Der Umbau kommt zu spät: Karl-Wilhelm „Kalli“ Hinsch kritisiert die fehlende Barrierefreiheit des Bürgerbüros in Ihlienworth vor der Kommunalwahl. Foto: Mangels
Der Umbau kommt zu spät: Karl-Wilhelm „Kalli“ Hinsch kritisiert die fehlende Barrierefreiheit des Bürgerbüros in Ihlienworth vor der Kommunalwahl. Foto: Mangels
Barrierefreiheit auf dem Land

Ihlienworth baut Bürgerbüro um - für die Kommunalwahl kommt das zu spät

von Christian Mangels | 03.09.2026

Mehr Barrierefreiheit auf dem Land fordert Kalli Hinsch seit Jahren. In Ihlienworth wird das Bürgerbüro nun umgebaut, doch für die Kommunalwahl am 13. September kommt die Verbesserung zu spät. Hinsch macht seinem Ärger darüber deutlich Luft.

Die gute Nachricht: Das Bürgerbüro in Ihlienworth soll endlich einen barrierefreien Eingang bekommen. Die schlechte Nachricht: Für die Kommunalwahl am 13. September kommt der Umbau zu spät. Karl-Wilhelm "Kalli" Hinsch ärgert das gewaltig. Seit Jahren setzt er sich der Ihlienworther dafür ein, dass öffentliche Gebäude in der Samtgemeinde Land Hadeln und darüber hinaus auch für Menschen mit Behinderungen ohne fremde Hilfe zugänglich sind.

Auf seiner Wahlbenachrichtigung hat Hinsch nun den Hinweis gelesen: "Das genannte Wahllokal ist nicht barrierefrei." Ausgerechnet in seiner Heimatgemeinde. "Ich bin empört", sagt Hinsch. Seit viereinhalb Jahren mahne er den Umbau des Eingangsbereiches an. "Ich verstehe nicht, warum die Verwaltung so lange braucht."

Hinsch, der seit seiner Geburt an Contergan-Fehlentwicklungen leidet, ist stellvertretender Vorsitzender des Inklusionsbeirates des Landkreises Cuxhaven und war bis Ende 2024 Behindertenbeauftragter der Samtgemeinde Land Hadeln. Seit vielen Jahren macht er sich dafür stark, Bürgerbüros und Dorfgemeinschaftshäuser auf dem Land mit automatischen Türöffnern auszustatten.

Nur unter erschwerten Bedingungen ins Bürgerbüro

Wie notwendig das ist, erlebt er selbst. Hinsch kommt nur unter erschwerten Bedingungen und mit Hilfe in das Ihlienworther Bürgerbüro. Die Barrieren beträfen aber keineswegs nur Menschen mit einer Behinderung, betont er. Auch ältere Bürgerinnen und Bürger, die beispielsweise mit einem Rollator unterwegs sind, seien auf leicht zugängliche öffentliche Gebäude angewiesen.

In Ihlienworth ist nun zumindest eine Lösung in Sicht. Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Erneuerung und Nachrüstung der Eingangstüranlagen des Verwaltungsgebäudes beschäftigt. Die Tür soll komplett erneuert und mit einem automatischen Drehflügelantrieb versehen werden. Auch die Windfangtür soll einen solchen Antrieb erhalten. Taster im Innen- und Außenbereich sollen künftig den Öffnungsimpuls geben. Der Auftrag geht nach dem Beschluss des Gemeinderates an eine Fachfirma aus Cadenberge. Die Kosten belaufen sich auf knapp 23.300 Euro brutto. Die Förderquote beträgt 90 Prozent.

Ihlienworth ist dabei kein Einzelfall. Vier Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Land Hadeln hatten gemeinsam Förderanträge gestellt, um Verwaltungsgebäude beziehungsweise Dorfgemeinschaftshäuser barrierefrei zugänglich zu machen.

Dass die Arbeiten in Ihlienworth nicht rechtzeitig vor der Kommunalwahl fertig werden, begründet die Samtgemeindeverwaltung mit dem Förderverfahren. Der Förderantrag sei am 25. September 2025 gestellt worden. Erst im Juni 2026 habe die Verwaltung den Förderbescheid erhalten. Vorher hätten keine Leistungen beauftragt werden dürfen, ohne die Förderung zu gefährden. Hinzu kämen Fertigungs- und Lieferzeiten.

Hinsch überzeugt diese Erklärung nur bedingt. Er hat nach eigenen Angaben seit Langem das Gefühl, dass die Belange von Menschen mit Behinderungen nicht mit der nötigen Priorität behandelt werden. Dieser Frust sei auch einer der Gründe gewesen, weshalb er Ende 2024 sein Amt als Behindertenbeauftragter der Samtgemeinde niederlegte. Auch sein Nachfolger Hendrik Porath hat mittlerweile aufgegeben. Erst nach der Kommunalwahl soll über die Wiederbesetzung der Stelle entschieden werden.

Besonders auf dem Land sieht Hinsch weiterhin Nachholbedarf. In den Städten gehe es mit der Barrierefreiheit häufig schneller voran. "Wir müssen mehr an die Dörfer denken", fordert er.

Der geplante Umbau in Ihlienworth ist für ihn deshalb zwar ein Erfolg - einer, auf den er lange gedrängt hat. Am 13. September hilft ihm der neue automatische Türöffner allerdings noch nicht. Dann bleibt sein Wahllokal vorerst eine Barriere.

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Christian Mangels

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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