Kritik am Winterdienst im Kreis Cuxhaven: So sieht es hinter den Kulissen aus
Fünf Tage nach dem ersten Schneefall klagen Bürger im Kreis Cuxhaven noch immer über glatte Straßen und Radwege. Während Kritik laut wird, geben die Stadt Cuxhaven und Straßenmeistereien Einblick in Prioritäten, Arbeitszeiten und Zuständigkeiten.
Dass der Schnee auf den Straßen im Cuxland gefallen ist, ist bereits fünf Tage her. Noch immer beklagen zahlreiche Bürger nicht geräumte Straßen sowie Rad- und Fußwege. Auch aus den Reihen der "Winterdienstler" wird über die Nichteinhaltung von Ruhezeiten geklagt. Die Stadt Cuxhaven und Straßenmeistereien geben Einblick in Prioritäten, Arbeitszeiten und Zuständigkeiten.
Wenn der Winter sich mit Schnee und Eisglätte zeigt, sind die Straßenmeistereien im Kreis Cuxhaven im Dauereinsatz. Mit tonnenweise Salz und abgestimmten Routen sorgen sie für sichere Straßen und Wege - doch nicht überall. In Cuxhaven haben es insbesondere Menschen schwer, die auf das Fahrrad angewiesen sind. Die von der Stadt ausgewiesene Fahrradstraße durch die Friedrich-Carl-Straße sowie weitere Verbindungen zum Bahnhof und in die Innenstadt sind auch Tage nach dem Schneefall noch eine Eisbahn. Das liegt nicht unbedingt daran, dass der Winterdienst nicht arbeitet, sondern daran, dass andere Prioritäten gesetzt werden.
Verlängerung der Arbeitszeiten möglich
Die Frau eines Mitarbeiters beim Winterdienst des Landkreises (Name ist der Redaktion bekannt) schildert die Belastung online: Freitagnacht sei ihr Mann um 24 Uhr zu Hause gewesen. Am Sonnabend soll er von 4 Uhr morgens bis 14.30 Uhr im Einsatz gewesen sein und nachmittags nochmals Räumarbeiten durchgeführt haben. Sonntag soll er von 3.30 Uhr bis "open end" im Einsatz gewesen sein. Sie meint: "An alle, die meckern: einfach mal geduldig sein, einfach mal danke sagen, einfach mal zuhause bleiben, einfach mal selbst machen." Für ein Statement zu dem Vorwurf, dass die Ruhezeiten nicht eingehalten werden, war der Landkreis zum Jahresbeginn bisher nicht in der Lage.
Anders die Straßenmeistereien der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV). Im Geschäftsbereich Stade kümmern sie sich um die Landes- und Bundesstraßen. Seit Oktober sind die Straßenmeistereien in Bremervörde, Hagen, Otterndorf und Stade in Bereitschaft.
Pressesprecherin Carolin Selle erklärt: "Das Wichtigste bei der Organisation des Winterdienstes ist die rechtzeitige Vorbereitung und die Auswertung der amtlichen Wetterberichte." Sie ergänzt: "Bei erhöhtem Bedarf wird neben den normalen Betriebszeiten zusätzlich im Zweischichtsystem gestreut." Dieses Zweischichtsystem soll die Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten gewährleisten.
Teilweise rund um die Uhr im Einsatz
Gemeinsam mit externen Dienstleistern wird der Winterdienst im Geschäftsbereich Stade mit 24 Einsatzfahrzeugen sichergestellt. Für die Radwege kommen weitere elf Fahrzeuge hinzu, zusätzlich unterstützen fünf Räumfahrzeuge bei Schneefall. Insgesamt werden so rund 987 Kilometer Bundes- und Landesstraßen, 809 Kilometer begleitende Radwege sowie 253 Brücken verkehrssicher gehalten.
Bei akutem Schneefall sind die Mitarbeiter regelmäßig von zwei Uhr bis 22 Uhr im Einsatz, bei extremen Wetterlagen und Schneeverwehungen teilweise sogar rund um die Uhr. "In Ausnahmefällen kann gemäß Dienstvereinbarung eine Verlängerung der Arbeitszeiten ermöglicht werden. In der Praxis kommt es jedoch selten vor, da die Dienste Monate im Voraus geplant werden. Bei Fahrzeugausfällen greifen entsprechende Notfallpläne", so Selle. Dann könne es vorkommen, dass Fahrer zusätzliche Strecken übernehmen und entsprechend länger im Einsatz sind. "Beides trat bisher im aktuellen Winterdienst nicht auf", so Selle. Wenn es abends schneien soll, werden die Kollegen der Abendschicht früher nach Hause geschickt, um die zulässigen Arbeitszeiten nicht zu überschreiten. Die Frühschicht beginnt dann gegen drei Uhr, um bis sechs Uhr die Straßen für den Berufsverkehr befahrbar zu machen.
Die Straßenmeisterei Otterndorf betreut insgesamt 287 Kilometer Fahrbahn und 235 Kilometer Radwege in den Landkreisen Cuxhaven und Stade - von Cuxhaven bis Langen sowie von Wischhafen bis Hemmoor. Dabei handelt es sich überwiegend um Bundes- und Landesstraßen. Für den Winterdienst stehen drei Lkw, zwei Unimog, zwei Schlepper sowie zwei Radwegunterhaltungsgeräte zur Verfügung.
Rund ein Dutzend Fahrzeuge im Einsatz
Der städtische Winterdienst der Stadt Cuxhaven arbeitet nach Auskunft von Pressesprecher Marcel Kolbenstetter nach dem gleichen Prinzip - "Bedarfsgerecht". Pro Schicht sind im Winterdienst rund 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz. Je nach Wetterprognose wird entweder ein fester Arbeitsbeginn für den Winterdienst festgelegt oder Rufbereitschaft angeordnet. Die zu räumenden und zu streuenden Strecken ergeben sich aus festgelegten Streuplänen. Auch in Ausnahmesituationen richtet sich die Einsatzplanung nach den Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes. Für den Winterdienst gibt es Ausnahmen, sodass Ruhezeiten verkürzt werden können. Dies ist vertraglich geregelt. Ruhezeiten würden immer eingehalten.
Der Zuständigkeitsbereich des städtischen Winterdienstes umfasst rund 200 Kilometer Räum- und Streustrecke auf Straßen und Rad- und Fußwegen. Welche Straßen vom städtischen Winterdienst betreut werden, ist in der Straßenreinigungssatzung der Stadt Cuxhaven geregelt. Darüber hinaus werden Straßen mit hohem Gefahrenpotenzial berücksichtigt, hierzu zählen insbesondere die Hangstraßen in Altenwalde. Für die Räum- und Streuarbeiten stehen insgesamt 17 Fahrzeuge zur Verfügung.