Hygiene-Verdacht in Neuenkirchen: Das ergaben die internen Prüfungen bei Döhler
Bei der Untersuchung möglicher Hygienemängel rund um Tanktransporte für das Döhler-Werk in Neuenkirchen wurden keine Verunreinigungen oder Unregelmäßigkeiten festgestellt. Das Unternehmen hält dennoch an Sperren fest und kontrolliert strenger.
Ausgangspunkt waren umfangreiche Transportlisten und Hinweise, die unserer Redaktion im Frühjahr zugespielt worden waren. Die Unterlagen legten nahe, dass einzelne Tankfahrzeuge in engem zeitlichen Abstand sowohl Apfelsaftkonzentrat für Döhler als auch Chemikalien und Gefahrstoffe transportiert haben könnten. Ein Branchenkenner berichtete zudem von möglichen Manipulationen bei Angaben zu Vorladungen und Reinigungen. Seine Kritik richtete sich nicht gegen Döhler, sondern vor allem gegen einzelne Speditionen und Reinigungsstationen. Bei einer Kontrolle der Lebensmittelüberwachung des Landkreises Cuxhaven waren am Standort Neuenkirchen zunächst keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Der Verdachtsfall wurde anschließend über die zuständigen Behörden auf europäische Ebene weitergegeben.
Döhler teilt auf eine aktuelle Anfrage von cnv-medien.de mit, die internen Untersuchungen seien abgeschlossen. Neue Erkenntnisse über die bereits geprüften Sachverhalte hinaus lägen nicht vor. Die von der Redaktion dokumentierten Abläufe hätten sich nach den verfügbaren Informationen nicht als unzulässige Wechsel zwischen Chemikalien- und Lebensmitteltransporten bestätigt.
Die geprüften Transportdokumente, Reinigungsnachweise und Unterlagen der Warenannahme seien vollständig gewesen und hätten den Vorgaben entsprochen. Sämtliche Unterlagen seien den Behörden übergeben worden. Auch falsche Angaben, Lücken oder andere Unregelmäßigkeiten in Frachtpapieren und Ladungshistorien habe die Untersuchung nicht ergeben.
Darüber hinaus habe Döhler eigene Prüfungen und Analysen zu den in den Recherchen genannten Vorladungen veranlasst. Dabei seien keine chemischen Rückstände oder Verunreinigungen in betroffenen Rohstoffen oder Produkten festgestellt worden. Rückrufe, Rücknahmen oder vorsorgliche Sperrungen ausgelieferter Waren habe es deshalb nicht gegeben.
An den vorsorglichen Konsequenzen hält Döhler dennoch fest. "Die vorsorglich ausgesprochenen Sperren der in Ihren Dokumenten erwähnten Transporteure bestehen weiterhin", erklärt Katharina Wallace, Marketing Communications Manager in der Döhler-Zentrale. Wie viele Unternehmen davon betroffen sind, lässt Döhler offen.
Direkte Rückfragen bei beteiligten Dienstleistern
Die Hinweise seien außerdem genutzt worden, um bestehende Kontrollmechanismen zu überprüfen und "weiter zu schärfen". Bei der Warenannahme würden Transport- und Reinigungsdokumente nun intensiver geprüft. Hinzu kämen zusätzliche Plausibilitätskontrollen, eine stärkere Betrachtung der Ladungs- und Reinigungshistorien sowie direkte Rückfragen bei beteiligten Dienstleistern.
Neu beziehungsweise verstärkt vorgesehen seien auch unangemeldete Audits bei Tankreinigungsstationen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse seien nicht nur am Standort Neuenkirchen berücksichtigt worden, sondern konzernweit in Qualitäts-, Transport- und Lieferkettenprozesse eingeflossen.
Transport- und Reinigungsdokumente blieben jedoch ein wesentlicher Bestandteil der Warenannahme. Auch das sogenannte EFTCO Cleaning Document werde weiterhin als wichtiges und etabliertes Dokument angesehen. Döhler begrüße europäische und internationale Standards in der Transportbranche. Ob regelmäßig auch Tanks, Ventile, Pumpen oder Schlauchsysteme technisch untersucht werden, geht aus der Antwort nicht hervor.
Nach eigenen Angaben steht Döhler weiterhin mit den zuständigen Behörden in Kontakt. Ergebnisse aus den über die europäischen AAC- und RASFF-Systeme angestoßenen Prüfungen seien dem Unternehmen bislang nicht mitgeteilt worden. Beanstandungen, Auflagen oder Empfehlungen von Behörden und externen Prüfern habe es nicht gegeben.
Die Ergebnisse der eigenen Untersuchung will Döhler nicht öffentlich vorlegen. Auf eine entsprechende Frage antwortet das Unternehmen mit einem knappen "Nein". Zugleich wehrt sich die Zentrale dagegen, im Zusammenhang mit möglichen kriminellen Praktiken in der europäischen Transportbranche als Beteiligte dargestellt zu werden. Döhler sehe sich nicht als Verursacher, sondern als potenziell betroffenes Unternehmen und widerspreche entsprechenden Vorwürfen ausdrücklich.
Nach "bestem Wissen und Gewissen" könne Döhler aufgrund der eigenen Maßnahmen, der Lieferantenauswahl und des Auditregimes ausschließen, dass Tankzüge mit unerlaubten Vorladungen von Chemikalien und Gefahrstoffen für Produkte des Unternehmens eingesetzt worden seien. Eine vollständige Garantie gibt das Unternehmen allerdings nicht: Vor kriminellen Machenschaften in der internationalen Transportbranche sei niemand vollständig geschützt. Ein abstraktes Restrisiko lasse sich daher "nie vollständig zu 100 Prozent ausschließen", so Katharina Wallace.
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