Zwei Jugendliche lösen Rätsel um verschwundene Sitzbank in Ihlienworth
Wenn Milan Saborowski und Marek Kopf aus Ihlienworth draußen unterwegs sind, gibt es oft etwas zu entdecken. An einem Ferientag fanden die Freunde in der Medem die verschwundene Sitzbank - und ersparten der Gemeinde damit einen teuren Neukauf.
Mit so einem Fang hatten Milan Saborowski und Marek Kopf nun wirklich nicht gerechnet. Schrauben, ein Stück Moniereisen, vielleicht irgendein altes Metallteil - so etwas hatten die beiden schon häufiger im Wasser entdeckt. Doch was an diesem Freitag im Juli in der Medem lag, war eine Nummer größer. Viel größer. "Mit der Bank haben wir nicht gerechnet", sagt Milan und muss noch heute darüber lachen.
Der Zwölfjährige und sein zwei Jahre älterer Freund Marek waren an diesem Ferientag am Ufer der Medem neben der Alten Hauptschule unterwegs. Warum? Die Antwort fällt knapp aus: "Langeweile."
Also zogen sie los und probierten ihre starken Magnete im Wasser aus. Dabei stießen sie irgendwann auf etwas, das sich beim besten Willen nicht an Land ziehen ließ. Sie schauten genauer hin - und erkannten eine komplette Bank-Tisch-Kombination. Und nicht irgendeine. Es war genau jene Sitzgruppe, die kurz zuvor zwischen dem Bürgerbüro und der Alten Hauptschule spurlos verschwunden war.
Wie die Bank ins Wasser gekommen war, wissen Milan und Marek nicht. Ein übler Scherz, Vandalismus, vielleicht eine nächtliche Aktion unter Alkoholeinfluss - mehr als Vermutungen gibt es dazu nicht.
Wie bekommt man eine Sitzbank aus dem Wasser?
Den beiden war in diesem Moment ohnehin etwas anderes wichtiger: Wie bekommt man so ein schweres Ding wieder aus dem Wasser? Milan zögerte nicht lange. Er stieg in die Medem. Besonders einladend sei das Wasser nicht gewesen, erinnert er sich. Gemeinsam versuchten die Freunde, die Sitzgruppe mit Bändern und Tragegurten zu bewegen und an Land zu bekommen.
An diesem Tag fand in Ihlienworth der Landfrauenmarkt statt. Viele Menschen waren im Ort unterwegs. Große Unterstützung von Erwachsenen bekamen die beiden bei ihrer Bergungsaktion zunächst trotzdem nicht. Am Ende packte Milans Vater Michael Saborowski mit an. Gemeinsam gelang es schließlich, die schwere Sitzgruppe aus der Medem zu holen.
Für die Gemeinde war das ein Glücksfall. Die Bank konnte gereinigt und wieder an ihrem alten Platz aufgestellt werden - diesmal besser gesichert. "Hätten die Jungs die Bank nicht gefunden, hätte sie für teures Geld neu beschafft werden müssen", sagt Michael Saborowski, der selbst dem Gemeinderat angehört. Doch es ging nicht allein ums Geld. Die Bank im Wasser war auch ein Sicherheitsrisiko. Wäre jemand genau dort in die Medem gesprungen oder hineingefallen, hätte die schwere Konstruktion unter der Wasseroberfläche gefährlich werden können.
Dass die Freunde hinschauten und sich kümmerten, passt zu ihnen. Milan und Marek gehören zu den Jugendlichen, die ihre freie Zeit gern draußen verbringen. Während andere Gleichaltrige am Computer sitzen, sind die beiden häufig irgendwo in Ihlienworth unterwegs. Sie angeln gern ganz klassisch mit Rute und Haken und haben dabei nach eigener Aussage auch schon manchen großen Fisch aus dem Wasser geholt. Und sie achten darauf, was sonst noch in den Gewässern ihres Heimatortes landet. Denn sauber soll es sein in Ihlienworth - an Land genauso wie im Wasser, das ist ihnen wichtig.
Die beiden verbindet aber nicht nur ihre Lust, draußen unterwegs zu sein. Beide besuchen die Otterndorfer Hauptschule. Milan interessiert sich für Fußball und engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Mareks Leidenschaft gehört allem, was sich auseinandernehmen, zusammenschrauben und technisch verbessern lässt.
Dass der 14-Jährige durchaus Erfindergeist besitzt, hat er schon einmal bewiesen. Vor einigen Jahren war ihm ein Spielzeug-Güllefass technisch schlicht zu langweilig. Das Ding zog nur eine Spur - das genügte Mareks Ansprüchen nicht. Also baute er sich selbst eines.
Das Fahrgestell eines alten Go-Karts, ein ausrangierter Druckausgleichsbehälter aus einem Melkstand, Schrottteile, drei alte Zitzengummis, Kabelbinder, Panzertape und eine Wasserflasche als Füllstandsanzeige: Viel mehr brauchte er nicht. Nach zwei Tagen Arbeit stand ein 30-Liter-Güllefass samt Schleppschuhgestänge hinter seinem Go-Kart.
Und es funktionierte. Marek konnte verdünnte Gülle von den Kühen des elterlichen Betriebes einfüllen, über den Rasen fahren, das Gestänge absenken und drei schmale Streifen ausbringen - eine Miniaturausgabe der großen landwirtschaftlichen Maschinen, die er vom Hof kennt. Ein Video davon verbreitete sich später über Instagram und wurde rund 1,8 Millionen Mal angeklickt.
Ein klein wenig Erfahrung mit öffentlicher Aufmerksamkeit hatte Marek also schon, als er nun gemeinsam mit Milan wieder im Mittelpunkt stand. Diesmal war es allerdings nicht das Internet, sondern der Ihlienworther Gemeinderat, der auf die beiden aufmerksam wurde. Auf der jüngsten Sitzung ehrte Bürgermeister Christian Roth die Freunde für ihren "Rettungseinsatz" für die Sitzbank. Als Dankeschön bekamen beide einen Gutschein für den Tante-Enso-Markt. Und wer weiß: Vielleicht wartet in der Medem ja schon bald der nächste ungewöhnliche Fang auf die beiden.
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