Medikamenten-Mangel im Kreis Cuxhaven: Apotheker berichten von Extremsituationen
Seit Monaten ist die Knappheit von Medikamenten im Kreis Cuxhaven präsent. Die Versorgungsengpässe bleiben ein ständiger Begleiter in den Apotheken - mit zum Teil drastischen Reaktionen.
In den sozialen Netzwerken verbreitet sich ein Video von der Apothekerin Janet Olgemöller aus Essen. Sie berichtete nach einer Nacht im Notdienst: "Einen [Kunden] musste ich abweisen. Der war ziemlich ungehalten, beschimpfte mich aufs Schlimmste, als 'Du alte Hure‘ und ich weiß nicht was. Bei meinen Erklärungsversuchen sagte er, ich solle endlich 'die Fresse halten‘, ich 'alte Schlampe‘."
In den Kommentaren erklärt sie auf Nachfrage, warum es die Medikamente nicht gibt: "Rabattverträge, Gesundheitssystem kaputt gespart, Rohstoffmangel, Energiepreise. Teilweise fehlt einfach nur das Glas oder eben tatsächlich der Wirkstoff." Einem anderen antwortet sie: "Wir verbringen täglich so viel Zeit damit, irgendwo irgendwas herzubekommen"
Energiekosten belasten zusätzlich
Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller Dr. Hubertus Cranz gibt gegenüber der Bild-Zeitung einen weiteren Punkt an: "Schon seit geraumer Zeit werden die Arzneimittel-Hersteller durch die gestiegenen Kosten für Energie belastet. Anders als in anderen Branchen können die Hersteller nicht einfach die Preise erhöhen. Die Arzneimittelproduktion gerät betriebswirtschaftlich erheblich unter Druck, Hersteller ziehen sich vom Markt zurück."
Die Bremer Apothekerkammer berichtet, dass sich die Lage bei Schmerz- und Fiebermitteln für Kinder etwas entspannt habe, bei Antibiotika jedoch dramatisch ist. Die Apotheken in Cuxhaven und Umgebung schildern dennoch eine Lage, die sich nicht so schnell entspannen wird.
Die Suche nach Alternativen
"Die Situation ist nicht besser geworden", klagt Tobias Färber von der Wolf-Apotheke in Hemmoor: Er müsse ständig suchen nach Alternativen für bestimmte Medikamente, die vergriffen sind. Außerdem halte er Rücksprache mit dem Hausarzt und "hofft, dass er auch Alternativen akzeptiert". Am Karfreitag steht der nächste Notdienst an. Eine Erfahrung wie die Apothekerin Janet Olgemöller, die nach eigener Aussage mit Beleidigungen bombardiert wurde, musste er noch nicht machen: "Die Patienten waren bisher sehr verständnisvoll."
Laut Maika Engelke, Inhaberin der Medem-Apotheke Otterndorf, lässt sich "bisher immer eine Lösung finden". Allerdings werde sich der Medikamenten-Mangel in absehbarer Zeit nicht besser werden. "Man muss sich damit arrangieren." Auch sie erzählt von Rücksprachen mit dem Arzt: "Da braucht man schon einen halben Tag Vorlaufzeit."
Beschimpfungen, wie im Video aus Essen, hat auch Apotheker Jörg Spillner, Inhaber der Kaiser-Apotheke in Cuxhaven-Döse, noch nicht erlebt. Durch die Aufklärung der Medien wisse die Bevölkerung um die Versorgungsengpässe, so können die meisten Patienten gut damit umgehen, wenige seien mal irritiert. Spillner berichtet aus seiner Apotheke: "Wir sind sehr tief bevorratet. Da sind die meisten eher glücklich, wenn wir noch ein Medikament haben, das sie an anderer Stelle nicht bekommen haben." Dennoch ist die Situation wie gehabt: "Es hat sich nichts verbessert." Einen Vorteil sieht er nur darin, dass sich die Krankenrate im Vergleich zum Dezember ein bisschen gebessert hat.
Von Talea Stürtz
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