Sieben Tiere wurden in Steinau direkt totgebissen, zwei mussten eingeschläfert werden. Aufgrund des Anblicks hat unsere Redaktion das Foto gepixelt. Foto: Reinecke
Sieben Tiere wurden in Steinau direkt totgebissen, zwei mussten eingeschläfert werden. Aufgrund des Anblicks hat unsere Redaktion das Foto gepixelt. Foto: Reinecke
Weitere Nutztierrisse

Steinau: Mutmaßlich mehrere Wölfe überspringen den Schutzzaun - und töten neun Schafe

von Wiebke Kramp | 17.09.2025

In Steinau wird mitten in der Nacht eine Schafbockherde angegriffen. Neun Tiere sterben, zwölf werden verletzt. Die Attacke geschieht direkt hinter einem Wohnhaus. Die Vermutung: Gleich mehrere Wölfe griffen an.

Drei Jahre hatte Familie Reinecke aus Steinau Ruhe vor Wolfsattacken - bis zum Dienstag (16. September 2025). Es war eine blutige und traurige Angelegenheit. Am Morgen lagen sieben junge getötete Schafböcke auf der Weide 100 Meter hinter dem Haus an der Süderwesterseite, zwei Tiere mussten eingeschläfert und zwölf verletzte Böcke von der Tierärztin versorgt werden. "Sie haben alle Kehlbisse erlitten, bei zwei Tieren wissen wir nicht, ob wir sie durchbringen können", schildert der Nebenerwerbsschäfer Thomas Reinecke die Lage. Für ihn steht fest, dass ein oder mehrere Wölfe am Werk waren.

Um die Weide herum gibt es einen sogenannten Wolfschutzzaun, der offensichtlich übersprungen wurde. "Der Rissgutachter geht davon aus, dass es mehrere Tiere gewesen sind", erklärt der Steinauer Schafhalter. Die Schadensdokumentation von Nutztierrissen wird von Bezirksförstern der Landwirtschaftskammer vorgenommen.

Schwierge Beprobung durch Regenfälle

Ob dabei eine ausreichende Spurensicherung von DNA erfolgen konnte, sei wegen der heftigen Regenfälle am Dienstag unklar. Auch Trittsiegel gab es wegen der Nässe nicht, so der Schäfer. Bereits 2017 und 2018 erlebte er in Steinau mehrere nachgewiesene Wolfsattacken auf seine Tiere, dann erst wieder 2022. "Das macht emotional etwas mit einem", sagt der Steinauer und muss schlucken.

Teilweise erheblich angefressen wurden die Schafböcke. Foto: Reinecke

Bereits der Nacht zum 11. September wurden nach Informationen der Nordsee-Zeitung im rund fünf Kilometer Luftlinie entfernten Flögeln auf einer Weide im Ort zwei Schafe gerissen. Der Landtagsabgeordnete und Flögelner Ortsbürgermeister Claus Seebeck (CDU) nimmt diesen Vorfall zum Anlass, vom Landkreis Cuxhaven und dem Land Niedersachsen zu fordern, sofort Maßnahmen zur Regulierung des Wolfsbestandes zu ergreifen - und zwar unabhängig von den laufenden EU- und Bundesverfahren.

Nutzierrisse häufen sich auch andernorts. Wie berichtet, wurde in der Stadt Cuxhaven am Montagmorgen in Nachbarschaft zu Wohngebieten ein totes Rind auf einer Weide aufgefunden. Montag vor einer Woche soll es nach Informationen unseres Medienhauses in Nordleda zu einem Rinderriss gekommen sein.

Kreis Cuxhaven ist Wolf-Hotspot

Laut den Daten des Wolfsmonitorings Niedersachsen gab es im Monitoringjahr 2024/2025 37 Übergriffe auf Nutztiere in der Region. Das ist der höchste Wert im gesamten Bundesland.

Der Wolf ist seit dem Jahr 2014 im Landkreis Cuxhaven etabliert. Heute gilt das Cuxland als das Gebiet, mit den meisten dokumentierten Nutzierrissen in Niedersachsen. Die meisten Wolfsangriffe werden in den Herbst- und Wintermonaten verzeichnet.

Von April 2012 bis Ende Juli 2025 wurden im Landkreis Cuxhaven nachweislich mehr als 750 Nutztiere von Wölfen gerissen, davon 501 getötet - es waren 397 Schafe, 89 Rinder, sechs Pferde, sechs Stück Gatterwild und drei Ziegen. Bekanntlich dürfte die tatsächliche Zahl höher liegen, weil Tierhalter längst nicht alle Risse melden.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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