CNV Medien

Der Stadtschreiber Hank Zerbolesch bei seiner Antrittslesung in der Stadtscheune. Foto: Kramp
Der Stadtschreiber Hank Zerbolesch bei seiner Antrittslesung in der Stadtscheune. Foto: Kramp
Literatur

Lebensecht: Otterndorfer Stadtschreiber Hank Zerbolesch begeistert sein Publikum

von Wiebke Kramp | 03.07.2026 Zuletzt aktualisiert: 03.07.2026 12:39 Uhr

Der aktuelle Stadtschreiber Hank Zerbolesch begeistert bei seiner Antrittslesung in Otterndorf. Seine Texte spiegeln das echte Leben wider und ziehen das Publikum in den Bann. Er ist kraftvoll, direkt und empathisch,

Hank Zerbolesch kann schreiben - dicht, kraftvoll und lebensnah. Und erzählen kann er auch - sehr lebhaft, empathisch und unterhaltsam sogar. Der diesjährige Stadtschreiber Otterndorfs beeindruckte sein Publikum bei der Antrittslesung merklich. Selbst die ausgefallene Mikrofonanlage war da kein Störfall.

"Ich bin überwältigt", meinte Kulturausschussvorsitzende Ursula Holthausen am Ende der Veranstaltung. Und der Stadtschreiber dankte wiederum der Stadt Otterndorf für die Möglichkeit, sich während des Stipendiums vollkommen auf seine Arbeit als Künstler konzentrieren zu dürfen.

Der gebürtige Düsseldorfer, Jahrgang 1981, lebt seit 2004 in Wuppertal. Seit 2014 schreibt er Romane, Hörspiele und Kurzgeschichten und ist als Podcaster aktiv. Er blickt auf zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien zurück. Zu einem Rundumschlag über sein künstlerisches Schaffen holte er für den Abend aus und gab so Einblick in seine Entwicklung.

Sehr persönlich schilderte er in der Stadtscheune den schriftstellerischen Weg. Literarisch ist Hank Zerbolesch ein Spätberufener. Bis zum 30. Lebensjahr war er ohne jeglichen Bezug zur Literatur. Das änderte sich erst, als er bei Leuten zu Gast gewesen sei und ihm ein Buch von Charles Bukowski in die Hände fiel und in den Bann zog. Er verschlang die "Aufzeichnungen eines Dirty Old Man" und weitere Bücher des deutsch-amerikanischen Dichters und Schriftstellers, der für seine drastische, direkte Sprache bekannt ist, die auch die unappetitlichen Seiten des Lebens nicht beschönigt. Durch Bukowskis Bezugnahme auf andere Schriftsteller beschäftigte sich Hank Zerbolesch auch mit denen ("Alles alte, tote, männliche Amerikaner …") und kam zur Überzeugung: "Das kann ich auch." Das Wort wurde zu seinem Fixstern.

Der Kulturausschussvorsitzenden Ursula Holthausen war die Begeisterung über die Texte und Performance von Hank Zerbolesch anzumerken.

Fünf-Minuten-Konzept zu eng

Seinen ersten Poetry-Slam-Besuch bei Wuppertaler Wortpiraten empfand er als schlimm, vor allem, weil er nicht an dieses Klientel gewöhnt war. Aber der Abend hatte etwas Gutes. Ihm fiel der Flyer für eine Schreibwerkstatt in die Hände. Als Abschlussprüfung des Workshops musste er mit einem eigenen Text auf der Bühne performen. Es sollten weitere Aufführungen folgen, und 2014 kam sein erstes Buch "Rauschhour" mit seinen Slam-Texten heraus. Auch wenn er in der Poetry-Slam-Szene eine hohe Fluktuation bemerkte, so blieben doch Themen, Duktus und Sound der Texte gleich. Das langweilte ihn zunehmend. Das Fünf-Minuten-Konzept wurde ihm zu eng. Er veröffentlichte mit Freunden zunächst regelmäßig Podcasts. 2015 erschien sein erstes Hörspiel "Die Zeitmaschine".

2018 veröffentlichte er den ersten Roman "Raw" und wurde vom klassischen Literaturbetrieb wahrgenommen. Es folgte das Romanskript "Wut in Fleisch" über rechtes Milieu, das äußerst kontrovers aufgenommen wurde. Die Veröffentlichung des Hörbuchs "Morbus Leben" nennt er eine Laborarbeit. Jüngste Veröffentlichung ist der Roman "Gorbach", in dem verschiedene Menschen und Lebensmodelle aufeinanderprallen. Sein neuester Roman "Der dritte Raum" erscheint übernächsten Monat ebenfalls im Verlag Gerd Steils.

Soundtrack klingt nach echtem Leben

Bei seiner Antrittslesung stellte er verschiedene Textpassagen von den Anfängen bis heute vor. Deutlich wurde: Der Autor ist dicht dran an der Wirklichkeit. Deutlich, direkt und schnörkellos. Wenn etwas für ihn scheiße ist, benennt er es auch so. Seine Figuren sind fern vom akademischen Elfenbeinturm. Sie stammen von der Straße der Wirklichkeit. Der Soundtrack klingt nach echten Typen, harter Arbeit, krummen Wegen sowie kleinen und großen Krisen.

Übrigens: Hank Zerboleschs Sicht auf Otterndorf und das Leben als Stadtschreiber in der kleinen Stadt verarbeitet er in einem kurzweiligen Video-Blog auf Youtube. Hinter dem lockeren Plauderton blitzt der scharfsinnige, manchmal schalkhafte Beobachter hervor.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Wiebke Kramp
Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Sanierung steht bevor

"Ostewelle" in Hemmoor: Ein Schwimmbad ohne Riesenrutsche und anderes Gedöns

Luftschiff- und Marinefliegermuseum

Aeronauticum in Nordholz: Neue Werkstatt- und Lagerhalle früher als geplant fertig

Trotz Notoperation

Mutmaßlicher Femizid in Bremerhaven: 33-Jährige stirbt nach Angriff durch Ehemann