Bewacht: Polizei eskortieren am Sonntagabend einen Verletzten am Elbe Klinkum Stade zum Fahrzeug. Foto: Vasel
Bewacht: Polizei eskortieren am Sonntagabend einen Verletzten am Elbe Klinkum Stade zum Fahrzeug. Foto: Vasel
Häusliche Gewalt

150 Personen behindern Einsatzkräfte in Stade - Polizei rückt mit Großaufgebot aus

06.07.2026

Großeinsatz im Altländer Viertel in Stade: Ein Fall häuslicher Gewalt eskaliert, als ein alkoholisierter Mann auf Polizisten losgeht. Rettungskräfte und zusätzliche Polizeieinheiten werden herbeigerufen.

"Stichverletzung - Gewalt/Täter vor Ort" - mit dieser Meldung hat die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in Stade-Wiepenkathen am Sonntagabend die Notfallsanitäter zu einem Einsatz in der Grünendeicher Straße in Stade alarmiert. Die Rettungskräfte bekamen die Order, den Einsatzort im Altländer Viertel nicht sofort anzufahren.

Der Rettungsdienst mit Notarzt und Notfallsanitäter sammelte sich aus Sicherheitsgründen am Hafenkran am Rande der Stader Altstadt.

Vom Messer fehlt jede Spur

Was war passiert? Laut Sprecher Rainer Bohmbach war der Stader Polizei um 20.25 Uhr über 110 "ein Fall von häuslicher Gewalt in der Grünendeicher Straße in Stade gemeldet worden". In einer Mietwohnung im vierten Obergeschoss sei es zu "einer Auseinandersetzung zwischen einem Ehepaar gekommen, bei der möglicherweise auch mit einem Messer gedroht worden war". Das 43-jährige Opfer sei zu einem Nachbarn gelaufen. Dieser habe schließlich die Polizei informiert.

Bewacht: Auch die Nebeneingänge der Klinik wurden gesichert. Foto: Vasel

Als die ersten Polizisten eintrafen, wollte der alkoholisierte 48-Jährige Mann, laut Bohmbach der Tatverdächtige, "aggressiv auf die Beamten losgehen". Die Éinsatzkräfte hätten seinen Angriff abwehren können. Dabei stürzte der Alkoholisierte, er habe sich "leicht verletzt".

Damit nicht genug. Auch die hochschwangere Schwiegertochter war vor Ort, auch sie musste medizinisch versorgt werden.

Nach Tageblatt-Informationen handelt es sich um eine Familie aus Bulgarien. Sie lebt, wie viele Landsleute, in mehreren Mehrfamilienhäusern im Altländer Viertel. Es ist ein offenes Geheimnis, dass einige der Wohnungen überbelegt sind. Ein Messer sei nicht sichergestellt worden, sagte Bohmbach auf Nachfrage.

Knapp 150 Menschen versammeln sich vor Ort

Während des Polizeieinsatzes versammelten sich knapp 150 Personen vor dem Haus der Familie - vorwiegend aus der Nachbarschaft und dem Kreise der Verwandten. "Einige von ihnen behinderten Maßnahmen der Polizei und des Rettungsdienstes", bestätigte Bohmbach. Um die Lage in den Griff zu bekommen, zog die Kooperative Leitstelle der Polizeidirektion Lüneburg weitere Polizeikräfte aus den Landkreisen Harburg, Rotenburg und Cuxhaven in Stade zusammen. "Erst nach dem Einsatz von mehreren Streifenwagen konnte der Abtransport der Patienten erfolgen", so der Polizeisprecher.

Polizei sichert das Elbe Klinikum Stade

Nach dem Einsatz im Altländer Viertel war noch nicht Schluss. Um eine Auseinandersetzung am Stader Elbe Klinikum zu verhindern, verlagerte die Einsatzleitung die Kräfte der Polizei auf das Gelände der Klinik, um die Eingänge sowie die akute Versorgung der jungen Frau und des 48-Jährigen zu sichern.

Glücklicherweise versammelte sich keine größere Menschenmenge, anders als bei Vorfällen aus der Vergangenheit, vor der Klinik. "Außer einigen Familienangehörigen tauchte niemand auf", sagte Bohmbach. Gegen 22 Uhr konnte der 48-Jährige das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung selbstständig wieder verlassen.

Bohmbach: "Gegen ihn wird nun wegen Bedrohung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte ermittelt." Bei einer Verurteilung würde ihm laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren drohen.

Nicht der erste Großeinsatz

Erst vor eineinhalb Woche hatte es während WM-Spiels Deutschland gegen Ecuador einen Großeinsatz im Altländer Viertel gegeben. Mit Ästen, Besenstielen und Fäusten hatten mehrere Männer aufeinander eingeschlagen, zeitweise versammelten sich bis zu 150 Menschen am Kreisverkehr vor dem Jugendhaus.

Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen Körperverletzung, Raub und Landfriedensbruch, laufen. Immer wieder wurden und werden Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei in dem Stader Quartier während ihre Arbeit bedroht.

Von Björn Vasel

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