Eis in Cuxhaven trügt: Warum Seen trotz Frost gefährlich bleiben
Eisige Temperaturen täuschen Sicherheit vor: Das Betreten von zugefrorenen Gewässern birgt Risiken. Städte und Gemeinden im Landkreis Cuxhaven äußern sich zu offiziellen Freigaben.
Die Minusgrade der letzten Tage sorgten nicht nur auf den Straßen für Eis. Auch einige Seen und Gewässer im Landkreis Cuxhaven froren Stück für Stück zu. Wer sich aufs Eis wagt, muss dabei aber besonders vorsichtig sein - Städte und Gemeinden äußern sich zur aktuellen Lage auf den Gewässern.
Mitten im Wernerwald, der im Besitz des Forstamtes Harsefeld ist, liegt das Finkenmoor. In den vergangenen Jahren habe es keine offizielle Freigabe der Stadt gegeben, wenn das Finkenmoor zugefroren war, sagt Ortsbürgermeisterin Claudia Bönnen auf Nachfrage von cnv-medien.de. "Mutige Menschen haben es ausprobiert und getestet, ob die Eisdecke hält, und dann hat es sich in Windeseile im Ort herumgesprochen." Wer das Finkenmoor betrete, tue dies auf eigene Gefahr, betont Bönnen. Die vergangenen Jahre verliefen ohne Probleme, die Ortsbürgermeisterin hofft, dass das in Zukunft so bleibt. "Eigenverantwortung sowie der rücksichtsvolle Umgang mit den Pflanzen an der Uferböschung waren entscheidend dafür, dass hier nicht eingegriffen werden musste."
Restrisiko kann nicht ausgeschlossen werden
Mehrere Seen und Gewässer gibt es auch in der Börde Lamstedt, darunter den Stinstedter See. Für alle Gewässer gilt: "Wir geben keine Eisflächen offiziell frei", sagt Frank Springer. Der Samtgemeindebürgermeister der Börde Lamstedt betont, dass die Tragfähigkeit natürlicher Eisflächen auch bei anhaltender Kälte nicht zuverlässig einschätzbar sei. "Auch optisch stabile Flächen können gefährlich dünne Stellen aufweisen." Für eine Freigabe, müssten umfangreiche Kontrollen durchgeführt werden, ebenso eine dauerhafte Absicherung. Ein Restrisiko würde dennoch bestehen, so Springer.
Auch die DLRG warnte bereits Mitte Januar davor, Eisflächen zu betreten. Trotz anhaltender Kälte wurde zu dem Zeitpunkt gerade mal eine Eisdicke von vier Zentimetern gemessen - zehn Zentimeter waren früher der Richtwert für das Betreten von Eisflächen.

Verwaltungs-Betriebswirt Holger Struck aus Hemmoor spricht sogar von einer höheren Eisdicke. "Aufgrund der Tiefe des Gewässers 'Heidestrandbadsee‘ kann die Eisdicke von 15 Zentimetern flächendeckend nicht gewährleistet und überwacht werden." Tiefe Seen benötigen deutlich längere und intensivere Frostperioden als flache Gewässer, so Struck. Eine Freigabe seitens der Samtgemeinde Hemmoor komme daher nicht in Betracht.
Offene Wasserstellen trotz Minustemperaturen
In Otterndorf zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. "Nach wie vor ist auf den Wasserflächen keine gleichmäßig konstante und verlässlich tragfähige Eisschicht vorhanden. Auch zugefrorene Stellen weisen zum Teil keine ausreichende Eisdicke auf", betont Verwaltungschef Frank Thielebeule. Fotos vom Dienstag (3. Februar 2026) zeigten, dass der Otterndorfer Badesee offene Wasserstellen aufwies, so der Samtgemeindebürgermeister des Landes Hadeln. Er könne verstehen, dass der Wunsch nach dem Betreten der Eisflächen und dem Eislaufen bestehe. "Es besteht aber auf allen Eisflächen ein nicht kalkulierbares Risiko. Daher wird es auch in den kommenden Tagen keine Freigabe geben."
Die sogenannten "Moorwiesen" beim Kurpark Döse bieten in diesem Jahr ebenfalls keine Eisfläche. Der Bereich soll naturschutzfachlich aufgewertet werden, beschreibt Christian Somnitz. Der Biotopschutz und die Verbesserung der Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten stünden im Vordergrund, so der stellvertretende Referatsleiter der Stadt Cuxhaven. "Derzeit befinden wir uns in den Voruntersuchungen zu einem Pflege- und Entwicklungskonzept, das voraussichtlich im Laufe dieses Jahres abgeschlossen wird." Die Fläche wurde daher im Herbst nicht gemäht. "Es kann keine geschlossene, tragfähige Eisfläche entstehen", erklärt Somnitz.

Auch in der kommenden Woche bleiben die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die frostige Kaltluft ziehe sich am Wochenende nicht weit von Norddeutschland zurück. Frostige Temperaturen in der nächsten Woche seien daher nicht ausgeschlossen, erklärt Leonard Benedikt von der Regional- und Seewetterzentrale Hamburg.