Mit neuer Musik und frischen Ideen will der gebürtige Otterndorfer Felix "Shocky" Wendt jetzt wieder richtig durchstarten. Foto: Bastiem & Bentley
Mit neuer Musik und frischen Ideen will der gebürtige Otterndorfer Felix "Shocky" Wendt jetzt wieder richtig durchstarten. Foto: Bastiem & Bentley
Über Höhen und Tiefen

Nach zehn Jahren Odyssee: Rapper "Shocky" zurück in seiner Heimat im Kreis Cuxhaven

von Lennart Keck | 04.01.2024

Nach zehn Jahren Odyssee ist er zurück in Otterndorf im Kreis Cuxhaven und "bereit für Action". Nach langjähriger Mitgliedschaft in einer der erfolgreichsten deutschen Punkrockbands, entschloss sich Rapper "Shocky" nun dazu, solo weiterzumachen.

Shocky, der mit bürgerlichem Namen Felix Wendt heißt, ist gebürtiger Otterndorfer, zog aber im Alter von 13 nach Cuxhaven. Damals besuchte er fast jedes Wochenende seinen älteren Cousin Jaamin Demir in Hamburg, der Musik und Beats für Harbuger Musiker produzierte. Er war eine von vielen Inspirationen für Shocky, Musik zu machen. "Ich komme aus einer Musikerfamilie. Mein Vater war in seiner Jugend auch schon auf Tour. Das Musikmachen wurde einem halt irgendwie in die Wiege gelegt", erzählt Felix Wendt. Seine ersten Beats baute er mit 14 Jahren, die ersten eigenen Songs nahm er mit 16 auf. Im Alter von 21 zog er schließlich selbst nach Hamburg.

Den Rockstar-Lifestyle ausgelebt

Später wurde Shocky Mitglied der Musikgruppe "Swiss und die Andern", einer der erfolgreichsten deutschen Punkrockbands. "Auf den ersten Shows war ich als Back-Up dabei und hatte ein paar Soloparts", erinnert sich Shocky. "Bei den eigenen Tourneen habe ich das Vorprogramm gemacht." Im Laufe der Jahre spielte sich die Band immer weiter nach oben und so trat sie in Hamburg erst im Kaiserkeller, dann in der Großen Freiheit und 2019 zum ersten Mal in der ausverkauften Sporthalle auf.

Vom Kaiserkeller bis zur ausverkauften Sporthalle Hamburg. Foto: Privat

"Es war eine wilde und interessante Zeit", sagt Shocky rückblickend. "Aber ich habe auch viel gelernt und bin froh, dass ich meine Zwanziger überstanden habe. Es war nicht immer geplant, so alt zu werden. Ich habe diesen Keine-Zukunft-Rockstar-Lifestyle sehr gelebt. Aber jetzt habe ich eine Zukunft und in die investiere ich."

Geprägt von der Musik eines jungen Sido oder Kool Savas, in der Schwäche belohnt wird, dachte der junge Otterndorfer damals nur selten an die Zukunft: "Mir wurde vermittelt: Du kannst asozial sein und das ist gesellschaftlich anerkannt. Meine Musik war dementsprechend auch nicht besonders lebensbejahend." Heute blickt er reflektierter auf seine Werke: "Ich habe über meine Jugend und Zwanziger nachgedacht und gemerkt, welchen unbewussten Einfluss Mucke auf mich hatte. Ich will jetzt Verantwortung übernehmen, weil ich weiß, dass ich mit meinen Texten Einfluss habe."

2018 performte Shocky in Hamburg in der Großen Freiheit. Foto: Martin Backspin

Von "Missglückte Welt" zu "Menschen Kult"

Im Mai 2022 trennte sich Shocky von der Band und dem dazugehörigen Kollektiv "Missglückte Welt", einer Bewegung, deren Anhänger der Ansicht sind, dass die Welt und die Menschen nicht perfekt sind, und gestaltet nun seine eigene Bewegung: "Menschen Kult" oder kurz "MK". Noch in den Kinderschuhen steckend, besagt zumindest der Ursprungsgedanke, sich gemeinsam mit anderen für stärkende Ideen und gute Kunst einzusetzen und einzelne Individuen zu stärken.

Doch auch mit neuen eigenen Songs möchte Shocky wieder live performen. Vor wie vielen Zuschauern sei dabei zweitrangig, denn für den 31-Jährigen haben sowohl große als auch kleine Shows ihren Charme. "Auch in der Döser Börse würde der Schweiß von der Decke tropfen", erzählt er lachend. Erst vergangenen Sommer spielte Shocky bei der dritten Ausgabe des Lokal-Festivals "Scholienrocks" in Neuenkirchen. Dort interagierte er mit den Zuschauern und verarbeitete die aufgenommenen Rufe in einem seiner Songs. Eine Besonderheit seiner Auftritte. "Wer also zu einer Show kommt, kann sicher sein, dass er sich auf irgendeiner Aufnahme wiederhört - wenn er nur laut genug mitschreit."

Tätowierungen mit Wiedererkennungswert

Eines der offensichtlichsten Markenzeichen von Shocky sind seine auffälligen Tätowierungen, wie der Mund oder das schwarz tätowierte Auge. Als Vorlage für den Mund diente ein Selbstporträt, das er während seiner Zeit in Cuxhaven gemalt hatte. "Den Mund habe ich immer verkackt, also habe ich einen Skelettmund darüber gemalt", erklärt er. "Dann hatte ich die Idee, den Tätowierer Neon Judas zu fragen, ob er mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann und irgendwie hatte er sogar Lust dazu." Damals war Shocky 23 Jahre alt. Noch einmal würde er das heute zwar nicht mehr machen, aber mit dem Ergebnis ist er dennoch zufrieden. "Für mich war das damals wie eine Art Statement, dass ich den Weg der Musik weiter gehe. Auch wenn ich weiß, dass es nicht immer so einfach und schön bleiben wird. Ohne das Tattoo hätte ich wahrscheinlich schon einige Jobs gemacht, die ich eigentlich nicht hätte machen wollen, und dann wären einige schöne Songs nie entstanden." Das Auge hingegen hätte ihm rein ästhetisch zugesprochen. Für kommende Kämpfe sei sogar die Idee aufgekommen, auch das zweite Auge zu schwärzen, denn: "Mit zwei tätowierten Augen sieht der Gegner schlecht, wohin ich schaue."

Ein Teil des Selbstportraits, das als Vorlage für Shockys Gesichtstattoo fungierte. Foto: Shocky/Wendt

Erste EP erscheint bald

In seiner Freizeit betreibt Felix Wendt Kampfsport in der Fight Fabrik in Cuxhaven. Auch hier gibt es Parallelen zur MK-Idee: "Ich möchte mit meiner Musik das schaffen, was der Kampfsport auch erreicht. Selbstvertrauen aufbauen und unter anderem damit den Einzelnen stärken." Im kommenden Februar soll bereits die erste EP von MK erscheinen und auch erstes Merchandise ist bereits erhältlich.

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