Solche Bodeneffektfahrzeuge sollen in absehbarer Zeit mit hoher Geschwindigkeit übers Wasser gleiten. Grafik: German Slider
Solche Bodeneffektfahrzeuge sollen in absehbarer Zeit mit hoher Geschwindigkeit übers Wasser gleiten. Grafik: German Slider
German Slider

Maritime Innovation für den Helgoland-Verkehr? Schwebendes Fährschiff mit Speed

von Wiebke Kramp | 06.07.2026

Kommt eine neue Ära maritimer Mobilität? Bodeneffektfahrzeuge von der German Sliders GmbH, die mit bis zu 220 km/h über die Wasseroberflächen gleiten, könnten an der Nordsee Alternativen zum Flug- und Fährverkehr zu Inseln wie Helgoland sein. 

Diese Innovation klingt fast zu gut, um wahr zu werden: Mit bis zu 220 Stundenkilometern schnell, aber dabei komfortabel über der Wasseroberfläche fliegen und dabei noch deutlich kraftstoffsparender unterwegs sein.

Bedeutet dieses optisch zwischen Flugzeug und Schnellfähre angesiedelte Bodeneffektfahrzeug die Wende im Fährverkehr? Das Unternehmen German Sliders sieht in seinen als Schiff ausgewiesenen Konstruktionen Lösungen, die über die Nutzung als Hochgeschwindigkeitsfähre hinausgehen.

Wolfgang Rögner ist Geschäftsführer der in Frankfurt ansässigen German Slider GmbH, und sein Unternehmen hat sein Ziel ehrgeizig formuliert: German Sliders will die veralteten und festgefahrenen Verkehrssysteme revolutionieren und sie durch ein völlig neues, globales und höchstmodernes Verkehrssystem ersetzen.

Gerade hat sich das Unternehmen für entsprechende Fahrzeuge im Helgoland-Verkehr ins Spiel gebracht. "Selbstverständlich sehen wir den Einsatz nicht nur dort, sondern grundsätzlich im gesamten Nordseegebiet sowie auf vielen weiteren Küsten- und Inselverbindungen weltweit", teilt CEO Rögner gegenüber CNV-Medien auf Nachfrage mit.

Der Frankfurter Unternehmer erläutert: "Grundsätzlich ist der German Slider ein skalierbares Verkehrssystem. Langfristig können Fahrzeuge mit einer Kapazität von bis zu 600 Passagieren realisiert werden. Nach unserer aktuellen Planung können innerhalb der nächsten zwei Jahre Modelle für bis zu 20 Personen angeboten werden. In einem Zeitraum von etwa drei Jahren sehen wir Fahrzeuge mit bis zu 200 Passagieren als realisierbar." Die Reisegeschwindigkeit liege - je nach Ausführung - zwischen 180 und 220 Stundenkilometern.

Ein Blick in den komfortablen Innenraum eines siebensitzigen Fahrzeugs. Grafik German Slider

Der Bodeneffekt bezieht sich auf den Auftrieb. Dabei wird ein Luftpolster genutzt, das sich zwischen Tragflächen und einer ebenen Oberfläche aufbaut. Man kennt ihn auch als Albatros-Effekt. Mit geringem Energieaufwand können die Vögel dicht über der Wasseroberfläche schwebend Distanzen zurücklegen.

In einem Telefonat mit unserer Redaktion kündigte der Geschäftsführer an, dass in Kürze ein Zwölfmeter-Fahrzeug für vier bis fünf Personen auf einer deutschen Werft gebaut werde. Die Konstruktion des Bootes liege vor.

"Bei höheren Wellen wie ein konventionelles Verdrängerschiff"

Die Seegängigkeit richtet sich laut Rögner nach der Größe des jeweiligen Fahrzeugs. Ein Sechssitzer könne bei Wellenhöhen bis etwa 1,5 Meter im Bodeneffekt ("Flairen", also dem Schweben über der Wasseroberfläche) betrieben werden. Ein 200-Personen-Slider sei für Wellenhöhen bis etwa vier Meter ausgelegt. Für die perspektivisch geplante 600-Personen-Version geht der Unternehmer von einer Einsatzfähigkeit bei Wellenhöhen bis zu zehn Metern aus. Rögner beschreibt: "Steigen die Wellen über den optimalen Bereich hinaus, bleibt der Slider dennoch einsatzfähig. Er wechselt dann vom Schweben in den Gleitbetrieb und berührt lediglich die Wellenkämme. Bei noch höheren Wellen fährt er wie ein konventionelles Verdrängerschiff weiter. Durch seine hohe Reisegeschwindigkeit lassen sich Wetterfronten zudem häufig umfahren oder Fahrtzeiten deutlich verkürzen."

Die Investitionskosten bewegten sich in einer vergleichbaren Größenordnung wie bei einem schnellen Katamaran. Dem gegenüber stünden jedoch erhebliche Vorteile: deutlich kürzere Reisezeiten, hoher Fahrkomfort ohne Seekrankheit sowie wesentlich geringere Betriebs-, Energie- und Personalkosten. Überdies biete die Fahrt mit einem German Slider ein besonderes Erlebnis. Rögner sieht darin "touristisch eine hohe Anziehungskraft".

Jeder Hafen könne damit angesteuert werden

Angesteuert werden könne jeder Hafen, wegen geringen Tiefgangs von nur einem Prozent pro Rumpflänge auch flachere Bereiche. Gestartet und gelandet werde im Wasser, die Höhe anschließend erst nach ein paar Minuten erreicht. Die technische Ausstattung richte sich grundsätzlich nach den Anforderungen des jeweiligen Betreibers. In der Serienausstattung orientiere sich der German Slider hinsichtlich Navigation, Sicherheit und Komfort an modernen Verkehrsflugzeugen. Die Technologie funktioniere nicht nur auf und über Wasser, sondern über jeder ebenen Fläche - also auch auf Eis, Watt, trockenen Flussläufen, Sümpfen oder Wüsten.

Wolfgang Rögner hat mit dem Erfinder der Bodeneffektfahrzeuge zwölf Jahre zusammengearbeitet. 2019 habe er von den Erben von Günther W. Jörg die Rechte übernommen. Der Ingenieur hatte 1963 mit der Konstruktion begonnen, seine ersten bemannten Tandem-Airfoil-Flairboote wurden 1973/1974 gebaut und 1974 vom damaligen Bundesverkehrsministerium als Schiffe zugelassen.

Optimiertes Design und die Verwendung modernerer Materialien wie Carbon, Glasfaser und Aluminium sowie aktuelle Motorentechnik sind Basis der Slider-Projekte. Dazu kooperiert die Gesellschaft German Slider mit dem Duisburger Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST). Einbezogen in die Planungen sind zukunftsweisende Elektro- und Wasserstoffantriebe.

Mit dem German Slider beziehungsweise den zugrunde liegenden Bodeneffektfahrzeugen hätten CEO Rögner zufolge bereits rund 100.000 Testkilometer unter unterschiedlichsten Einsatzbedingungen zurückgelegt - unter anderem in der Ostsee, vor der Küste Afrikas, in der Karibik und in Japan.

Rögner betont: "Diese umfangreichen Erfahrungen waren eine wichtige Grundlage für die Zulassung als Schiff durch das Bundesverkehrsministerium sowie für die Einstufung durch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) in London als weltweit einziges eigenstabiles Bodeneffektfahrzeug."

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