Etwa vier Tage nach ihrem Tod war die 67-Jährige in dem von ihr bewohnten Haus am Medembogen gefunden worden. Die Haustür wurde zunächst versiegelt. Foto: Schröder
Etwa vier Tage nach ihrem Tod war die 67-Jährige in dem von ihr bewohnten Haus am Medembogen gefunden worden. Die Haustür wurde zunächst versiegelt. Foto: Schröder
Ursache unklar

Mysteriöser Todesfall in Otterndorf: Anwalt hält Tötungsdelikt für wahrscheinlich

von Kai Koppe | 06.11.2023

Gut ein Jahr nach dem ungeklärten Ableben einer aus der Schweiz stammenden Wahl-Otterndorferin scheint Bewegung in den mysteriösen Fall zu kommen. Der Anwalt der Hinterbliebenen geht von Fremdeinwirken aus.

Rechtsanwalt Thiemo Röhler weiß von zahlreichen Indizien und Indizienketten. "Mein Gefühl ist, dass hier vieles für ein Tötungsdelikt spricht", fasste der Jurist zusammen. Seitens der Strafverfolger mochte man sich am Montag nicht so eindeutig positionieren: Die Ermittlungen dauerten an und würden "ergebnisoffen" geführt, betonte Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas. Das bedeutet, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, dass die aus dem Kanton Fribourg stammende Schweizerin ohne das Zutun einer weiteren Person verstorben ist.

Der Leichnam der Frau war Ende Oktober 2022 in deren Haus im Otterndorfer Neubaugebiet "Am Medembogen" entdeckt worden. In ihrem Bekanntenkreis soll die 67-Jährige zuvor vermisst worden sein. Dass sie sich über Tage hinweg nicht rührte, war wohl ungewöhnlich für die Frau, die der Liebe wegen an die Nordsee übergesiedelt war - und blieb, auch nachdem die Beziehung zu Ende gegangen war. Berichten zufolge gab es in jüngerer Zeit einen weiteren Mann, mit welchem die Frau zumindest auf sehr vertrautem Fuße gestanden haben muss.

Mann aus Hadeln im Visier der Ermittler

Bei dieser neuen Bekanntschaft scheint es sich um eine im Gebiet der Samtgemeinde Land Hadeln gemeldete Person zu handeln, die schon relativ kurz nach dem Tod der Wahl-Otterndorferin ins Visier der Ermittler gerückt war. Auf Nachfrage hin sprach Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas davon, dass es im Zuge der Ermittlungen zu "Maßnahmen" gegen diesen Mann gekommen sei, machte allerdings keine Angaben dazu, inwieweit es dabei zu Vernehmungen oder gar zu einer Hausdurchsuchung gekommen ist. Die Frage, ob der Mann als Verdächtiger einzustufen ist, steht und fällt mit einer Bewertung der Ermittlungsergebnisse, zu welcher die Staatsanwaltschaft nach den Worten ihres Sprechers in jedem Fall "noch in diesem Jahr" kommen wird. Vor besagtem Fazit, so Breas,  werde man dem Hinterbliebenenvertreter eine Stellungnahmefrist gewähren.

Ungewissheit zermürbt die Hinterbliebenen

Vor diesem Hintergrund rechnet Rechtsanwalt Röhler damit, in Kürze umfassend Akteneinsicht zu erhalten. Aus seiner Sicht ist es höchste Zeit, dass die Angehörigen der Verstorbenen - darunter ein Bruder und zwei Söhne - endlich erfahren, woran sie eigentlich sind. "Diese Ungewissheit zermürbt sie", sagte Röhler und spielte damit auf die Frage an, ob die als wohlhabend geltende Schweizerin einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Dass die Frau nach Norddeutschland gezogen sein könnte, um auf Distanz zu gehen, wies Röhler zurück. "Das hatte nichts mit ihrer Familie zu tun." Die Verstorbene sei nicht lange vor ihrem Tod Großmutter geworden, ungeachtet der Entfernung habe man in Verbindung gestanden.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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