Praxistest: Anne Gryczan von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe beim Landkreis Cuxhaven hofft, dass die Integreat-App Geflüchteten im Landkreis Cuxhaven hilft, schnell Antworten auf Fragen zu finden. Foto: Leuschner
Praxistest: Anne Gryczan von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe beim Landkreis Cuxhaven hofft, dass die Integreat-App Geflüchteten im Landkreis Cuxhaven hilft, schnell Antworten auf Fragen zu finden. Foto: Leuschner
Andere Städte nutzen sie bereits

Integreat-App im Kreis Cuxhaven gestartet: Unterstützung für Zugewanderte im Alltag

23.06.2023

Bochum, Nürnberg, Potsdam nutzen die Integreat-App bereits - wie rund 90 andere Städte und Landkreise in Deutschland. Jetzt hat auch der Landkreis Cuxhaven die App, die Zugewanderten beim Orientieren hilft. Ein Basisangebot, das weiter wachsen soll.

Wo kann ich mich als Geflüchteter im Kreis Cuxhaven beraten lassen? Was macht der Jugendmigrationsdienst? Wie funktioniert das Ausbildungssystem? Wohin wenden sich Menschen mit Traumata oder in seelischen Krisen? Diese und viele andere Fragen beschäftigen Menschen, die neu nach Deutschland kommen. Das Netzwerk an Hilfen und Beratungen für Zugewanderte ist groß. Aber auch die Wege im Landkreis Cuxhaven, der zu den größten in Niedersachsen gehört.

Eine kostenlose App mit allen wichtigen Informationen soll ab sofort allen, die aus dem Ausland in den Landkreis Cuxhaven kommen, im Alltag unterstützen. Sie ist außerdem dafür gedacht, diejenigen zu entlasten, die die Eingereisten haupt- oder ehrenamtlich unterstützen.

Viele andere Städte und Landkreise nutzen die Integreat-App

Der Landkreis nutzt dafür, wie viele andere Landkreise und Städte in Deutschland, die Integreat-App, einen digitalen Wegweiser, der auf dem Mobiltelefon genauso funktioniert wie auf dem Laptop oder dem Computer zu Hause. Doch mit den darauf vorinstallierten allgemeingültigen Informationen war es aus Sicht von Anne Gryczan von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe beim Landkreis Cuxhaven nicht getan: "Wir wollten etwas, was auch regional für die Menschen vor Ort funktioniert."

Nach einem Treffen mit Netzwerkern der Flüchtlingshilfe und Vertretern aus den Gemeinden, die einen Katalog an potenziellen Themen zusammentrugen, recherchierte Anne Gryczan die Inhalte für die App.

Die Informationen in der App verteilen sich bislang auf zehn Untergruppen. Sie reichen von Sprache, Schul- und Ausbildungssystem, Kinderbetreuung über Arbeiten und Studieren in Deutschland bis hin zu Gesundheit und Informationen zu den Mitgliedsgemeinden. "Ziel ist es, Zugewanderten eine Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, damit sie sich besser zurechtfinden und die Strukturen verstehen lernen", sagt Gryczan. Wer weder Handy noch PC besitzt, kann die Infos aus der App auch ausgedruckt erhalten.

Für Übersetzungen mit Dolmetschern kooperiert

Alle Informationen in der App gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Farsi/Persisch und Ukrainisch. Für die Übersetzungen hat der Landkreis mit Übersetzungsbüros zusammengearbeitet. Weitere Fremdsprachen sollen folgen, berichtet Gryczan, die bei den Formulierungen auch auf leichte Verständlichkeit geachtet hat.

Der Landkreis will aber nicht nur die Sprachen, sondern auch die Inhalte der App ständig erweitern und aktualisieren. Hinzukommen werden in den nächsten Wochen und Monaten die Rubriken "Kinder, Jugend und Familie" sowie "Alltag und Freizeit". "Ich denke, dass auch Informationen über Mülltrennung oder die Nutzung des Anrufsammeltaxis nützlich sind", sagt Gryczan.

Darüber hinaus ist die Landkreis-Mitarbeiterin für Hinweise dankbar, die sowohl von den haupt- und ehrenamtlichen Helfern als auch von den App-Nutzern selbst kommen können. Dafür wurde in der App ein Kommentarfeld eingerichtet. "Das darf gern rege genutzt werden."

Neue App kostet den Landkreis 5.000 Euro pro Jahr

Neben dem Kommentarfeld können Hinweise auch per Mail (infokomut@landkreis-cuxhaven.de) an die Koordinierungsstelle für Migration und Teilhabe des Landkreises Cuxhaven (KoMuT) gesendet werden.

Die Bereitstellung der App lässt sich der Landkreis nach Auskunft des Ersten Kreisrates Friedhelm Ottens 5.000 Euro im Jahr kosten. Hinzu kommen Übersetzungskosten - bislang waren das rund 8.800 Euro.

Von Heike Leuschner

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