Fünf Jahre Verwaltungschef: So blickt Jan Tiedemann auf seine Zeit in Hemmoor zurück
Fünf Jahre lang stand Jan Tiedemann an der Spitze der Samtgemeindeverwaltung Hemmoor. Nun endet seine Zeit als hauptamtlicher Verwaltungschef. Im Gespräch mit CNV-Medien zieht er Bilanz, spricht über Erfolge und Herausforderungen.
Jan Tiedemann kennt beide Seiten: Er ist leidenschaftlicher Kommunalpolitiker und war in den letzten fünf Jahren Verwaltungschef in der Samtgemeinde Hemmoor. Auf eine erneute Kandidatur als hauptamtlicher Samtgemeindebürgermeister hat er verzichtet. Welche Erfahrungen hat er in seiner Wahlperiode gesammelt, was hat er erreicht und worauf hätte er verzichten können? Die NEZ/CN-Redaktion sprach mit Tiedemann über seine persönliche Bilanz.
Der Sozialdemokrat aus Hechthausen kennt sich aus in der Kommunalpolitik. So begeisterte er sich früh für die (ehrenamtliche) Arbeit im Hechthausener Gemeinderat, im Samtgemeinderat und im Kreistag und übernahm auch in der Partei Verantwortung. Zehn Jahre lang (bis 2021) agierte er als Bürgermeister in Hechthausen, wo die SPD seit vielen Jahrzehnten die Mehrheit stellt.
Vor fünf Jahren wechselte er dann die Seiten und nahm auf dem Chefsessel im Hemmoorer Rathaus Platz. Das hat vieles geändert; auch so manche Betrachtungsweise. Dass er durch seine politische Tätigkeit etliche Initiativen und Abläufe im Verwaltungsgeschäft kannte, sei natürlich für ihn ein Vorteil gewesen: "Ich kam ja nicht von außen, sodass ich mich leichter einarbeiten konnte."
Wechsel auf dem Vize-Posten
Doch ganz so leicht war es dann doch nicht, denn der langjährige stellvertretende Verwaltungschef Wolfgang Poit verließ nach einem Jahr das Rathaus, da seine Amtszeit abgelaufen war. Poits Nachfolger Frank Springer wurde, als sich die Chance bot, Samtgemeindebürgermeister in der Börde Lamstedt. Karina Kramer rückte aus dem Kreishaus in Cuxhaven nach und ist jetzt Tiedemanns aktuelle Stellvertreterin. Alles Verwaltungsfachleute, die ihr Handwerk verstehen und gemeinsam mit den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Einstieg erleichterten: "Dafür bin ich sehr dankbar."
Aus seiner politischen Tätigkeit und der Zeit als ehrenamtlicher Bürgermeister in Hechthausen habe er zudem Einblicke in verschiedene Verwaltungsprozesse - wie zum Beispiel der Bauleitplanung - bereits gehabt, was natürlich kein Nachteil gewesen sei. So manches Projekt war noch unter seinem Vorgänger Dirk Brauer angeschoben, aber eben noch nicht abgeschlossen worden. Tiedemann listet zahlreiche größere Vorhaben und Schwerpunktsetzungen auf, die die Samtgemeinde in den letzten Jahren vorangebracht hätten. So sei an drei von vier Standorten das Ganztagsangebot an Grundschulen bereits umgesetzt worden. Mit Althemmoor folge jetzt die vierte Grundschule. Auch bei der Kita- und Krippenausstattung seien die Hausaufgaben erledigt worden: "Aktuell können wir die Anfragen bedienen."
Sozialbereich ist "Herausforderung"
Ein Meilenstein sei zudem der Ausbau des Betreuungsangebotes für Kinder und Jugendliche gewesen; nicht zuletzt durch die Einbindung des Paritätischen und den Bau des neuen Jugendzentrums am Hemmoorer Schwimmbad: "Da verfügen wir schon über ein besonderes Angebot, mit dem wir uns ganz gewiss nicht verstecken müssen." Zudem sei auch im Bereich der Feuerwehren viel investiert worden.
Also alles in Ordnung? Nicht ganz, denn Tiedemann sieht durchaus eine "gewisse Herausforderung", wenn er an soziale Problemstellungen in Hemmoor denkt. Die Verwaltung allein könne Defizite nicht beseitigen. Dazu seien auch das Haupt- und Ehrenamt notwendig: "Man kann gar nicht oft genug 'Danke' sagen, wenn sich Ehrenamtliche als Privatpersonen, in Initiativen oder Vereinen engagieren."
Besondere Situation in Hechthausen
Natürlich ist ihm nicht entgangen, dass es insbesondere aus den Reihen der CDU immer wieder Kritik gab, wenn es um die Umsetzung von Projekten mit einer angeblichen Unwucht zwischen Hemmoor, Osten und Hechthausen ging. Dass während seiner Amtszeit vergleichsweise viel in Hechthausen passiert sei, leugnet Tiedemann nicht, sondern begründet das mit der einmaligen Förderkulisse durch eine 90-prozentige Bezuschussung aus dem Topf der "Dorfregion". Diese Chancen habe man nutzen müssen.
Und was nimmt er als Erfahrung für die Fortsetzung seiner kommunalpolitischen Arbeit im Samtgemeinde- und Gemeinderat mit? In beiden Gremien wird er sich nach den konstituierenden Sitzungen schließlich wieder politisch betätigen. Ihm sei klar geworden, dass Ratsmitglieder sich stärker auf die Themen konzentrieren sollten, die auch umsetz- und finanzierbar seien. Endlose Debatten über Projekte, für die ganz einfach das Geld fehle, würden eine Kommune nicht weiterbringen: "Die Verwaltung braucht zudem klare politische Ansagen. Wir müssen uns auf Dinge konzentrieren, die eine Verwaltung überhaupt mit ihren begrenzten Ressourcen leisten kann. Schließlich kommen ständig neue Aufgaben hinzu."
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