Hannes Stein (oben), Patrick Dankers (Mitte) und Joscha Wehber (unten) treten bei der Kommunalwahl an, um der Jugend mehr Gehör zu verschaffen und Lösungen für Mobilität und Wohnraum zu finden. Foto: Gollnow/dpa/Herz/SPD Wanna/Wehber
Hannes Stein (oben), Patrick Dankers (Mitte) und Joscha Wehber (unten) treten bei der Kommunalwahl an, um der Jugend mehr Gehör zu verschaffen und Lösungen für Mobilität und Wohnraum zu finden. Foto: Gollnow/dpa/Herz/SPD Wanna/Wehber
Urnengang am 13. September

Kommunalwahl 2026 in Hadeln: Was drei 18-Jährige in der Region verändern wollen

von Christian Mangels | 07.09.2026

Hannes Stein, Patrick Dankers und Joscha Wehber gehören zu den jüngsten Bewerbern bei der Kommunalwahl in Hadeln. Sie wollen der Jugend mehr Gehör verschaffen - und sehen vor allem bei Mobilität, Wohnraum und Zukunftsperspektiven Handlungsbedarf.

Während andere mit 18 Jahren gerade das Abitur vorbereiten oder ins Studium starten, wollen Hannes Stein, Patrick Dankers und Joscha Wehber zusätzlich Verantwortung in der Kommunalpolitik übernehmen. Bei der Kommunalwahl am 13. September treten die drei 18-Jährigen für unterschiedliche Parteien und Wählergemeinschaften an. In vielen Punkten unterscheiden sich ihre politischen Schwerpunkte - bei einem Thema sind sie sich jedoch auffallend einig: Junge Menschen sollen vor Ort stärker gehört werden und bessere Gründe bekommen, in der Region zu bleiben.

Hannes Stein von der FDP besucht die 13. Klasse des Gymnasiums Otterndorf und kandidiert für den Gemeinderat Neuenkirchen, den Rat der Samtgemeinde Land Hadeln und den Kreistag. Sein politisches Interesse bekam durch ein Praktikum beim FDP-Europaabgeordneten Jan-Christoph Oetjen zusätzlichen Schub. Einen entscheidenden Moment erlebte Stein aber direkt vor der eigenen Haustür: bei der Entscheidung über die Schließung der Grundschule in Neuenkirchen. "In diesem Moment hatte ich Gänsehaut", sagt Stein. Dabei habe er gemerkt, "dass es nicht reicht, sich zu ärgern, sondern selbst aktiv politisch mitzugestalten".

Für Neuenkirchen sieht er nun unter anderem die Nachnutzung der Grundschule und einen verlässlichen Schülertransport als wichtige Aufgaben. Auf Samtgemeindeebene beschäftigt ihn besonders die angespannte Finanzlage. Gleichzeitig warnt Stein davor, Einrichtungen vorschnell infragezustellen. Als Leistungsschwimmer liegen ihm die Bäder am Herzen. Vereine und öffentliche Einrichtungen seien "die Grundlage für unser Zusammenleben auf dem Land".

Ein weiteres zentrales Thema ist für ihn der öffentliche Nahverkehr. Es fehle an "engmaschigen, flexiblen und gut durchdachten ÖPNV‑Verbindungen". Auch berufliche Perspektiven müssten verbessert werden - etwa durch mehr duale Studienangebote bei Unternehmen in der Region.

Großvater war bereits Mitglied des Gemeinderates

Ähnliche Probleme sieht Patrick Dankers. Der 18-Jährige studiert dual Bauingenieurwesen und tritt für die SPD zum Gemeinderat in Wanna an. Sein Interesse an der Kommunalpolitik hat auch familiäre Wurzeln: Sein Großvater war bereits Mitglied des Gemeinderates. Dankers will vor allem Ideen seiner Generation einbringen.

Als große Herausforderung bezeichnet er die Aufgabe, trotz begrenzter finanzieller Mittel die Bedürfnisse verschiedener Generationen zusammenzubringen - vom Kindergartenplatz bis zur Pflegeeinrichtung. Besonders wichtig ist ihm, dass junge Familien sich ein Leben in Wanna weiterhin leisten können.

Wenn er ein Projekt durchsetzen könnte, würde Dankers deshalb bei den Bauplatzkosten ansetzen. Die Baukosten seien ohnehin stark gestiegen. "Ein teures Grundstück kann dann schon vor dem eigentlichen Neubau abschrecken", sagt er. Das könne dazu führen, dass junge Familien sich gegen Wanna als Wohnort entscheiden.

Daneben fehlen ihm Treffpunkte für Jugendliche außerhalb des aus seiner Sicht bereits guten Sport- und Vereinsangebots. Auch beim ÖPNV sieht Dankers Nachholbedarf. Teurer Wohnraum und eine schlechte Verkehrsanbindung könnten dazu beitragen, dass junge Menschen abwandern. Entscheidend sei deshalb, "in unterschiedlichen Lebensphasen attraktiv" zu bleiben.

Auch Joscha Wehber stellt die Zukunftschancen junger Menschen in den Mittelpunkt. Der 18-jährige Abiturient vom Gymnasium Warstade kandidiert als Teil der Wählergemeinschaft "Wir für Lamstedt" für den Rat der Samtgemeinde Börde Lamstedt und den Gemeinderat Lamstedt. Zur Kandidatur bewegt habe ihn vor allem "der Wille, etwas für die Jugend zu verändern".

Wehber nennt fehlende Angebote für Jugendliche und eingeschränkte Mobilität als Probleme. Konkret fordert er bessere Busverbindungen aus allen Orten der Börde zu den Bahnhöfen in Hemmoor und Hechthausen - und das an allen Tagen der Woche. Junge Menschen bräuchten eine "Zukunftsattraktivität", also Gründe, nach Ausbildung oder Studium in die Heimat zurückzukehren.

Mehr Mitsprache für Kinder und Jugendliche

Ein besonderes Anliegen ist ihm zudem das Schwimmbad. Dessen Sanierung beziehungsweise ein möglicher Neubau zählt für Wehber zu den größten Aufgaben der kommenden Jahre. Würde er nur ein Vorhaben verwirklichen können, stünde das Bad für ihn an erster Stelle. Mehr Mitsprache für Kinder und Jugendliche fordert Wehber ebenfalls. Das Jugendparlament in der Börde Lamstedt sei dafür ein erster Schritt. Schulen könnten häufiger einbezogen und junge Menschen gezielt zu konkreten Projekten befragt werden.

Auch Stein schlägt Schülerbefragungen und mehr Besuche von Schulklassen in Ratssitzungen vor. Aus seiner Erfahrung mit dem Planspiel "Pimp your Town" nimmt er mit, dass Jugendliche viele Ideen entwickeln - diese anschließend aber zu selten umgesetzt würden. Dankers setzt ebenfalls darauf, jungen Menschen zu zeigen, dass ihre Meinung tatsächlich etwas bewirken kann.

So unterschiedlich die drei Kandidaten politisch verortet sind, ihr Befund ähnelt sich: Wer junge Menschen in der Region halten will, muss ihnen Mitsprache, Mobilität, bezahlbares Wohnen und eine berufliche Perspektive bieten. Und die drei 18-Jährigen wollen nicht darauf warten, dass andere diese Themen für sie auf die Tagesordnung setzen.

Die Redaktion hätte gern auch zwei junge Kandidatinnen in diesem Beitrag vorgestellt - die Kontaktaufnahme blieb jedoch erfolglos. 

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