Traum ließ sie nie los: Warum eine Autorin aus dem Kreis Cuxhaven neu durchstartet
Stefanie Möller aus Nordholz (Kreis Cuxhaven) schreibt an ihren Geschichten und kämpft zugleich gegen Zweifel und für ihren Traum vom Autorinnendasein. Jetzt wagt sie mit der Neuauflage ihres Romans und ihrer ersten Lesung einen mutigen Neuanfang.
Wenn morgens im Haus noch alles schläft, beginnt für Stefanie Möller ein wichtiger Teil ihres Tages. Mit einer Tasse Kaffee sitzt sie am Esstisch. Dann schreibt sie. Nicht in einer eigens inszenierten Schreibatmosphäre, sondern mitten im Alltag. "Wenn ich schreibe, dann spiele ich", sagt sie. Sie schlüpft in ihre Figuren, denkt wie sie, fühlt wie sie. Und genau daraus entstehen ihre Geschichten.
Die 41-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Nordholz. Ihr Weg dorthin war alles andere als geradlinig. Geboren in Berlin, zog sie als Kind nach Nordrhein-Westfalen, später der Liebe wegen nach Sachsen. Ein Schicksalsschlag brachte schließlich den Wunsch nach einem Neuanfang und führte sie in den Norden.
Vom Schraubenschlüssel zur Kinderbetreuung
Auch beruflich ging Möller ihren eigenen Weg. Ursprünglich machte sie eine Ausbildung in einer Autowerkstatt. "Ich dachte immer: Entweder ich arbeite mit Autos oder mit Kindern", erzählt sie. Während ihrer Schwangerschaft entschied sie sich um und wurde Kindertagespflegeperson. Seit knapp 14 Jahren betreut sie nun Kinder in ihrem eigenen Zuhause. Ein Beruf, der Nähe, Geduld und Verantwortungsgefühl verlangt. Eigenschaften, die sich auch in ihrem Schreiben wiederfinden.
Denn das Erzählen begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Bereits als Zehnjährige schrieb sie ihre ersten Geschichten. An eine blutige Zombie-Erzählung, die in ihrem Umfeld für Begeisterung sorgte, erinnert sie sich besonders. Spätestens da war für sie klar: Sie will Autorin werden.
Rollenspiele als Schule der Fantasie
In ihrer Jugend vertiefte sie diese Leidenschaft weiter. Rollenspiele wie "Shadowrun", "Vampire" oder "Das Schwarze Auge" wurden zu ihrer kreativen Spielwiese. "Das ist wie Theater spielen, nur ohne vorgegebene Texte", sagt sie. Charaktere entwickeln, Motive verstehen, menschliche Psyche ergründen - all das faszinierte sie. Bis heute analysiert sie Serien und beobachtet Menschen genau. Warum reagieren sie so? Was treibt sie an? Fragen, die später in ihre Bücher einfließen.

Mut zum ersten Buch und der Zweifel danach
Den entscheidenden Schritt wagte sie 2018. Ein Lehrgang in den Niederlanden, der sich mit Selbstbewusstsein, positivem Denken und Burnout-Prävention beschäftigte, gab ihr den nötigen Mut. Ein Jahr später veröffentlichte sie ihr erstes Buch. Doch der anfängliche Stolz hielt nicht lange. Zweifel kamen, das Selbstbewusstsein bröckelte. Obwohl Leserinnen und Leser begeistert waren, zog sie sich zurück. Auch beim zweiten Buch fehlte ihr die Überzeugung, wirklich hinter ihrem Werk zu stehen.
"Ich war nicht die Autorin, die sagt: Schaut euch mein Buch an", erinnert sie sich. Stattdessen ließ sie ihr Projekt schleifen - etwas, das sie bis heute beschäftigt hat.
Jetzt wagt sie einen Neuanfang. Mit einer überarbeiteten Neuauflage ihres Romans "Hope Dreams Reality" kehrt sie selbstbewusster und entschlossener zurück. Inhaltlich ist die Geschichte weitgehend gleich geblieben, ergänzt um neue Kapitel. Doch entscheidend ist etwas anderes: "Jetzt stehe ich wirklich dahinter."
Geschichten jenseits der Klischees
Ihr Roman verbindet Romance mit Military-Action - eine Mischung, die bewusst gegen gängige Muster geht. "Viele Geschichten laufen nach dem gleichen Schema ab", sagt sie. Kennenlernen, Konflikt, Happy End. Das habe sie gelangweilt. Stattdessen wollte sie Spannung von Anfang bis Ende. Vier Hauptfiguren tragen die Handlung, es geht um Einsätze, um Liebe, um Verlust und um die Perspektiven derjenigen, die zurückbleiben.
Als Self-Publisherin geht sie dabei einen besonders anspruchsvollen Weg. Ohne Verlag im Rücken organisiert sie alles selbst: vom Cover über die Finanzierung bis hin zum Druck. Bücher für Lesungen müssen vorfinanziert werden, ebenso das Formatieren und Veröffentlichen. Ein Weg, der Mut und Durchhaltevermögen erfordert.
Die größte Herausforderung aber ist eine andere: mit Kritik umzugehen. "Es gibt Menschen, die urteilen, ohne das Buch gelesen zu haben", sagt sie. Genau daran sei sie beim ersten Mal gescheitert. Heute versucht sie, dem standzuhalten, stolz zu bleiben und sich nicht wieder verunsichern zu lassen.
Rückhalt aus der Familie - auch auf der Bühne
Ein wichtiger Rückhalt ist ihr Mann. Besonders bei ihrer ersten Lesung am 16. April 2026 im Familienzentrum Nordholz steht er an ihrer Seite und wird die männlichen Rollen lesen. Gemeinsam wollen sie die Geschichte lebendig machen, mit all ihrer Ernsthaftigkeit, aber auch mit den humorvollen Momenten, die das Buch prägen.
Für Möller ist die Lesung vor allem eine Gelegenheit, ihr Buch sichtbar zu machen und mit Leserinnen und Lesern ins Gespräch zu kommen. Sie möchte, dass ihre Geschichten gelesen und ernst genommen werden. Dafür nimmt sie den Aufwand des Self-Publishings ebenso in Kauf wie die Unsicherheiten, die damit verbunden sind.
Geschrieben wird weiterhin dort, wo Platz ist: am Esstisch, früh am Morgen oder in ruhigen Momenten zwischendurch. Schritt für Schritt arbeitet sie daran, sich als Autorin zu etablieren.