Nächtliche Odyssee auf der Zugstrecke RE5: Cuxhavener berichten von Chaos in Stade
Mehr Stabilität sollte der Betreiberwechsel auf der Strecke Hamburg-Cuxhaven bringen. Seit 1. August fährt dort DB Regio. Doch schon am ersten Wochenende kam es zu Ausfällen, fehlenden Infos und einer nächtlichen Odyssee. Zwei Cuxhavener berichten.
Größere Personalreserven, zusätzliche Lokführer und flexiblere Einsatzmöglichkeiten: Damit wollte DB Regio den Betrieb auf der Strecke RE5 zwischen Hamburg und Cuxhaven zuverlässiger machen. Seit dem 1. August ist die bisherige DB-Tochter Start Unterelbe vollständig in DB Regio integriert. Fahrzeuge, Fahrplan und Tickets blieben unverändert. Die zusätzlichen Personal- und Fahrzeugkapazitäten sollen vor allem für mehr Verlässlichkeit im Betrieb sorgen, so die Ankündigung.
Zumindest am ersten Betriebswochenende ging diese Rechnung nicht auf. Bereits am Sonnabend (1. August) endete für zahlreiche Reisende die Rückfahrt aus Hamburg unvermittelt in Stade. Kurz vor dem Bahnhof sei durchgesagt worden, dass das Stellwerk in Hechthausen nicht mehr besetzt sei und der Zug deshalb nicht weiter nach Cuxhaven fahren könne. Der RE5, der um 21.23 Uhr in Hamburg-Harburg abgefahren war, endete in Stade.
Kritik am Umgang mit den gestrandeten Fahrgästen
Unter den Betroffenen waren die Cuxhavener Gabriele Hoffmann und Rüdiger Pawlowski. Nach ihren Schilderungen standen gegen 22 Uhr Hunderte Menschen auf dem Bahnsteig - darunter Familien mit kleinen Kindern und Reisende mit viel Gepäck. Für besonderen Ärger sorgte weniger der Zugausfall selbst als der Umgang mit den gestrandeten Fahrgästen.
Hoffmann berichtet, dass es rund anderthalb Stunden weder Durchsagen noch aktualisierte Anzeigen oder brauchbare Informationen in der Bahn-App gegeben habe. Auch über die Servicenummer sei niemand zu erreichen gewesen, das Zugpersonal habe den Bahnsteig verlassen. Sie kritisiert, dass die Reisenden nachts ohne erkennbare Unterstützung zurückgelassen worden seien.
Dabei geht es Hoffmann nicht in erster Linie um zusätzliche Kosten. In einer Nachricht an die Redaktion äußert sie die Sorge, wie Minderjährige oder andere hilfsbedürftige Menschen in einer solchen Situation zurechtkommen sollen. "Diese gleichgültige Verantwortungslosigkeit kann überhaupt nicht angehen", findet sie.
Ein Taxi nach Cuxhaven hätte nach ihren Angaben zwischen 220 und 250 Euro gekostet. Sie und ihre Begleitung organisierten deshalb privat eine Fahrt nach Cadenberge. Dort entdeckten sie schließlich einen Zug, der um 0.29 Uhr nach Cuxhaven fahren sollte.
Kurios: Auf dem Weg nach Cadenberge sei ihnen kurz vor Mitternacht ein Bus mit der Anzeige "Schienenersatzverkehr" entgegengekommen, berichtet Hoffmann. In der App sei dieser zuvor nicht angekündigt worden.
Ähnlich schildert Rüdiger Pawlowski den Abend. Auch er berichtet von langer Ungewissheit ohne Ansprechpartner und konkrete Informationen. Weder sei klar gewesen, ob ein Ersatzverkehr eingerichtet werde, noch ob Taxikosten übernommen würden. Sein Fazit fällt bitter aus: Der Neustart unter DB Regio habe eines der grundlegenden Probleme auf der Strecke nicht beseitigt - fehlende klare Verantwortung und verlässliche Fahrgastinformationen in Störungssituationen.
Auch die folgenden Tage verliefen nicht völlig störungsfrei. Am Montagmorgen (3. August) berichtete eine Pendlerin zwischen Hemmoor und Cuxhaven von Problemen mit dem DB Navigator. Wegen eines technischen Fehlers sei für den RE5 zeitweise keine Reiseauskunft verfügbar gewesen. Gerade auf einer Strecke, auf der sie wegen möglicher Verspätungen regelmäßig vor der Fahrt die Verbindung prüfe, sei das problematisch. Ihr Zug kam an diesem Morgen allerdings mit lediglich zwei Minuten Verspätung in Hemmoor an. Auch nach Montag kam es laut den in der Fahrplaner-App angezeigten Verbindungsdaten weiterhin zu Beeinträchtigungen und Verspätungen auf der Strecke.
Übernahme von DB Regio ist eine Übergangslösung
Die Erwartungen an den Betreiberwechsel waren hoch. DB Regio hatte vor der Übernahme angekündigt, zusätzliches Personal vor Ort einzusetzen und gemeinsame Qualitätsstandards einzuführen. Abfahrtszeiten und Taktung sollten sich für die Fahrgäste nicht ändern. Viel Zeit, diese Versprechen einzulösen, bleibt DB Regio nicht. Die Übernahme ist eine Übergangslösung: Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2027 soll die Metronom Eisenbahngesellschaft die Strecke wieder übernehmen.
Eine inhaltliche Stellungnahme der Deutschen Bahn zu den Vorfällen lag bis Redaktionsschluss nicht vor. Tim Cappelmann, Leiter Kommunikation für Hamburg/Schleswig-Holstein und Niedersachsen/Bremen, verwies auf ein derzeit "sehr hohes Anfrageaufkommen" in der Bahn-Pressestelle. Zudem stünden noch Rückmeldungen aus dem zuständigen Fachbereich aus. Mit einer Antwort rechnet die Bahn spätestens Anfang kommender Woche.
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