kundin, die lieber anonym bleiben möchte. Aber dennoch möchte sie ihre Erfahrungen teilen.
Alles begann mit einem Sonderangebot. "Von 16 bis 19 Uhr gab es 50 Prozent auf alle Behandlungen", sagt die Kundin. Sie hat sich schon öfter die Lippen unterspritzen lassen, doch sie war nie unzufrieden mit den Ergebnissen. Das änderte sich, nachdem sie sich von der Angeklagten behandeln ließ.

Ihre Freundinnen wurden auf das Angebot aufmerksam, also machten sie sich zu dritt auf den Weg zu dem Studio. Das Erste, was ihr auffiel, war die abgeschlossene Tür. "Man musste klingeln", sagt sie. Der nächste Hinweis, der sie zweifeln ließ, war die fehlende Beratung. "Wir mussten auch nichts unterschreiben", erzählt sie weiter. Dann waren zuerst ihre Freundinnen mit der Behandlung dran.
Kundin vermutet, dass Spritzen wiederverwendet wurden
Die Kundin wunderte sich. "Ich glaube, sie hat bei meiner Freundin eine Spritze verwendet, die sie zuvor bereits bei einer anderen Kundin verwendet hat." Die Spritzen enthielten einen Milliliter Hyaluron. Als die Angeklagte bei ihrer Freundin ansetzte, die nur 0,5 Milliliter haben wollte, war die Spritze bereits zur Hälfte leer. "Ich kenne das nur so, dass die Spritzen nach jeder Nutzung entsorgt werden, egal, wie viel sich noch drin befindet", so die Kundin. Sicher ist sie sich hierbei aber nicht.
Letztlich entschied sie sich gegen die Behandlung. Die Inhaberin habe sich noch zu überreden versucht, doch die Entscheidung stand. "Ich habe gesagt, dass ich das nicht mache."
Ein paar Monate später wurde genau dasselbe Angebot erneut beworben. Da ihre Freundinnen zufrieden waren, entschied sich die Kundin dann doch dazu, sich auch behandeln zu lassen. Sie ließ sich 0,5 Milliliter Hyaluron in die Lippen und Botox in die Krähenfüße, die feinen Falten an den äußeren Augenwinkeln, injizieren.
Als sie daraufhin in den Spiegel blickte, folgte der Schock. "Sie meinte, ich muss es nur kühlen und dass sich das Hyaluron noch anders aufteilt", weiß sie noch. Doch das passierte nicht. "Ich habe mir schon ein paar Mal die Lippen unterspritzen lassen, aber so ein Ergebnis hatte ich noch nie." Auch fünf Monate später änderte sich das nicht. Sie konfrontierte die Inhaberin damit. "Sie sagte, dass es an mir liegen würde", erzählt sie.
Kundin hätte eine Zivilklage einreichen müssen
Daraufhin wollte sie Anzeige erstatten. Zu dem Zeitpunkt, Mitte 2025, habe man ihr aber bei der Polizei gesagt, sie müsse eine Zivilklage einreichen. "Das wäre mit Kosten verbunden gewesen", sagt sie. Also gab sie sich geschlagen und versuchte nicht weiter, gegen die mutmaßliche Betrügerin vorzugehen.

Unter den Folgen der Behandlung leidet die Kundin bis heute. "Ich habe bis heute Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und auch Schwindel", sagt sie. Ihrem Zahnarzt und Hausarzt habe sie sich mit diesen Beschwerden bereits vorgestellt, der Zahnarzt allerdings fand nichts, der Hausarzt habe ihr geraten, Anzeige zu erstatten. Helfen konnte man ihr nicht.
Ihr geht es wie vielen anderen Zeuginnen, die bereits vor dem Landgericht Bremen ausgesagt haben. Viele sprechen von gesundheitlichen Beschwerden, die auch Jahre nach der Behandlung noch anhalten und teilweise auch zu psychischer Belastung führen. Das Verfahren läuft noch.
Von Feenke Hornborstel
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