Nächstes Restaurant in der Wingst schließt: "Mussten jeden Monat dazu buttern"
Die Wingst steht vor gastronomischen Herausforderungen: Nach dem Hotel Peters schließt nun auch die Trattoria Benvenuto. Steigende Kosten und Personalmangel zwingen zur Aufgabe.
Das Gastronomiesterben vollzieht sich nicht mehr nur schleichend, sondern signifikant. Und für die Wingst kommt es knüppeldicke. Wenige Tage nach dem Insolvenzantrag des Hotel Peters stellt ein weiteres Restaurant den Betrieb ein. Am Montag (1. November 2026) verkündete Geschäftsführer Heiko Schröder über Social Media die sofortige Schließung der "Trattoria Benvenuto" ("Alte Tischlerei") in der Molkereistraße.
Als Begründung führte er darin steigende Preise in allen Bereichen der Gastronomie an. In einer Zeit zunehmender Verunsicherung hätten sie schon länger Sorgen bereitet. Hinzu kämen nicht zu lösende Probleme im Personalbereich und damit verbundene Kosten. Den Mitarbeitern und Gästen dankte er für ihre Treue.
Von Herzensangelegenheiten bis Hoffnung
In einem Gespräch mit CNV-Medien unterstrich Heiko Schröder, dass ihm die Entscheidung sehr schwergefallen sei, aber nach langer und reiflicher Überlegung habe die Reißleine gezogen werden müssen. Der gastronomische Betrieb sei eine echte Herzensangelegenheit gewesen, und bei allen Schwierigkeiten habe er immer gehofft, dass es doch noch besser werde, aber der Weiterbetrieb des Restaurants sei wirtschaftlich wie personell schlichtweg nicht mehr möglich gewesen.
"Das ging einfach nicht mehr so weiter"
"Wir mussten jeden Monat dazu buttern, das ging einfach nicht mehr so weiter", sagt der Unternehmer, der mit für das direkt nebenan gelegene Familienunternehmen Dabrock-Werbung verantwortlich zeichnet.
Heiko und Manja Schröder haben das damals heruntergekommene Gebäude 2018 gekauft und zu dem Schmuckstück unter dem Namen "Alte Tischlerei" entwickelt. Eröffnung war zunächst mit der Bäckerei im März 2021, kurz darauf ging das italienische Restaurant an den Start. Während die Bäckerei nur kurze Zeit überdauerte, etablierte sich das geschmackvoll eingerichtete "Benvenuto" mit seiner italienischen Küche, die kulinarisch so viel mehr als nur Pizza bot. Doch zu steigenden Personal- und Energiekosten kam ein verändertes Gästeverhalten mit der Zeit hinzu; es wurde zunehmend mehr auf die Ausgaben geachtet: "Statt zwei Gläser Wein wurde nur noch eines bestellt, und anstelle eines Menüs war es dann doch die günstigere Pizza ..."
Immobilie steht mit Einrichtung zum Verkauf
Und was wird nun aus den Räumlichkeiten und der Außengastronomie? Heiko Schröder erklärte: "Wir lassen die gesamte Einrichtung drin und hoffen, dass wir jemanden finden, der es kauft und so übernimmt." Ein Makler sei beauftragt. Vielleicht interessiere sich jemand, der es als Familienunternehmen führt, so Heiko Schröders Hoffnung, dass es dort mit einem Restaurantbetrieb unter neuer Regie weitergehen kann.
Der Wingster Bürgermeister Patrick Pawlowski bedauert die Entwicklung sehr, von der er wie zuvor beim Hotel Peters persönlich vorher in Kenntnis gesetzt wurde. "Als Gemeinde haben wir keinen direkten Einfluss, und können die Gastronomie nur indirekt stützen, indem wir uns weiter bemühen, die Wingst attraktiv zu halten. Die Häufung von Schließungen betrachten wir aber mit großer Sorge", sagte Pawlowski. Das Gasthaussterben zieht auch an der Wingst nicht vorüber. In jüngerer Zeit gab es ein Aus beim Gasthaus "Zur Linde" in Weißenmoor und "Zur Schwalbe" am Campingplatz. Aber dennoch gebe es weiterhin gastronomische Angebote in seiner Gemeinde, betonte der Bürgermeister und verwies auf das Gasthaus "Lindenwirt am Zollbaum", das "Forsthaus Dobrock", das für Gesellschaften buchbare "Lütt Mandus" sowie den Imbiss "La Crêperie Elsner".
Tourismus GmbH pachtet Jugendherberge
Und bei allen Hiobsbotschaften gibt es aber auch Positives aus der Wingst zu vermelden. Die nichtöffentliche Gesellschafterversammlung der Tourismus GmbH hat laut Bürgermeister Pawlowski grundsätzlich entschieden, die Jugendherberge zunächst als Pächterin zu betreiben und damit den Weiterbetrieb bereits ab dem kommenden Frühjahr sicherzustellen. Jetzt gelte es nur noch, einige rechtliche Aspekte abzuarbeiten. Die gemeindliche Tourismusgesellschaft hofft bei der Unterhaltung der Jugendherberge auf Unterstützung und Engagement aus der Gesellschaft, so Pawlowski. Hintergrund war die Entscheidung des Jugendherbergswerkes Nordmark, sich zum Ende dieses Jahres von der 200-Betten-Einrichtung zu trennen. Damit schien zunächst das Aus nach 88 Jahren Jugendherbergsbetrieb besiegelt zu sein.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.