Kriminalstatistik 2024 verrät: So sicher ist es im Kreis Cuxhaven wirklich
Gute Nachrichten für Cuxhaven: Die Zahl der Straftaten ist 2024 auf den niedrigsten Stand seit über zehn Jahren gesunken. Doch nicht alle Entwicklungen sind positiv.
Im Jahr 2024 zeigen die Kriminalitätszahlen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Cuxhaven, der sowohl die Stadt als auch den Landkreis Cuxhaven umfasst, eine äußerst positive Entwicklung. Die erfassten Straftaten sind auf 9309 gesunken, was den niedrigsten Wert seit mehr als zehn Jahren darstellt (2023: 10.812 Straftaten). Darüber hinaus stieg die Aufklärungsquote auf über 65 Prozent.
"Das sind aus polizeilicher Sicht große Erfolgsmeldungen. Wir müssen diese Zahlen aber auch mit einer gewissen Vorsicht betrachten, ob es sich hierbei um einen positiven Trend oder einen einmaligen, starken Ausschlag der Zahlen nach unten handelt", so der Leiter der Polizeiinspektion Cuxhaven, Leitender Polizeidirektor Michael Hasselmann.
Häufigkeitszahl deutlich unter dem Landesdurchschnitt
Die sogenannte Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, lag 2024 in Niedersachsen bei 7015 Straftaten, was einen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren darstellt (2023: 6696, 2022: 6528). Im Zuständigkeitsbereich der PI Cuxhaven hingegen sank diese Zahl auf 4612 Straftaten pro 100.000 Einwohner (2023: 5368). Diese Zahl liegt deutlich unter dem Landesdurchschnitt und ist die niedrigste seit über zehn Jahren.
"Die Zahlen machen deutlich, dass wir im Vergleich in einer sehr sicheren Region leben, wenngleich wir großes Verständnis dafür haben, dass Meldungen über fürchterliche Taten aus dem gesamten Bundesgebiet auch das subjektive Sicherheitsempfinden unserer Bürgerinnen und Bürger hier vor Ort erheblich beeinträchtigen. Die regionalen Unterschiede erklären sich oft dadurch, dass in städtischen Gebieten tendenziell mehr Straftaten erfasst werden als in ländlichen Regionen", erklärt Michael Hasselmann.

Straftaten gegen das Leben und Sexualdelikte
Im Bereich der Straftaten gegen das Leben wurden 2024 insgesamt 13 Fälle registriert, was im Vergleich zu den elf Fällen im Jahr 2023 einen leichten Anstieg darstellt. "Ein dauerhafter Anstieg zeichnet sich nicht ab", erläutert Dominikus Wolking, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion. In Bezug auf Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gab es einen Rückgang, so wurden 2024 nur noch 339 Fälle verzeichnet, im Vorjahr waren es noch 379.
Anstieg bei Rohheitsdelikten und häuslicher Gewalt
Die Zahl der Rohheitsdelikte, wie Körperverletzungen, und Straftaten gegen die persönliche Freiheit ist im Vergleich zu 2023 leicht gestiegen. 2024 wurden insgesamt 2001 Fälle erfasst (2023: 1996), was jedoch nur einen geringfügigen Anstieg darstellt. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich liegt kontinuierlich über 90 Prozent, was bedeutet, dass mindestens neun von zehn Taten immer aufgeklärt werden konnten. Besonders positiv ist, dass die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich mit 92,05 Prozent im Jahr 2024 den zweithöchsten Stand der letzten zehn Jahre erreicht hat.
Ein besonders besorgniserregender Trend ist jedoch der Anstieg häuslicher Gewalt: 2024 wurden 734 Fälle verzeichnet, 75 mehr als im Vorjahr.
Im Bereich der Eigentumsdelikte, wie Diebstähle, ist ein starker Rückgang zu verzeichnen. Die Zahl der Straftaten sank von 3544 im Jahr 2023 auf 2832 im Jahr 2024. Auch die Zahl der Wohnungseinbrüche hat sich verringert: Von 159 Fällen im Jahr 2023 auf 150 Fälle im Jahr 2024, was den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren darstellt.

Weniger Verdächtige - keine Zunahme bei Ausländern
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 4526 Tatverdächtige erfasst, was einen Rückgang von 156 im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Über 80 Prozent der Tatverdächtigen waren Erwachsene ab 21 Jahren, während etwa fünf Prozent unter 14 Jahren alt waren und somit nach deutschem Recht nicht strafmündig sind. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger blieb mit rund 23 Prozent konstant, was darauf hinweist, dass es hier keine wesentlichen Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren gab.
Michael Hasselmann betont, dass die Flüchtlingsbewegungen, etwa aus der Ukraine, keinen Anstieg der Ausländerkriminalität zur Folge hatten. "Oder anders gesagt: den Bürgerinnen und Bürgern in Stadt und Landkreis Cuxhaven scheint es einfach gut gelungen zu sein, die von uns aufgenommenen Menschen in unsere Gemeinschaft zu integrieren. Denn gelungene Integration ist der wirksamste Schutz gegen das Entstehen kriminellen Verhaltens", so Hasselmann.
Rückgang bei Messerangriffen und Internetkriminalität
Im Bereich der Straftaten mit Messern als Tatmittel ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. 2024 wurden nur noch 34 Fälle erfasst, im Jahr 2023 waren es noch 52. Besonders erfreulich ist, dass alle 34 Taten aufgeklärt werden konnten.
Auch die Internetkriminalität zeigte einen Rückgang: 2024 wurden 562 Taten registriert, fast 200 weniger als im Jahr 2023 (745). Die Aufklärungsquote konnte auf über 87 Prozent gesteigert werden.

Die Zahl der Straftaten im Bereich der Kinder- und Jugendkriminalität ist im Jahr 2024 auf 709 gefallen, was einen Rückgang von 133 Fällen im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Ein Teil dieses Rückgangs lässt sich auf die weniger häufigen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zurückführen, wie etwa das Versenden von Bildern und Videos über soziale Medien oder Messenger-Dienste. Dominikus Wolking warnt jedoch: "Jeder Empfänger eines Bildes oder Videos mit entsprechendem Inhalt in einer WhatsApp wird automatisch zum Tatverdächtigen des Besitzes von Kinder- oder Jugendpornografischem Material. Gerade die Kinder und Jugendlichen sind sich dessen oft nicht bewusst, was sie mit der Weiterverbreitung von diesem Material auslösen."
Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu
Ein besorgniserregender Trend ist der Anstieg der Gewalt gegen Polizeibeamte: 2024 wurden 74 Gewaltdelikte gegen Einsatzkräfte erfasst, was einen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren darstellt, in denen diese Zahl bei etwa 50 lag. "Einsatz- und Rettungskräfte leisten einen unschätzbar wichtigen Dienst für unsere Gesellschaft. Gewalterfahrungen und tätliche Angriffe gehen trotz aller Professionalität nicht spurlos an den Betroffenen vorüber. Unser oberstes Ziel muss es daher sein, die körperliche und psychische Gesundheit unserer Einsatz- und Rettungskräfte zu schützen. Hinter den Uniformen stehen immer Menschen, das darf man nie vergessen", so Michael Hasselmann abschließend.