Tatort Hamburger Hauptbahnhof: Ein 19-jähriger Syrer hatte gemeinsam mit der Polizei eine Messerangreiferin gestoppt. Foto: Georg Wendt/dpa
Tatort Hamburger Hauptbahnhof: Ein 19-jähriger Syrer hatte gemeinsam mit der Polizei eine Messerangreiferin gestoppt. Foto: Georg Wendt/dpa
Messerattacke am Hauptbahnhof

Nach Angriff in Hamburg: AfD-Kandidatin aus Stader Wahlkreis will Helfer abschieben

02.06.2025

Im Internet zeigt Marie-Thérèse Kaiser, Bundestagskandidatin der AfD für den Wahlkreis Stade I - Rotenburg II, wie tief die Partei in rechtsextreme Denkmuster verstrickt ist - und bestätigt damit einmal mehr die Einschätzung des Verfassungsschutzes.

Die AfD-Politikerin Marie-Thérèse Kaiser (28) rief beim Kurznachrichtendienst X dazu auf, dem "Held von Hamburg" einen "Gutschein für einen kostenlosen Rückflug" zu übergeben.

Der "Held von Hamburg" ist ein 19 Jahre alter Syrer. Er hatte gemeinsam mit einem Mann aus Tschetschenien und der Polizei die Messerangreiferin von Hamburg gestoppt. Die psychisch auffällige Deutsche (39) hatte zuvor 15 Personen mit einem Messer verletzt. Drei weitere verletzten sich beim Weglaufen.

Die Angreiferin hatte auf dem Bahnsteig der Gleise 13/14 dort auf den Zug wartende Menschen mit einem Messer attackiert.

Marie-Thérèse Kaiser (AfD) will den Retter von Hamburg zurück nach Syrien schicken. Foto: Wisser

Die Frau wurde laut Polizei durch das "sehr schnelle Eingreifen zweier Passanten, die sich auf dem Bahnsteig befanden" gestoppt und konnte im Anschluss von einer Quattro-Streife festgenommen werden. Dabei handelt es sich um ein Vierer-Team aus Bundes- und Landespolizei sowie den Sicherheitskräften von Hochbahn und Deutsche Bahn.

Aufgegriffen hatte den Post von Marie-Thérèse Kaiser zuerst der "Volksverpetzer". In dem deutschen Blog geht es um die Auseinandersetzung mit Falschmeldungen. Kaiser ist 2021 und 2025 bei den Bundestagswahlen als Direktkandidatin der vom Verfassungsschutz in Teilen als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei für den Wahlkreis Stade I - Rotenburg II angetreten.

Wie AfD-Frau Kaiser einen Satire-Post überholt

Außerdem ist Kaiser Mitarbeiterin der AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Rotenburg. Aufgrund vieler Auftritte in den sozialen Medien ist das Ex-Model in einigen Kreisen sehr bekannt. Sie ist zudem eine rechtskräftig verurteilte Volksverhetzerin. Ein weiteres Verfahren im Zuge des vergangenen Bundestagswahlkampfs wurde nicht eröffnet.

Marie-Thérèse Kaiser ist Mitarbeiterin der AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel. Foto: privat

Mit ihrem umstrittenen Post hatte Kaiser es geschafft, einen Beitrag des Satiremagazins Postillon zu überholen. Das Magazin hatte getitelt, dass die AfD die Abschiebung fordern würde. Der konstruierte Grund des Satire-Magazins: Der Syrier habe eine deutsche Frau angegriffen.

Die Reaktion von Marie-Thérèse Kaiser (AfD) auf die Kritik an ihren Äußerungen. Foto: Wisser

Auf Nachfrage unserer Kollegen des Stader Tageblatts bestätigte Marie-Thérèse Kaiser ihren Post auf X inhaltlich und postete das auch auf dem Portal des Tech-Milliardärs und Trump-Vertrauten Elon Musk. "Zivilcourage ist lobenswert unabhängig der Herkunft des Couragierten. Die Lösung für die durch die Massenmigration verursachten Probleme kann nur Remigration lauten. Dies bleibt auch durch heldenhafte Taten unberührt."

AfD-Kreisverband äußert sich inhaltlich nicht

Der AfD-Kreisverband wollte sich auf Nachfrage inhaltlich nicht zu dem Post äußern. "Auf Veröffentlichungen bestimmter Internetseiten wird vom AfD-Kreisverband Stade grundsätzlich keine Stellungnahme erfolgen. Die Seite, auf die Sie Bezug nehmen, gehört dazu", lautet die Antwort auf eine Anfrage.

Wie klug solche Posts angesichts der AfD-Verbotsdebatte und der Einstufung als gesichert rechtsextrem durch den Inlandsgeheimdienst sind, bleibt abzuwarten. "Das in der Partei vorherrschende ethnisch-abstammungsmäßige Volksverständnis ist nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar", hatte der Verfassungsschutz mitgeteilt.

"Konkret betrachtet die AfD zum Beispiel deutsche Staatsangehörige mit Migrationsgeschichte aus muslimisch geprägten Ländern als nicht gleichwertige Angehörige des durch die Partei ethnisch definierten deutschen Volkes", so der Verfassungsschutz.

Von Karsten Wisser

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